Champions-League- und DFB-Trophäen Der Pokal ist Bremer: Ein Besuch in der der Silberschmiede

Die Bremer Silberschmiede Koch & Bergfeld Corpus ist die Traumfabrik: Hier werden international und national bedeutende Fußball-Trophäen gefertigt. Ein Besuch.
05.06.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Timo Sczuplinski

Die Bremer Silberschmiede Koch & Bergfeld Corpus ist die Traumfabrik: Hier werden international und national bedeutende Fußball-Trophäen gefertigt. Ein Besuch.

Die Ohren fehlen. Und was ist der Champions-League-Pokal schon ohne sie? Ganz nackig steht er da, bloß ein hohler, kalter Körper. Auch nicht silbern – wie man ihn sonst kennt – sondern goldgelb glänzend aus Messing. So wie das Original soll er erst noch werden. So wie der echte, der silberne Henkelpott mit den großen Ohren, wie man seine Griffe in der Fußballerwelt liebevoll nennt.

In der Bremer Überseestadt bei der Firma Koch & Bergfeld Corpus entsteht gerade eine Nachbildung des wohl begehrtesten Pokals im Vereinsfußball – nicht für das Finale in Berlin, sondern für die eigene Ausstellungshalle. In der Bremer Silberschmiede können sie aber auch das Original. Bei Koch & Bergfeld haben sie den Champions-League-Pokal sogar einst erfunden. Der große Pott, der am Sonnabend im Olympiastadion an den FC Barcelona oder Juventus Turin überreicht wird, ist also ein Bremer.

Groß sollte er sein und zugleich elegant. Einer, den man hochstemmen kann. Bloß nicht zu mickrig. So klangen damals die Vorgaben der Herren vom Europäischen Fußballverband UEFA, als sie den Bremer Pokalbauern den Auftrag für eine neue Trophäe erteilten. Der Bremer Silberschmiedemeister Horst Heeren machte den ersten Entwurf, zusammen mit dem Schweizer Designer Jürg Stadelmann brachte er die neue Trophäe zu Papier – und schon kurz danach in seiner vollen Pracht auf die Bremer Werkbank. 1967 war das. Und seither wird der Pokal Jahr für Jahr an den Champions-League-Gewinner verliehen. Gewinnt ein Klub ihn drei Mal, darf er das Original behalten. Und die Bremer bauen einen neuen.

Die Silberschmiede Koch & Bergfeld Corpus ist so etwas wie eine Traumfabrik. Sie erfüllt die Sehnsüchte der Spitzensportler. Die Pokalbauer machen die großen Titel, nach denen sich Fußballer, Handballer und Basketballer so sehr sehnen, greifbar. Nur auf dem Briefkopf versprüht so ein Titel schließlich wenig Magisches. „Und sie müssen ja auch irgendetwas anfassen können“, sagt Kemal Budev.

Budev ist Silberschmied in der Überseestadt. Und der Champions-League-Pokal ist nur einer von vielen, die er und seine Kollegen in Bremen bauen. Goldene Kameras für Schauspieler, Trophäen für Handballer, DFB-Pokale, Champions-League-Pötte und Meisterschalen für Fußballer. Man findet sie in der gläsernen Werkstadt am Europahafen überall. Sie stehen zwischen gewöhnlichen Ringen, Skulpturen und Wunderlampen in den Regalen. Seit einigen Jahren ist die Schmiede Partner der Deutschen Fußball-Liga DFL und somit Dauerlieferant der Meisterschale. Sogar der alte UEFA-Cup, das klobige Ding, das vor der neuen Europa-League-Zeit verliehen wurde, steht noch in einem der Lagerräume.

Regelmäßig bestellen die Klubs Nachbildungen, um ihr Vereinsmuseum aufzupeppen. Einige Spieler vom FC Bayern hätten in Bremen sogar schon ihre ganz persönliche Pokal-Replik in Auftrag gegeben, erzählt Budev. „Seit 1960 haben wir jeden Titel für den FC Bayern gebaut“, sagt Florian Blume, Geschäftsführer der Silberschmiede. Allein fünf Champions-League-Pokale, 16 DFB-Pokale, 24 Meisterschalen. Letztens erst hätten die Bayern ihre neueste Schale zum Reinigen nach Bremen zurückgeschickt. „Die müssen doch ziemlich wild gefeiert haben. Die Schale hat noch ziemlich stark nach Bier gerochen“, sagt Pokalbauer Budev.

Dann müssen er und seine Kollegen die Einzelteile vorsichtig auseinandernehmen, reinigen, wieder zusammenbauen. „Besser, als die Pokale reparieren zu müssen“, sagt Kemal Budev. So wie den DFB-Pokal, den Schalkes ehemaliger Manager Rudi Assauer beim Feiern 2002 mal zerdepperte. In Bremen wurde der Pokal wieder geflickt. Anspruchsvoller als DFB-Pokal oder Meisterschale sei es aber, einen Champions-League-Pokal zu bauen, sagt Budev. Auch wenn der nicht so kleinteilig sei. Doch auf seiner glatten Fläche sei jeder Fehler sofort sichtbar.

„Wenn man einen Pokal gebaut hat, freut man sich schon mehr als über eine Teekanne“, findet Budev. Aber bei allem gilt für ihn: Perfektion ist alles. Der Kunde müsse schließlich zufrieden sein. Egal ob Herr Meier aus Findorff oder die DFL aus Frankfurt. Doch wann ist so ein Pokal perfekt? Gut zwei Wochen dauert die Produktion, sagt Budev. „Ich könnte aber ewig dran rumfeilen. Man entdeckt immer wieder Sachen, die ein Laie nicht erkennt“, findet er. Irgendwann müsse es dann aber auch mal gut sein.

Zwar kommt das Original des Champions-League-Pokals aus Bremen, viele Nachbildungen der Trophäe hat die UEFA in den vergangenen Jahren aber bei anderen, günstigeren Schmieden in Auftrag gegeben. Auch die UEFA spart also. Im Milliardengeschäft Fußball muss die Trophäe nicht immer die teuerste sein. Gut aussehen reicht vielleicht auch schon mal.

Wobei das für Geschäftsführer Florian Blume so eine Sache ist. Bei Nachbildungen aus Italien etwa ragten die großen Ohren, anders als in Bremen, bis in die Öffnung des Pokals hinein. Schön sehe das nicht aus, findet er. Doch nicht nur von der Ästhetik, sondern auch in Sachen Qualität seien die Bremer Pokale besser, sagt Blume. Sein Ziel: „Wir wollen den Pott wieder nach Bremen holen.“

Also nicht nur das Original für die Siegerehrung liefern, sondern auch Jahr für Jahr eine Replik für den Champions-League-Sieger bauen, die dieser für sein Museum bekommt. Eine Nachbildung der Trophäe koste übrigens so viel wie ein Kleinwagen. Eher VW als Toyota, sagt Kemal Budev. Statt einen Lacküberzug, bekommt der Champions-League-Pokal ein ausgiebiges Silberbad. Und dann sind spätestens auch die Ohren dran.

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