Neuer Kontaktpolizist tritt seinen Dienst an

Zurück im Revier

Der neue Kop für Hohentor und Neuenland ist in der Bremer Neustadt kein Unbekannter. Polizeioberkommissar Ronald Mullett war dort schon als Streifenpolizist unterwegs. Auf seine neue Aufgabe freut er sich sehr.
19.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Gerald Weßel
Zurück im Revier

Für Polizeioberkommissar Ronald Mullett sind Prävention, Vernetzung im Stadtteil und Bürgerservice besonders wichtig.

Roland Scheitz

Ganz neu ist er nicht im Stadtteil, doch es ist einige Zeit vergangen, seitdem sein Berufsmittelpunkt zuletzt in den Ortsteilen Hohentor und Neuenland gelegen hat. „Ich war von 1990 bis 2004 Streifenpolizist in den südlichen Stadtteilen“, erinnert sich Ronald Mullett, 60 Jahre alt. Der Polizeioberkommissar ist der neue Kontaktpolizist, kurz „Kop“ genannt, in den beiden Ortsteilen im Bremer Süden. „Ich kannte die Ganoven von damals alle“, blickt er zurück, doch in Zukunft wird sich seine Aufmerksamkeit nicht in erster Linie auf Verbrecher richten, sondern wie alle Kontaktpolizisten für die Bürger als Ansprechpartner zur Verfügung stehen.

Was ihm als erstes zu seiner neuen Aufgabe einfällt? „Es fühlt sich fast ein bisschen an, wie nach Hause zu kommen. Die Örtlichkeiten sind vertraut, nur die Aufgaben sind neu“, sagt Mullett. Sein künftiges Einsatzgebiet reicht von der Weser bis zur Alten Ochtum und wird zu den Seiten hin von der Langemarckstraße bis hinüber zu den Eisenbahngleisen begrenzt. Nicht nur die Quartiere sind ihm wohlbekannt, sondern auch einer seiner neuer Kollegen ist ein alter Wegbegleiter: Ralph Dziemba, Leiter des Kontaktdienstes im Bremer Süden, hat bereits mit Mullet gearbeitet. „Ich war zusammen mit ihm einige Jahre beim Zivilen Einsatzdienst.“

Sich selbst beschreibt Mullett als jemanden, der allzeit lächelnd durchs Leben geht. „Manche irritiert das“, weiß Mullett aus Erfahrung. „Aber das ist wirklich ernst gemeint, ich habe eigentlich immer gute Laune.“ Er gehe gern auf Menschen offen zu. Der 60-Jährige ist seit 1979 Polizeibeamter. „Mehr als 40 Jahre also“, zieht er Bilanz. „Da steckt eine Menge Polizeierfahrung drin.“ Seine Ausbildung absolvierte er beim Bundesgrenzschutz – der heutigen Bundespolizei. Nach zehn Jahren wechselte er zur Landespolizei nach Bremen. Hier arbeitete er zunächst an der ehemaligen Wache in der Sandstraße, bevor er dann in den Revierbereichen Kattenturm, Neustadt und Woltmershausen sowohl uniformiert als auch in zivil eingesetzt wurde.

Von 2005 bis 2020 verschlug es ihn ins Polizeipräsidium in der Vahr. Dort arbeitete er unter anderem als Funk- und Notrufsprecher. Zuletzt war er aber dem Präsidialbüro zugeordnet, wo er für die Informationsverteilung innerhalb der Bremer Polizei als Sachbearbeiter zuständig gewesen ist. „Ich habe alle Informationen, die bei uns auf verschiedenen Kanälen eingingen, analysiert, bewertet und schließlich in die Fläche gestreut.“ Doch die Bremer Polizei ist am Präsidialbüro umgestaltet worden und so entfiel seine Stelle.

