Geschäfte mit Geschichte: Fotofachgeschäft Dieter Maack "Der letzte Mohikaner"

Es gibt immer weniger Firmen, die seit Generationen in der Hand einer Familie sind. Kinder treten beruflich nicht mehr naturgemäß in die Fußstapfen der Eltern. Es existieren aber noch Traditionsgeschäfte. Heute: das älteste Fotofachgeschäft in Vegesack.
27.07.2015, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Sylvia Wörmke

Es gibt immer weniger Firmen, die seit Generationen in der Hand einer Familie sind. Betriebe, die von den Kindern und Kindeskindern weitergeführt werden. Der gesellschaftliche Wandel hat das bewirkt. Kinder treten beruflich nicht mehr naturgemäß in die Fußstapfen der Eltern. Auch in Bremen-Nord und umzu ist das zu beobachten. Es existieren aber noch Traditionsgeschäfte, deren Wurzeln teils sogar fünf Generationen zurückreichen. DIE NORDDEUTSCHE stellt einige vor.

Dieter Maack ist 74 Jahre alt und möchte eigentlich schon in Rente sein. Der Fotograf ist zumindest „nicht abgeneigt“, wie er sagt. Es fällt ihm aber schwer, daran zu denken. Er findet nämlich niemanden, der „das älteste Fotofachgeschäft in Bremen-Nord“ übernehmen möchte. Seit gut zwei Jahren sucht er schon, auch mit Anzeigen in Fachblättern. Auf die einzige Tochter wollten Dieter und seine gleichaltrige Ehefrau Bärbel keinen Druck ausüben, in ihre Fußstapfen zu treten – und die Enkel sind noch Kinder. Also machen die beiden erst einmal weiter.

Es macht ihnen ja auch immer noch Spaß, und fit sind sie auch noch. „Wenn ich das nicht wäre“, sagt er, „wären wir längst nicht mehr im Geschäft“. Der Beitrag der Stammkunden zu diesem Thema lautet: „Hören Sie bloß nicht auf!“ Im Fotofachgeschäft Maack in der Gerhard-Rohlfs-Straße werden nämlich auch noch Dienstleistungen angeboten, die angesichts der technischen Entwicklung zur Digital-Fotografie rar geworden sind. Bei ihm können beispielsweise noch die guten alten Schwarzweiß-Filme zur Entwicklung abgegeben werden. Er hat auch noch Geräte, mit denen Glasnegative vergrößert werden können. Das Überspielen von einem Super-8-Film auf DVD/CD ist auch kein Problem. Der 74-jährige besitzt zudem noch eine Dunkelkammer und Geräte, die sein Vater und später er selber benutzten, um vor allem Industriefotos zu machen und zu entwickeln – vor allem für den Bremer Vulkan, aber auch für Lürssen und andere Werften. Es war der Bremer Vulkan, der seinen Großvater weit in die Zukunft schauen ließ. Für seinen Sohn, der in Bremen den Fotografenberuf erlernte, sah er die Chance, hier etwas beruflich zu gestalten. Großvater Maack kaufte also dem Fotografen Gustav Dähn das Haus in der Gerhard-Rohlfs-Straße 40 ab. Ab 1932 arbeitete Vater Erich Maack in Vegesack. Er verstand es, freundschaftliche und geschäftliche Verbindungen zu knüpfen und war bis zum Untergang des Vulkans, zuerst allein, später mit seinem Sohn Dieter als Fotograf auf dem Vulkan tätig. „Wir hatten über 15 000 Negative vom Vulkan und 6500 von Lürssen“, erzählt Dieter Maack. Die sind nun im Staatsarchiv und bei Lürssen.

Die Industriefotografie sei das Hauptstandbein der Firma gewesen. Der Handel mit Kameras und Zubehör, Familienporträts, Aufnahmen bei Hochzeiten und anderen Feiern, Passbilder und andere Arbeiten für Fotografen wie das Ablichten von Wertsachen wurden erst mit dem Untergang des Vulkan intensiver. Heute bezeichnet Maack sich als Allround-Fotografen. „Egal was es ist, wir können es“, sagt er selbstbewusst. Er arbeite immerhin auch schon seit 50 Jahren als Fotograf. Das Potenzial an Wissen sei ganz ordentlich.

