Studie zu Kita-Personal

Der Fachkräftemangel wird für Bremen zur Herausforderung

Obwohl der Personalschlüssel in Bremer Kitas verhältnismäßig gut ist, hat er sich insgesamt verschlechtert. Dabei wünschen sich deutlich mehr Eltern einen Krippenplatz
26.09.2019, 22:18
Lesedauer: 3 Min
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Der Fachkräftemangel wird für Bremen zur Herausforderung
Von Lisa-Maria Röhling
Der Fachkräftemangel wird für Bremen zur Herausforderung

In Bremen ist die Zahl der betreuten Kinder deutlich gestiegen.

Rolf Vennenbernd / dpa

Die Personaldecke in Bremer Kitas ist knapp. Auch wenn das kleinste Bundesland nicht nur deutschlandweit, sondern auch im Vergleich mit angrenzenden niedersächsischen Gemeinden einen guten Personalschlüssel hat, werden die Engpässe immer wieder deutlich. Denn es fehlen nach aktuellem Stand 900 Kita-Plätze – und das hat laut der Bildungsbehörde nicht nur mit dem Kita-Ausbau, sondern auch mit dem gravierenden Fachkräftemangel zu tun.

240 zusätzliche Fachkräfte veranschlagt die Bertelsmann-Stiftung deshalb für Bremen, knapp 17 Millionen Euro würde der Qualitätsausbau kosten. Denn: Eine bessere Fachkraft-Kind-Relation bedeutet für die Studienautoren auch, dass sich die Betreuungsqualität in den Kitas verbessert. Das kann den Angaben zufolge mit dem Geld des Gute-Kita-Gesetzes geleistet werden: Knapp 45 Millionen Euro bekommt Bremen bis 2022 vom Bund für den Qualitätsausbau in den Kitas. Allerdings ist ein Großteil des Geldes für die Gebührenfreiheit für Kinder ab drei Jahren vorgesehen.

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In Bremen werden in 451 Kitas 4860 Kinder unter drei Jahren und 18 978 Kinder ab drei Jahren von 4959 pädagogischen Mitarbeitern betreut. Zwar hat Bremen von 2013 bis 2018 deutlich Personal aufgestockt (von 3563 auf 4733 Fachkräfte), allerdings werden auch deutlich mehr Kinder betreut: Waren es 2013 noch 17 745, stieg die Zahl bis 2018 auf 23 838.

Tatsächlich könnte die Personalsituation in Bremen weitaus schlimmer sein, gerade in den Krippen: Während von den in Bremen lebenden Kindern zwischen drei und sechs Jahren 88 Prozent eine Kita besuchen, waren es bei denen unter drei Jahren 28 Prozent. Besonders groß ist der Unterschied bei der Krippenbetreuung in Bremerhaven und Bremen: Während in Bremen knapp 30 Prozent der Kinder eine Krippe besuchen, sind es in Bremerhaven 19,1 Prozent. Das haben die Macher der Bertelsmann-Studie herausgefunden. Damit liegen beide Kommunen nicht nur unter dem Bundesschnitt von 34,4 Prozent, sondern kommen auch dem Wunsch ihrer Bürger nicht nach: Laut der „DJI-Kinderbetreuungsstudie U 12“ wünschten sich 49 Prozent der Bremer Eltern von Kindern, die jünger als drei Jahre alt sind, einen Betreuungsplatz.

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Dass sich der Personalschlüssel in Bremen leicht verschlechtert hat, ist für Sofia Leonidakis, kinderpolitische Sprecherin der Linken, nicht verwunderlich: Zwar habe es einen massiven Ausbau gegeben, allerdings seien nicht annähernd so viele Fachkräfte dazu gekommen. „Die Personaldecke in Bremen ist nicht komfortabel.“ Allerdings seien die Zahlen trotz der leichten Verschlechterung nicht dramatisch: „Wir sind von einem guten Niveau etwas abgefallen. Das ist kein Alarmsignal.“ Die Lage ist nicht in allen Stadtteilen schlecht: In knapp einem Drittel der Kindergartengruppen hat eine Fachkraft weniger als sieben Kinder in ihrer Obhut, auch in 17 Prozent der Krippen ist die Personallage günstig. Dagegen muss sich bei der Hälfte der Kitas und Krippen eine Fachkraft um deutlich mehr als acht Kinder kümmern.

Da bestehe Handlungsbedarf, sagt Leonidakis. Es müsse bessere Rahmenbedingungen in schlechter gestellten Stadtteilen geben, um Fachkräfte dort zu unterstützen. Ein erster Schritt sei die bessere Bezahlung von Erzieherinnen und Erziehern in diesen Stadtteilen gewesen, künftig müsse der Sozialindex, auf dem diese Zuordnung basiert, allerdings angepasst werden. Eine Anfrage bei der CDU blieb am Donnerstag unbeantwortet.

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Die Bildungsbehörde verspricht Verbesserungen: „Insgesamt vergessen wir über den massiven Ausbau die Qualität nicht“, sagt Annette Kemp, Sprecherin der Bildungssenatorin, zu den Erkenntnissen der Bertelsmann-Stiftung. So werde in Bremen aktuell ein Kita-Sozialindex sowie ein sogenanntes Kita-Qualitäts- und Finanzierungsgesetz erarbeitet, um Kita-Plätze in beiden Stadtgemeinden entsprechend zu fördern. Das reiche nicht, weshalb zum 1. Januar mit „Entwicklung einer qualitätsorientierten Kita-Steuerung im Land Bremen“ ein neues Projekt an den Start geht. Dabei soll ermittelt werden, wie Ressourcen besser für die Qualitätsentwicklung genutzt werden können und welche Fehler bisher gemacht wurden. Solche Qualitäts- und Leistungsziele sollen auch in der Finanzierung der Kitas eine Rolle spielen: Demnach soll das bisher starre Finanzkonzept, das aus eine Vielzahl von Sonderzuwendungen für einzelne Maßnahmen in den Kitas besteht, abgelöst werden. Kern der Qualitätsentwicklung sei allerdings die Fachkräftegewinnung. „Die bleibt herausfordernd“, sagt Kemp.

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