Gastkommentar über Bremer Spielplätze

Der Lebensraum von Kindern wird erweitert

Die Idee der „bespielbaren Stadt“ bezieht unter anderem Schulhöfe, Freiflächen von Kindergärten, hausnahe Spielflächen und Parks mit ein. Dafür wirbt unsere Gastautorin Sahhanim Görgü-Philipp.
04.08.2019, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Sahhanim Görgü-Philipp
Der Lebensraum von Kindern wird erweitert

Nicht jeder Spielplatz in Bremen ist so gepflegt wie dieser an der Kölner Straße.

Petra Stubbe

Bremens Spielplätze entwickeln sich gut, und das seit vielen Jahren. 90 Prozent von 208 Spielplätzen sind heute in einem guten oder mittleren Zustand. Die Zahl der „schlecht“ bewerteten Plätze hat sich seit 2016 von 38 auf 18 halbiert, die der „gut“ bewerteten von 54 auf 96 verdoppelt. Mit einem Sofortprogramm hatte die Koalition 2016 viel Geld in die Hand genommen: zunächst knapp 600.000 Euro zusätzlich. Seit 2017 stehen jährlich fast 900.000 Euro allein für Investitionen zur Verfügung. Zur Hälfte als Sockelbetrag, zur Hälfte gewichtet nach Anzahl der Spielflächen, deren Größe, Einwohnerzahl und Jugendeinwohnerzahl im jeweiligen Stadtteil.

Inzwischen werden alle Maßnahmen zum Umbau von Spielplätzen in Beteiligungsverfahren gemeinsam mit den Nutzerinnen und Nutzern erarbeitet – also vor allem mit den Kindern. Wer die Wünsche der Kleinsten berücksichtigt, geht nicht ins Risiko, an deren Vorstellungen vorbeizuplanen. Und wenn Eltern mit eingebunden sind, nimmt auch die soziale Kontrolle und die Wertschätzung für die Plätze im ganzen Einzugsgebiet zu. Nicht überall gehen Menschen pfleglich mit dem um, was die Stadt bereitstellt: Es gibt Spielplätze, auf denen werden Haushaltsgeräte entsorgt, auf anderen müssen morgens erst mal Spritzbestecke eingesammelt werden oder Hundekot, weil sie zum Tummelplatz für Kampfhunde gemacht werden. Auch das gehört zur Wahrheit dazu.

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Zusätzliche Investitionen und eine breite Beteiligung bei Spielplatzsanierungen sind nur zwei Elemente des Spielraumförderkonzepts. Stadtteil für Stadtteil nimmt Bremen derzeit alle bespielbaren Flächen in den Blick und erweitert so allmählich den Lebensraum von Kindern. Die Idee der „bespielbaren Stadt“ geht weit über die Grenzen von Spielplätzen hinaus. Sie bezieht bespielbare Schulhöfe mit ein, Freiflächen von Kindergärten und hausnahe Spielflächen, aber auch städtische Plätze, Grünstreifen und Parks.

Das Spielraumförderkonzept beginnt mit einer umfassenden Bestandsaufnahme und legt die Maßstäbe fest, nach denen die städtischen Spielräume künftig entwickelt werden sollen. Erstmals entsteht ein einheitliches Instrument für die Stadtplanung, das Lücken, Defizite und Ausbaubedarfe deutlich macht, und das die Bevölkerungsentwicklung und die Zahl der Geburten stadtteilgenau mit einbezieht. Wir wollen den städtischen Raum besser für diejenigen nutzbar machen, die in ihm leben. Und dazu gehört es, dass wir weitere Flächen für das Spielen erschließen, übrigens über die Generationen hinweg.

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Zur Person

Unsere Gastautorin ist seit September 2019 Mitglied der Bremischen Bürgerschaft, Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen. Sie ist Sprecherin für Soziales, Jugend, Integration und Antidiskriminierung.

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