50 Jahre alter Mercedes der Bremer Senatskanzlei war lange Zeit verschollen und wird jetzt privat verkauft Der Dienstwagen von Wilhelm Kaisen

Bremen.Der Wagen von Wilhelm Kaisen! Ein schwarzer Mercedes 220S, zugelassen auf die Senatskanzlei. Das Kennzeichen: HB-3-4.
31.01.2014, 00:00
Lesedauer: 1 Min
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Der Dienstwagen von Wilhelm Kaisen
Von Jürgen Hinrichs

Der Wagen von Wilhelm Kaisen! Ein schwarzer Mercedes 220S, zugelassen auf die Senatskanzlei. Das Kennzeichen: HB-3-4. Ein Auto, das eigentlich ins Museum gehört, und nun steht es hier, auf einem Parkdeck an der Bürgerweide, und ist Teil der Fahrzeugbörse bei der „Bremen Classic Motorshow“. Der Wagen wird verkauft, ganz einfach. Er kam unbemerkt und wird unbemerkt wieder verschwinden. Ein Stück Bremer Geschichte, das niemand festhält, weil es keiner kennt.

Michael Witgrefe, ein Optiker und Autosammler aus der Nähe von Bad Pyrmont, hat den Dienstwagen des Bürgermeisters, der Bremen aus dem Nachkriegs-Schlamassel geholt hat, vor fünf Jahren von einem anderen Sammler erworben. „Gut sah der Wagen damals nicht mehr aus, ich musste allerlei machen lassen, aber in der Substanz war er in Ordnung“, sagt Witgrefe.

Zugelassen wurde das Auto am 31. Oktober 1962. So steht es in den Fahrzeugpapieren. Damals war Kaisen noch Bürgermeister, und klar, dass er für seine Dienstfahrten den Mercedes bekam. „Die anderen fuhren damals Opel“, weiß Witgrefe.

Ein halbes Jahr lang hat der Wagen in der Scheune gestanden, unbewegt, und deshalb dauert es ein wenig, bis er für eine kleine Spritzfahrt in Schwung kommt. „Der Vergaser muckt noch, aber das wird schon“, sagt Witgrefe. Dann legt er den ersten Gang ein, Handschaltung, und gibt Gas.

So also hat er im Auto gesessen, hinten rechts wahrscheinlich, nah am Aschenbecher. Kaisen war Raucher, er liebte Zigarren, und ganz egal, wenn vorne ein Chauffeur saß, der den Rauch aushalten musste. Die alten Sitzbezüge hat Witgrefe austauschen lassen, sie waren zerschlissen und nicht mehr zu gebrauchen. Das Radio musste er nur reparieren. „Ich habe es ausgebaut und dabei etwas entdeckt.“ Ein Radio mit dem Stempel „Senatskanzlei“, Teil der Inventarliste.

Als Kaisen 1965 aus dem Amt schied, blieb sein Dienstwagen im Besitz der Senatskanzlei. Später kam er in private Hände, bis das Auto 1982 für viele Jahre in einer Tiefgarage verschwand, wie Witgrefe von dem Mann erfuhr, der ihm den Wagen verkauft hatte. Nun gibt er ihn wieder ab, für 30000 Euro. Kaufen, verkaufen – „eigentlich“, sagt Witgrefe, „gehört das Auto Bremen“.

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