Interview mit Verkehrssenatorin

Senatorin Maike Schaefer: „Es gibt bessere Zeitpunkte für einen Streik“

„Not macht bekanntlich erfinderisch, und die Menschen haben die unterschiedlichsten Fortbewegungsformen genutzt“, lobt Maike Schaefer (Grüne) im Interview die Flexibilität der Menschen im ÖPNV-Streik.
30.09.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Senatorin Maike Schaefer: „Es gibt bessere Zeitpunkte für einen Streik“
Von Jürgen Hinrichs
Frau Schaefer, wie war Ihr Eindruck von einem Tag ohne Busse und Straßenbahnen?

Maike Schaefer: Mithilfe der Medien ist es uns gelungen, alle Menschen in der Stadt auf die Situation vorzubereiten. Zum Glück blieben lange Staus und ein Verkehrschaos aus. Dennoch fehlten die Busse und Bahnen natürlich. Das sollte eine Ausnahme sein, denn viele Bremerinnen und Bremer sind auf den ÖPNV angewiesen. Sicherlich spielte auch eine Rolle, dass einige noch im Homeoffice sind, das hat geholfen.

Die Menschen haben teilweise improvisiert und sich zum Beispiel mit Rollern oder Mitfahrgemeinschaften beholfen. Stillstand macht mobil, könnte man sagen.

Bremen ist zum Glück die Stadt der kurzen Wege, sodass es möglich ist, relativ flexibel von A nach B zu kommen. Not macht bekanntlich erfinderisch, und die Menschen haben die unterschiedlichsten Fortbewegungsformen kreativ genutzt. Zum Glück ist die Nordwestbahn gefahren, so sind die Pendler mit längerem Weg zum Arbeitsplatz trotzdem ans Ziel gekommen.

Der ÖPNV hat in der Pandemie stark an Akzeptanz verloren und konnte erst zuletzt wieder ein wenig aufholen. Jetzt ein Lockdown anderer Art. Wirft das die Bemühungen zurück?

Es gibt sicherlich geeignetere Zeitpunkte für einen Streik. Wir versuchen ja gerade, das Vertrauen der Fahrgäste wiederzugewinnen, das durch die Corona-Pandemie zum Teil verloren gegangen ist. Das gilt nicht nur für die BSAG, sondern für den ÖPNV deutschlandweit. Gerade für eine gelingende Verkehrswende ist Vertrauen in den öffentlichen Nahverkehr ungemein wichtig. Neben neuen Straßenbahnen, dem Streckenausbau und einer zukunftsfähigen ÖPNV-Tarifstruktur zählt eben auch die Verlässlichkeit der Busse und Bahnen dazu.

Könnte der Streik bei der BSAG einen Lerneffekt auslösen?

Es wurde ja nicht nur die BSAG in Bremen bestreikt, sondern auch viele weitere Verkehrsbetriebe in Deutschland. Hintergrund sind die bundesweiten Tarifverhandlungen auf Bundesebene. Wenn man etwas aus dem Streik heute lernen kann, dann, wie wichtig ein gut funktionierender ÖPNV für Bremen ist. Außerdem sollten wir alle Anstrengung daran setzen, ihn noch attraktiver zu machen.

Gelingen könnte das mit Kombiverkehren. Das ist mit Lerneffekt gemeint. Passiert ist in der Hinsicht bisher ja nur wenig.

Wir hatten das Thema gerade vergangene Woche in der Deputation. Derzeit wird an einer App gearbeitet, die den Nutzern genaue Informationen zu Kombiverkehren gibt. Dort kann man angeben, wohin man möchte, kann die Verkehrsmittel (Leihrad, ÖPNV, Carsharing, Taxi etc.) wählen und bekommt dann die optimale Route mit den gewünschten Kombinationen. Die App soll Ende Oktober an den Start gehen.

Das Gespräch führte Jürgen Hinrichs

Lesen Sie auch

Info

Zur Person

Maike Schaefer (49)

ist seit August 2019 Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau. Zuvor war sie vier Jahre lang Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bürgerschaft.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+