Glosse

Der Kran bei Kühne

Verschwinden soll eine Scheußlichkeit, monströse technische Aufbauten, die das Haus von Kühne + Nagel verschandeln. Doch soweit kam es am Mittwoch nicht. Der Kran wird wieder abreisen.
20.08.2020, 05:00
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Der Kran bei Kühne
Von Jürgen Hinrichs
Der Kran bei Kühne

Pfahlprobe auf dem Dach von Kühne & Nagel.

Jürgen Hinrichs

Tatsächlich, nun geht es los, endlich – endlich ist der Kran da, der gebraucht wird, um einem 40 Meter hohen Gebäude aufs Dach zu steigen. Seit Tagen versperrt das tonnenschwere Gerät die Schlachte, bisschen blöd zwar, ärgerlich sogar, aber was soll's, das ist es wert.

Verschwinden soll eine Scheußlichkeit, monströse technische Aufbauten, die das Haus von Kühne + Nagel verschandeln. Als der Neubau aus der Grube wuchs und beständig an Form gewann, konnte niemand ahnen, was bei Kühne als Krone kommt und wie hässlich sie ist. Auf den Plänen war davon nichts zu sehen.

Groß der Zorn bei Bürgern und Behörden, riesengroß, nachdem sich herausstellte, dass es nicht die Blechbuden der Bauarbeiter sind. Keine Pausenräume in luftiger Höhe, die irgendwann wieder verschwinden. Stattdessen etwas, was bleibt und den Blick verstellt. Eine Dreistigkeit im Dunstkreis des Doms. Bodenlos und frech.

Auch der Bauherr soll entsetzt gewesen sein. So hatte sich Klaus-Michael Kühne seine neue Konzernzentrale nicht vorgestellt, so nicht, mit diesen Pickeln auf dem Dach. Der Firmenpatriarch sann auf Abhilfe, er schickte seine Leute zur Baubehörde und ließ sie eine Lösung finden. Der Krempel aus Blech wird verkleidet, maskiert, wenn man so will.

Gesagt, getan. Oder doch nicht? Was ist da los, fragten sich am Mittwoch die Beobachter. Denn kaum waren für den geplanten Zaun die ersten Pfähle aufgestellt, wurden sie schon wieder abgebaut. Falsche Lieferung, alles zurück? Nein, sagen Menschen, die es wissen müssen. Einer von ihnen vergleicht den rätselhaften Vorgang mit dem Kauf eines Teppichs. Der liegt zunächst zur Probe und wird wieder abgegeben, wenn er nicht zu den Möbeln passt.

Ganz so war es jetzt mit den Pfählen. Rauf aufs Dach, und mal gucken, ob's passt. Eine Bemusterung, die Kühne höchstselbst vornahm. An seiner Seite die Senatsbaudirektorin und der Landesdenkmalpfleger. Das honorige Gremium warf ein scharfes Auge drauf und kam mutmaßlich zu weisen Entschlüssen. Der Pfahl, seine Farbe und Anmutung. Das Material, denn stabil muss er dort oben auch sein. So etwas will ganz genau überlegt werden. Eine Entscheidung für die halbe Ewigkeit. Und deshalb lässt sich das sicher verknusen – bald ist die Schlachte ja wieder frei.

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