Team des BIPS entwickelt moderne Programme zur Prävention / Migranten als eigene Zielgruppe Der Gesundheitstrainer schickt eine SMS

Altstadt. Ein Handy ist nicht nur zum Telefonieren geeignet. Geht es nach dem Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS) sollen Smartphones und Internet bald auch die Gesundheit fördern. Bei "Wissen um elf" im Haus der Wissenschaft stellten Professor Hajo Zeeb, Claudia Pischke und Anna Reeske zwei ihrer aktuellen Forschungsprojekte vor.
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Von Solveig Rixmann

Altstadt. Ein Handy ist nicht nur zum Telefonieren geeignet. Geht es nach dem Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS) sollen Smartphones und Internet bald auch die Gesundheit fördern. Bei "Wissen um elf" im Haus der Wissenschaft stellten Professor Hajo Zeeb, Claudia Pischke und Anna Reeske zwei ihrer aktuellen Forschungsprojekte vor.

Der Epidemiologe Professor Hajo Zeeb arbeitet seit 2010 am BIPS, einer seiner Schwerpunkte ist die Gesundheit von Migrantinnen und Migranten. Die Gesundheitspsychiologin Claudia Pischke ist Fachgruppenleiterin und konzentriert sich auf Interventionen zur Veränderung von Gesundheitsverhalten. Gesundheitswissenschaftlerin Anne Reeske arbeitet seit 2010 in der Fachgruppe Sozialepidemiologie.

"Gesundes Leben - für alle", benannte Professor Hajo Zeeb das Ziel der aktuellen Forschungsprojekte. Bevor Erkrankungen auftreten, soll Hilfe geleistet, Symptome sollen möglichst früh erkannt und Komplikationen vermieden werden. Neue Medien können dabei helfen, etwa bei der Wissensvermittlung oder der Selbstregulation. Die Forscher wollen herausfinden, wo der Einsatz dieser neuen Medien sinnvoll ist und wie Angebote beschaffen sein müssen, damit sie langfristig angenommen werden. Auch finanzielle Aspekte werden dabei berücksichtigt.

Großes Potenzial haben zum einen die Mobiltelefone. Vier Milliarden Handynutzer gibt es weltweit - auch in unterversorgten Kontinenten, wie Asien und Afrika sind Handys weit verbreitet. "Besonders an SMS sind wir interessiert", sagte Claudia Pischke. Am BIPS wird die Möglichkeit einer SMS-basierten Intervention untersucht. Anwendbar ist sie auf viele Bereiche: Sport, Ernährung oder Medikamenteneinnahme.

Das BIPS arbeitet an einem Projekt zur Selbststeuerung von Ernährung und Bewegung via SMS bei Teenagern. Die jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen dafür per SMS von einem Coach betreut werden. Dies ist gleichzeitig sehr diskret, weil es etwas Alltägliches ist, eine SMS zu bekommen, und niemand, der nicht eingeweiht ist, etwas von der Nachricht mitbekommt. Eine Bremerin hatte aus einem ähnlichen Prinzip vor Jahren ein Gesungheit-Geschäftsmodell entwickelt: Sie regte ihre vor dem Computer sitzende Klientel per E-Mail dazu an, Übungen für die Augen oder für den Rücken zu machen.

Im BIPS wird auch an einem intelligenten Gesundheitsassistenten für Migranten (GeM) gearbeitet. Die Internetplattform soll zur Primärprävention eingesetzt werden. Das BIPS ist für die Auswertung zuständig, das Distributed Artificial Intelligence Laboratory (DAI-Labor) der Technischen Universität Berlin für die technische Entwicklung.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BIPS haben unter anderem in einer türkischen Gemeinde recherchiert, denn die Zielgruppe soll bereits in der Entwicklung des Gesundheitsassistenten mit einbezogen sein. In Bremen wurden deutsche und türkische Familien ausgewählt, um mehrere Altersgruppen dabei zu haben. Zwei Dienste bietet GeM: den Gesundheitsinformationsdienst und den Präventionsdienst. Der Assistent ist erst einmal auf die Themen Adipositas (Übergewicht), Diabetes und Schwangerschaft beschränkt. Die Forscher wollen individuelle und verlässliche Antworten auf Anfragen der Nutzer bieten, und das sowohl auf Deutsch als auch auf Türkisch. Die anonyme Suche ist möglich, aber wer möchte, kann auch ein eigenes Gesundheitsprofil anlegen.

Für das Team des BIPS stehen die Funktionen im Vordergrund. "Wir sind nicht Google oder Facebook, das Design für uns ist erst mal sekundär", sagte Professor Hajo Zeeb. Doch noch steht die Entwicklung am Anfang.

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