Blaumeier stellt weiter aus und ruft zu Spenden auf

Der letzte Schrei des Jubiläumsjahres

25 Jahre Blaumeier - das ist in diesem Jahr ganz groß gefeiert worden. Allein zur Feier des blausilbernen Jubiläums im Rathaus kamen über 1000 Gäste, die sich auf den Festsaal und die Obere Rathaushalle verteilten, und auch die Vorstellungen in der Schaulust und in der Travemünder Straße waren gut besucht. Aktuell läuft noch die Ausstellung "Der letzte Schrei" in der Theatergalerie am Goetheplatz - und der Spendenhut geht herum.
22.12.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Der letzte Schrei des Jubiläumsjahres
Von Monika Felsing

25 Jahre Blaumeier - das ist in diesem Jahr ganz groß gefeiert worden. Allein zur Feier des blausilbernen Jubiläums im Rathaus kamen über 1000 Gäste, die sich auf den Festsaal und die Obere Rathaushalle verteilten, und auch die Vorstellungen in der Schaulust und in der Travemünder Straße waren gut besucht. Aktuell läuft noch die Ausstellung "Der letzte Schrei" in der Theatergalerie am Goetheplatz - und der Spendenhut geht herum.

Walle·Ostertor. Stürmisch und überwältigend - so hat Hellena Harttung vom Blaumeier Atelier das Jahr 2011 empfunden. "Wir waren total überrascht von der großen Resonanz, die wir erfahren haben anlässlich unseres Jubiläums", sagt die 45-Jährige aus dem Steintor, die gemeinsam mit Walter Pohl den Chor Don Bleu leitet. "Einmal gab es den Senatsempfang mit über 1000 Gästen, und andererseits war es eine große Ehre, den Stadtmusikantenpreis zu kriegen, zusammen mit Hape Kerkeling und Vadim Glowna. Wir gehen mit einem guten Schwung ins Neue Jahr!"

Mit Schwung alleine ist der Betrieb nicht aufrecht zu erhalten. Das Blaumeier Atelier, in dem Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam kreativ sind, ist auch nach seinem 25. Geburtstag auf Spenden angewiesen. "Das Problem ist so'n bisschen, dass wir dieses Jahr so gute Projekte gemacht haben, dass sie wiederholt werden müssen", sagt Hellena Harttung ohne Bedauern. "Wir haben so unheimlich viel rausgepowert, dass wir einiges wieder aufstocken müssen: Pinsel zum Beispiel, Farben, Pappen für die Masken." Die Maskengruppe will Schweineköpfe bauen und sie im Samba Karneval zur Schau tragen. Außerdem braucht das Atelier in der Travemünder Straße neue Fenster. Alles zusammen kein Pappenstiel. Also ist Hellena Harttung gerade dabei, Aufrufe zu verschicken: "Für 25 Euro bieten die ,Süßen Frauen' neue Leckerbissen an, für 50 Euro erhalten die Maler eine neue Leinwand, für 100 Euro gibt's Maskenpapier für einen beeindruckenden Charakterkopf, und für 250 Euro stellt ein neuer Scheinwerfer die

Schauspieler in ein gutes Licht."

Im Jubiläumsjahr hat Blaumeier ein bisschen was von der Welt gesehen. Die Süßen Frauen haben sich in Durban (Südafrika) als Bräute verkleidet und mit dem Publikum geschäkert, der Chor Don Bleu ist bei den Brementagen in Salzburg aufgetreten, und eine Ausstellung des Blaumeierschen Malateliers war in der Bremer Landesvertretung in Brüssel zu sehen. Das Bremenbild in Durban, Salzburg und Brüssel dürfte sich also ein klein wenig verändert haben. "Das ist die Qualität unserer Arbeit: schnell die Herzen der Menschen zu erreichen", sagt Hellena Harttung über die Begegnungen in den drei Ländern. "Darüber kommt man schnell in Kontakt. Und die Leute, die in unsere Veranstaltungen kommen, öffnen sich. Das war sowohl in Brüssel so wie auch in Durban und in Salzburg - da haben die Landeshauptmänner munter mit ,Fischstäbchen' gesungen, in bester Laune!"

Turbulent war auch die Weihnachtsfeier des Ateliers, eine hausinterne Theateraufführung. Die Heilige Familie wartete auf die Bescherung. Walter Pohl saß als Oma am Klavier, Regisseurin Imke Burma ärgerte sich als Opa über Enkel und Nachbarn und las einige ausgesuchte Stellen aus der Weihnachtsgeschichte vor. Schon war ein denkwürdiges Krippenspiel im Gange: Blaumeiers spielten Volkszählung, Joseph und Maria flirteten - "mehr war aber nicht", soll Opa noch versichert haben, aber Maria (Neele Buchholz) war trotzdem schwanger, und Joseph stand zu ihr und dem Kind. Das Blaumeier Atelier wurde unversehens zum Kreißsaal: "Eine ganze Schar schwangerer Marien kam voller Eintracht und unter schrägem Lobgesang unterm Weihnachtsbaum nieder", berichtet Hellena Harttung, erzählt von einem Weihnachtsballett, verrockten Weihnachtsliedern und "einer ganzen Schar von eifrigen Wichteln", die den gut 80 Gästen Geschenke überbracht habe.

In der Theatergalerie am Goetheplatz hallt "Der letzte Schrei" noch nach. Malu Thören und Ralf Stüwe haben das Projekt angeleitet, Kuratorin der Ausstellung ist Annette Schneider. Dorothee Hansen hat in ihrer Laudatio die Blaumeierbilder in Beziehung gesetzt zu den Werken Edvard Munchs, die derzeit in der Kunsthalle zu sehen sind. Mit den expressionistischen Gemälden des Norwegers haben die von Blaumeier mehr gemein, als man auf den ersten Blick erkennt: "Es haben Übermalungen stattgefunden, und auf einigen wenigen Bildern ist auch auf der Rückseite eins", verrät Hellena Harttung. Anders als die Munchbilder stehen die Gemälde aus dem Blaumeier Atelier zum Verkauf, und einige haben bereits den Besitzer gewechselt.

Was 2012 wohl bringt? Hellena Harttung befragt ihren Kalender. "Im nächsten Jahr spielen wir letztmals die turbulente Verwechslungskomödie ,Mieder und Millionen', im März hier bei uns im Haus, und ,Emden Außenhafen' wird im Frühjahr wieder aufgeführt, wo genau, ist noch nicht spruchreif, aber auf jeden Fall in Bremen." Dass sie das so betont, hat seinen Grund: Einige Fans Bremer sollen "Emden Außenhafen" für ein Gastspiel in Ostfriesland gehalten haben.

Nähere Informationen über das Blaumeier-Atelier, Travemünder Straße 7a, gibt es unter der Telefonnummer 39 53 40 und im Internet auf www.blaumeier.de. "Der letzte Schrei - Blaumeier auf den Spuren von Munch" in der Theatergalerie des Theaters Bremen am Goetheplatz läuft bis 12. Februar, geöffnet ist dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr. Der Katalog kostet acht Euro. Eine Führung durch die Ausstellung mit Künstlergesprächen ist für Sonnabend, 21. Januar, um 16 Uhr geplant, eine Lesung von Texten aus Blaumeiers Schreibwerkstatt für Mittwoch, 4. Februar, um 16 Uhr. Das Spendenkonto von Blaumeier hat die Nummer 11 88 72 05 bei der Sparkasse Bremen, Bankleitzahl 290 501 01. Unter allen, die bis 31. Dezember 2011 spenden, verlost Blaumeier zehn seiner Kunstbücher.

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