Auszubildende des Landes Bremen fordern zum Auftakt der Tarifverhandlungen mehr Geld, mehr Urlaub und eine Übernahmegarantie Der Nachwuchs will Sicherheit

Bremen. Annika Keske ist 23 Jahre alt und befindet sich im dritten Jahr einer Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste. Diese absolviert sie beim Land Bremen, ist also Auszubildende im öffentlichen Dienst der Länder.
04.02.2015, 00:00
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Der Nachwuchs will Sicherheit
Von Nikolai Fritzsche

Annika Keske ist 23 Jahre alt und befindet sich im dritten Jahr einer Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste. Diese absolviert sie beim Land Bremen, ist also Auszubildende im öffentlichen Dienst der Länder. Weil sie wie viele ihrer rund 570 Kollegen mit den Rahmenbedingungen unzufrieden ist, engagiert sie sich im Ausbildungspersonalrat des öffentlichen Diensts in Bremen.

Gestern Nachmittag stand sie mit knapp 150 Kollegen vor dem Einkaufszentrum Berliner Freiheit in der Neuen Vahr. „Wir haben mehr verdient“ steht auf einem Plakat. Anlass: der bevorstehende Auftakt der Tarifverhandlungen für die Angestellten der Bundesländer. Die Auszubildenden werden von der Gewerkschaft Verdi vertreten. Diese will drei Forderungen durchsetzen: mehr Gehalt, mehr Urlaub und eine unbefristete Übernahme für alle Auszubildenden im öffentlichen Dienst der Länder.

Das Ausbildungsgehalt beträgt derzeit 807 Euro im ersten Jahr, 861 Euro im zweiten und 911 Euro im dritten – brutto. Steuern fallen nicht an, doch nach Abzug der Sozialabgaben bleiben im ersten Jahr nur 643 Euro übrig. Im zweiten Jahr sind es 686 Euro, im dritten 726 Euro. Angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten zu wenig, sagt Verdi – zumal die Kollegen, die bei Bund und Kommunen in die Lehre gehen, besser dastehen. Diese bekommen nach einer Erhöhung ab 1. März im ersten Jahr ihrer Ausbildung 853 Euro brutto.

Das ist ungerecht, urteilt Jonas Lebuhn, Jugendsekretär von Verdi in Bremen und Nordniedersachsen: „Die Berufsbilder sind oft ganz ähnlich. Dann muss auch gleich bezahlt werden.“ Verdi fordert daher für die Auszubildenden der Länder eine Gehaltserhöhung um 100 Euro. Auch bei der Urlaubsregelung fühlen die Auszubildenden sich schlecht behandelt. Während alle Festangestellten im öffentlichen Dienst 30 Tage Urlaub pro Jahr haben, werden den Auszubildenden lediglich 27 Tage (Länder) beziehungsweise 28 Tage (Bund und Kommunen) zugestanden. „Wir Azubis machen teilweise Vertretungen für erkrankte Festangestellte, und wir werden als volle Arbeitskräfte gezählt“, sagt Keske. Auch deshalb verlangen die Auszubildenden, dass ihr Urlaubsanspruch an den von Festangestellten angeglichen wird.

Komplizierter ist es mit der Forderung nach einer unbefristeten Übernahme aller Auszubildenden. In der vorigen Verhandlungsrunde vor zwei Jahren wurde ein Anspruch der Auszubildenden auf unbefristete Übernahme vereinbart – „bei dienstlichem bzw. betrieblichem Bedarf“. Dieser Bedarf bestehe aber in vielen Fällen nicht, sagt Dagmar Bleiker, Sprecherin des für Personal zuständigen Finanzressorts: „Wir bilden über unseren Bedarf aus, um Jugendlichen eine Chance zu geben – auch solchen, die Schwierigkeiten haben, einen Ausbildungsplatz zu finden. Dass wir nicht alle übernehmen können, ist logisch.“

Dieses Argument aus dem Haus von Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) lässt Lebuhn nicht gelten: „Vielleicht sieht die Finanzsenatorin den Bedarf nicht – die Bürgerinnen und Bürger sehen ihn, zum Beispiel in Grünanlagen und Bibliotheken.“ Darüber hinaus werde der öffentliche Dienst durch Auslagerung öffentlicher Aufgaben künstlich verkleinert, was die Zukunftsaussichten der Auszubildenden verschlechtere, sagt Lebuhn.

Die Ausbildungsgehälter im öffentlichen Dienst liegen über dem Durchschnittsgehalt in Ausbildungsberufen in allen Branchen. Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung erhielten Auszubildende in Deutschland 2014 im Durchschnitt 723 Euro im ersten und 884 Euro im dritten Jahr.

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