Gerne habe er von seiner Versetzung in den Bremer Süden erfahren und sieht sich hier nun einem ganz anderen Aufgabenspektrum gegenüber. Der Tätigkeitskanon eines Kontaktpolizisten ist über alle Stadtteile hinweg vergleichbar, aber im Detail genieße ein Kop große Freiheiten. Wo genau er persönlich in Zukunft verstärkt ansetzen will, weiß er noch nicht. Da sei er flexibel und nehme an, was auf ihn zukomme. Aber eine Zusatzausbildung, die er neben seinem Polizeijob absolvierte, komme ihm von nun besonders gelegen: Suchtkrankenhelfer. „Das wird mir sehr im Stadtteil helfen“, ist Mullet überzeugt und hat sich auch bereits bei den ersten thematisch angekoppelten Einrichtungen in seinen Bezirken umgeschaut und vorgestellt. Diese Zeit habe er sich genommen und genau diese Freiheit schätzt er bereits nach wenigen Wochen an seiner neuen Stelle.

„Die meisten Tätigkeiten bei der Polizei unterliegen einem strengen Zeitreglement. Als Kontaktpolizist ist das aber anders.“ Es entstehe kein Druck. „Niemand kontrolliert tagtäglich, was ich gemacht habe, plane oder unterlasse. Das ist ein großer Luxus“, stellt er klar. Zentrale Pfeiler für ihn seien Prävention und Aufklärung, polizeiliche Betreuung der Bevölkerung, Vernetzungsarbeit innerhalb des Stadtteiles und schlicht Bürgerservice. „Ich bin für jeden da und habe ein offenes Ohr. Ich laufe nicht mit erhobenem Zeigefinger rum“, verspricht er. Er möchte schlichten, vermitteln und helfen.

Ronald Mullet ist verheiratet und lebt im Landkreis Nienburg. So verbringt er jeden Tag auf der Fahrt hin und zurück, je eine Stunde im Auto. „Das kenne ich schon von anderen Phasen meiner Karriere, mich stört das nicht.“ Er nutze die Zeit, um vom Arbeitstag abzuschalten. „Man kommt mit freiem Kopf zu Hause an.“ Er möchte aber, sobald sich die Abläufe an der neuen Dienststelle eingeschliffen haben, auf den ÖPNV umsteigen – auch der Umwelt zuliebe. Denn er fährt nicht nur gerne Fahrrad, sondern ist auch Mitglied im Naturschutzbund. In diesem helfe er oft bei Tätigkeiten im Bereich Steinhuder Meer. Zudem ist er Fan von deutschen Songwritern wie Norman Keil, Nadine Fingerhut oder auch von der Band „Fury in the Slaughterhouse“. „Vor Corona war ich oft auf Konzerten“, denkt er etwas wehmütig zurück.

Er tritt seine neue Rolle zu keiner einfachen Zeit an. Dies sei ihm durchaus bewusst, aber bisher habe er in den ersten Wochen an seiner neuen Dienstelle unaufgeregte Bürger erlebt, die sich zu 99 Prozent an die von Staat und Bundesland verordneten Regeln halten, wie er sagt. Man bemerke zwar die Anspannung, aber aus dem Privaten in die Öffentlichkeit getragene Ängste habe er bisher nicht wahrgenommen.

Sobald es wieder möglich wird, ist es ein Anliegen seinerseits, eine Bürgersprechstunde einzuführen. „Ich möchte Vertrauen aufbauen“, sagt er und wünscht sich eine lange Zusammenarbeit – länger als eigentlich notwendig. Denn die Station als Kontaktpolizist im Bremer Süden wird aller Wahrscheinlichkeit nach das Ende seiner Karriere bei der Polizei darstellen. „Mit 62 können wir in den Ruhestand gehen“, beschreibt der heute 60-Jährige die für ihn geltenden Modalitäten bei der Bremer Polizei. „Aber ich würde gerne, so denn es die Gesundheit zulässt, noch ein oder zwei Jahre dranhängen.“ Doch die Entscheidung darüber fällen weder er, noch seine Gesundheit alleine. Das wird auch in der Hand seiner Vorgesetzten liegen.

Doch bis dahin will Ronald Mullet mindestens zwei Jahre in den Ortsteilen Hohentor und Neuenland für die Bürger da sein.

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