Kommentar über multiresistente Keime

Der Preis des billigen Fleisches

Der massenhafte Einsatz von Antibiotika in der industriellen Tierhaltung muss aufhören, fordert Imke Lührs vom Verein "Ärzte gegen Massentierhaltung".
08.05.2017, 19:52
Lesedauer: 2 Min
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Von Imke Lührs

Der massenhafte Einsatz von Antibiotika in der industriellen Tierhaltung muss aufhören, fordert Imke Lührs vom Verein "Ärzte gegen Massentierhaltung".

Viele gute Gründe sprechen gegen unseren hohen Konsum von tierischen Lebensmitteln, die unter Verbrauch von endlichen Ressourcen produziert werden. Pflanzliche Lebensmittel, die sonst der Ernährung der Menschheit dienen könnten, werden an Tiere verfüttert und somit gewinnbringend veredelt. Die Ausscheidungen der Tiere vergiften Böden und Trinkwasser und schädigen das Klima. Eine weltweit agierende Industrie handelt mit Anbauflächen, Tierfutter und Lebensmitteln. Dadurch werden überall auf der Erde funktionierende landwirtschaftliche Strukturen und Naturräume zerstört. Dies und das Leiden der Tiere sind der Preis für billiges Fleisch!

Kranke Menschen sind mit einem Aspekt der industriellen Tierproduktion schon jetzt besonders konfrontiert. Antibiotika, die Leben retten könnten, werden durch Resistenzbildung unwirksam. Jährlich sterben viele Tausende an resistenten Krankheitserregern, auf Intensivstationen, nach schweren Unfällen und Operationen, Krebspatienten, alte Menschen und Frühgeborene. Überall, wo Antibiotika eingesetzt werden, können Resistenzen entstehen: bei der Behandlung von Menschen und bei der Vergabe im Tierstall. Hier müssen oft alle Tiere einer Herde Antibiotika bekommen.

Sorgfältiger Einsatz von Antibiotika

Wegen spezieller Züchtungen, drangvoller Enge, schlechter Luft und unnatürlicher Lebensweise sind die Tiere besonders anfällig. Eine industrielle Tierhaltung ist ohne diese Medikamente nicht denkbar. Viele tierische Lebensmittel sind deshalb, wenn sie in den Handel kommen, mit resistenten Erregern behaftet, die so vom Menschen aufgenommen werden. Bei schlechter Abwehrlage oder bei Einnahme von Antibiotika vermehren sich diese Keime rasant und können dann nicht mehr behandelt werden.

Antibiotika müssen in der Human- und Tiermedizin sorgfältig eingesetzt werden. Für die Humanmedizin heißt das: Antibiotika nur bei eindeutiger Notwendigkeit, wenn möglich nach Testung auf Resistenzen und immer solange wie erforderlich. Die Krankenhäuser brauchen für die Hygiene, Behandlung und Isolierung von betroffenen Patienten mehr Personal.

Der massenhafte Einsatz von Antibiotika in der industriellen Tierhaltung muss aufhören. Das gilt besonders für Reserveantibiotika. Sie allein können Menschen bei Infektionen mit problematischen Erregern helfen und sollten für die Behandlung von Tiergruppen sofort überall verboten werden. Wir Verbraucher und die Umwelt zahlen einen hohen Preis für den Konsum von billigen tierischen Lebensmitteln. Jeder sollte sich gründlich informieren, wie diese produziert werden und seine Ernährungs- und Einkaufsgewohnheiten ändern.

Zur Person

Unsere Gastautorin ist niedergelassene Ärztin in Bremen und Mitglied im Vorstand von „Ärzte gegen Massentierhaltung". Der Verein beschäftigt sich mit den schädlichen Auswirkungen der industriellen Intensivtierhaltung auf die Gesundheit.
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