Nachruf auf Sean-Patric Braun

Der liebevolle Konzertveranstalter von Bremen

Am 31. Dezember verstarb Sean-Patric Braun, Konzertveranstalter und gute Seele der Bremer Musik- und Indie-Szene.
02.01.2018, 10:49
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Der liebevolle Konzertveranstalter von Bremen
Von Pascal Faltermann
Der liebevolle Konzertveranstalter von Bremen

Sean-Patric Braun ist am 31. Dezember verstorben.

Pascal Faltermann

Er holte die Künstler nach Bremen, die noch keiner kannte. Musiker, die ein Jahr später in aller Munde waren. Das Konzert der Band „Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen“ am Mittwoch, 27. Dezember, im Bremer Lagerhaus war das letzte, dass Sean-Patric Braun organisierte. Am Silvestermorgen verschlechterte sich sein Zustand und er schlief gegen Mittag ein. Der 46-Jährige wachte nicht wieder auf.

Wenn Konzertbesucher ins Kulturzentrum Lagerhaus, in den Bremer Schlachthof oder früher ins Römer kamen, saß Sean-Patric Braun, den alle nur Pat nannten, hinter der Kasse an der Tür. Die meisten Gäste begrüßte er liebevoll mit Handschlag, mit freundlichen Worten und einem Lächeln. Das war immer so, ganz gleich, ob es ausverkaufte Konzerte oder nur die kleineren Auftritte in der Etage 3 im Lagerhaus waren. Meist trug der Werder-Bremen-Fan seine Mütze und ein kariertes Hemd.

Es ging immer um die Musik

Mit seiner Leidenschaft und Begeisterungsfähigkeit fing er früh im Plattenladen Ear an zu arbeiten. Später war er im Bremer Nachtleben als DJ unterwegs und rief unter anderem die Partyreihe „Indie Army Now“ mit ins Leben. Irgendwann startete er seine ersten Gehversuche als Konzertveranstalter, woraus dann die Konzertagentur Kogge Pop entstand. Er holte mit der Agentur Künstler wie The Gossip mit Sängerin Beth Ditto ins Römer. Er schaffte es, dass Portugal the man 2009 im Tower spielten, bevor sie auf den großen Bühnen standen. Die britische Sängerin Holly Golightly, die ebenfalls im Römer auf der Bühne stand, brachte ihm das erste ausverkaufte Konzert.

Er buchte Blood Red Shoes oder The Weakerthans, als sie kaum jemand auf der Rechnung hatte. Anfang 2017 holte er hintereinander vier Bands nach Bremen, die wenig später den Titel des Musikmagazins Intro zierten. Er hatte immer einen besonders guten Riecher für Bands. Dabei scheute er auch das finanzielle Risiko nicht und bot Bands einen kleinen Rahmen an. Manchmal kamen nur eine Handvoll Leute, was ihn zwar ärgerte, aber nicht daran hinderte die Künstler weiterhin zu holen. Denn es ging ihm immer um die Musik, um die Kunst. So gestaltete er selbst Flyer, klebte Plakate und schrieb für das Z-Magazin oder früher den Prinz.

Riesige Lücke hinterlassen

Sean-Patric war eine Institution in Bremens Musikwelt. Er kannte jede Band, kannte die gängigen Musikmagazine in und auswendig und hatte zu allen Bands und Künstlern eine dezidierte, umfangreiche Meinung. Er hatte stets Dinge im Kopf, die man noch machen könnte. Er sprudelte vor Ideen. Er gehörte zum Viertel, zum Eisen, er war im Lagerhaus, Römer oder Bermuda Dreieck.

Sean-Patrics Tod reißt eine riesige Lücke in der Bremer wie auch der Hamburger Musikszene. Nicht nur Konzertbesucher werden es merken.

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