Zusätzlich zu seiner Fotografenlehre in Bremen mit der Meisterprüfung 1975 machte Maack noch eine kaufmännische Ausbildung in Hannover. „Ich habe den Beruf von der Pike auf gelernt.“ Eigentlich habe er in die Autobranche gewollt. Sein Vater habe ihn aber in die berufliche Bahn der Familie zurückgelenkt. Nach einer Tätigkeit bei einem Bremer Fotografen mit einem bunten Spektrum von Aufgaben in der Modebranche, im Theater oder in Industriebetrieben, stieg der Sohn beim Vater in den Betrieb ein – und landete auch auf dem Vulkan beziehungsweise ganz oft in luftiger Höhe auf Kränen.

Von dort gab es die beste Sicht auf die Schiffe, deren Baufortschritt von Sektion zu Sektion bis zum Stapellauf dokumentiert werden musste. Einmal wäre es für Dieter Maack und den Kranführer beinahe schlimm ausgegangen. Bei einem Stapellauf flogen nämlich die riesigen Befestigungsbalken unkontrolliert durch die Gegend. Haarscharf am Kran vorbei. „Wir waren danach kreidebleich“ erzählt er.

Sein Vater zog sich mit 76 Jahren in den Ruhestand zurück, 1992 übernahm der Sohn den Betrieb. In dieser Zeit war es auch, dass der Familie Maack ein Kaufangebot für das Geschäftshaus gemacht wurde. Sie willigte unter der Bedingung ein, dass sie in einem der drei Neubauten, die auf drei Grundstücken in dieser Straßenzeile entstehen sollten, ein Geschäft kaufen könnten. So kam es dann, dass zuerst ein Nebengebäude abgerissen und dort ein Haus neu gebaut wurde. „Wir sind an einem Wochenende in den neuen Laden umgezogen“, erinnert sich das Ehepaar. Darum gab es nicht einen Ausfalltag im Betrieb. Danach wurde der alte Firmensitz abgerissen und auch dort ein Neubau hingestellt.

Im Schaufenster des Fotogeschäfts wird an die Geschichte des Vulkans mit Bildern erinnert. Auch historische Fotos von Vegesack sind ein Blickfang. Dieter Maack hat einen Schatz von über 300 Postkartenmotiven aus der Zeit der Jahrhundertwende. Die stammen noch von dem Fotografen Dähn. Vater Erich Mack hatte aber auch fleißig in Vegesack und umzu fotografiert und die Postkarten-Ansichten über einen eigenen Verlag vertrieben. „Das lohnt sich heute nicht mehr“, sagt der Firmeninhaber. Er hat aber durchaus noch Abnehmer für historische Ansichten. Maack erzählt von einem in die USA ausgewanderten Vegesacker, den auch noch nach Jahrzehnten das Heimweh plagt. Er habe sich in den Staaten ein Vegesack-Zimmer mit Bildern aus der Heimat gestaltet.

Der 74-Jährige hat den Wandel der Zeiten mitgemacht und ist auf die Digital-Fotografie umgestiegen. „Man kann nicht stehen bleiben. Das ist nun mal die Entwicklung und unabänderlich.“ Er macht aber keinen Hehl daraus, dass die analoge Fotografie ihm einfach näher liegt. Vor allem aber die Großbildfotografie auf optischer Bank. Das sind große Fotoapparate, die auf einem ausschwenkbaren Arm befestigt sind und auf einem Stativ stehen. Ein Exemplar ist im Schaufenster zu bewundern. Damit hat er früher auf dem Vulkan gearbeitet. „Das ist noch Fotografie. Das ist Handwerk. Das andere sind Spielereien,“ sagt der Mann, der sich selber als „der letzte Mohikaner“ bezeichnet.

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