Domshof Der Markt bekommt ein anderes Gesicht

Bremen. So schwierig kann das doch nicht sein, sollte man meinen - Ordnung schaffen auf dem Wochenmarkt und den Domshof aufwerten. Die Diskussionen darüber haben sich allerdings fast ein Jahr lang hingezogen. Jetzt aber kommt offenbar Bewegung in die Sache.
09.02.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Der Markt bekommt ein anderes Gesicht
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. So schwierig kann das doch nicht sein, sollte man meinen - Ordnung schaffen auf dem Wochenmarkt, ihm ein neues Gesicht geben und den Domshof aufwerten. Die Diskussionen darüber zogen sich dann allerdings fast ein Jahr lang hin, und auch nachdem im Spätsommer endlich ein Konzept stand, ist entgegen früherer Ankündigungen bis heute nichts passiert. Jetzt aber kommt offenbar Bewegung in die Sache. Zum Sommer hin dürfte es auf dem Domshof deutlich anders aussehen.

"Es gab größere technische Probleme", sagt Großmarkt-Chef Uwe Kluge, der bei dem Projekt, das maßgeblich auch von politischer Seite angeschoben wurde, die Federführung hat. Ein Stück Möbel stand im Weg, ein Tisch, wie Kluge die Abdeckung des Lüftungsschachts für den riesigen Bunker unterm Domshof nennt. "Zuerst hieß es, der Tisch müsse dort bleiben, aber jetzt kann die Lüftung wohl doch anders organisiert werden", sagt der Geschäftsführer. Letzten Aufschluss darüber gebe die Expertise eines Fachmanns vom TÜV-Nord, die für Anfang März erwartet werde. Danach könne es mit den baulichen Vorbereitungen für einen neu geordneten Wochenmarkt losgehen.

Seit Jahren gibt es Kritik an der Gestalt des Marktes. Es fehle die Homogenität, war immer wieder zu hören. Kluge zum Beispiel sprach von einem "ausgefransten Erscheinungsbild". Andere störten sich daran, dass an Markttagen der Neptunbrunnen kaum noch zur Geltung komme. Und Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD) - er vor allem hatte aus dem politischen Raum die Initiative ergriffen - grämte sich ganz allgemein darüber, wie Bremen mit seinen öffentlichen Plätzen umgeht. "Wir müssen sie hegen und pflegen", sagte er. Der Domshof sei ihm an Markttagen schlicht zu wenig aufgeräumt.

Ein "Kompetenzkreis Innenstadt" hatte vorgeschlagen, die Stände künftig sternförmig anzuordnen. "Damit wäre der Wochenmarkt von mehreren Seiten besser einsehbar und hätte einen transparenten Charakter", hatte es damals geheißen. Beschlossen wurde letztlich aber eine andere Variante: Der Domshof wird an seinen Seiten von den Marktständen quasi eingerahmt, in der Mitte weitere Buden und Stände, die sich um die Fahrzeuge der Beschicker gruppieren. So wird dafür gesorgt, dass sich die Blicke der Kunden auf die bunten Auslagen richten und nicht mehr, wie heute in manchen Fällen, auf die kalten Rückseiten der Stände.

Der Neptunbrunnen ist dann nicht länger eingekeilt, er ist ein Solitär und soll auch so wirken, also wird die Blickachse vom Rathaus zum Domshof freigeräumt. Aus dieser Sicht rechts vom Brunnen werden die Imbissstände angesiedelt, ein kleines Gastro-Dorf in schöner Umgebung. Schorse Meyerdierks, seit Jahr und Tag mit seinem Fischimbiss auf dem Wochenmarkt zu Hause, findet die Idee mit der Essensmeile gut: "Der Kunde sieht so auf einem Blick, was ihm angeboten wird und muss nicht über den Acker streifen." Meyerdierks wird mit seinem Wagen ein paar Meter nach vorne rücken, genauso wie der benachbarte Asia-Imbiss.

"Wie die Champs-Élysées"

Weniger Freude an der bevorstehenden Veränderung hat Cüneyt Gegin, der mit Verwandten auf dem Markt einen großen Obst- und Gemüsestand betreibt. "Das wird ja wie die Champs-Élysées, nur, dass hier Bremen ist und nicht Paris", sagt der Händler. Er stört sich an der streng vertikalen Ausrichtung, "das ist schlecht für einen Markt, da muss es mal hierhin und mal dahin gehen." Gegins Kollegin Emine Sariicaya ist da pragmatischer: "Es wurde Zeit, dass sich was verändert", meint sie, "ob's was bringt, muss man aber erst mal sehen." Ihr Stand bleibt auch nach der Neuordnung fast an der gleichen Stelle wie bisher.

Großmarkt-Chef Kluge schätzt, dass der Markt zum Sommer hin sein neues Gesicht zeigt. Bis dahin, glaubt er, sind die Arbeiten abgeschlossen. Neben dem Problem mit der Lüftung für den Bunker müssen sich die Planer auch mit dem Absatz im Pflaster auf dem vorderen Domshof beschäftigen. Früher gab hier gleich mehrere Stufen. Der Absatz blieb, weil die Planer, so erklärt es Kluge, andeuten wollten, wo die Bremer Düne beginnt. Nun stört er und muss nivelliert werden.

Darüber hinaus sieht der Plan eine Neuordnung der Stromversorgung vor. Und schließlich müssen auch ein paar Kleinigkeiten erledigt werden, nicht jede Sitzbank wird ihren alten Platz behalten. Die Höhe der Kosten taxiert Kluge im Bereich zwischen 80000 Euro und 150000 Euro. "Wir teilen das auf", sagt er, "beide werden einen Beitrag leisten: der Großmarkt und die öffentliche Hand."

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+