Freundeskreis des Düsenjets VFW-614 hat viel Material eingelagert / Standort der Bremer Maschine umstritten Der Traum: Ein Flugzeug-Museum

Als Stadt der Luft- und Raumfahrt hat Bremen eine lange Tradition. Ein Meilenstein waren die Entwicklung und der Bau des Düsenjets VFW-614, der 1971 erstmals in die Luft ging. Der Freundeskreis der VFW- 614, ein Verein mit 130 Mitgliedern, will die Erinnerung an dieses Passagierflugzeug wachhalten. Seit einem knappen Jahr verfügt der Freundeskreis über eine umfangreiche Dokumentation aller Entwicklungsschritte für das Flugzeug und zudem über viele Bauteile. Nun treibt die Mitglieder die Frage um: „Wo können wir diesen Schatz angemessen präsentieren?“
09.03.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Der Traum: Ein Flugzeug-Museum
Von Detlev Scheil

Als Stadt der Luft- und Raumfahrt hat Bremen eine lange Tradition. Ein Meilenstein waren die Entwicklung und der Bau des Düsenjets VFW-614, der 1971 erstmals in die Luft ging. Der Freundeskreis der VFW- 614, ein Verein mit 130 Mitgliedern, will die Erinnerung an dieses Passagierflugzeug wachhalten. Seit einem knappen Jahr verfügt der Freundeskreis über eine umfangreiche Dokumentation aller Entwicklungsschritte für das Flugzeug und zudem über viele Bauteile. Nun treibt die Mitglieder die Frage um: „Wo können wir diesen Schatz angemessen präsentieren?“

Auf der Besucherterrasse des Bremer Flughafens war der in Bremen entwickelte zweistrahlige Düsenjet bis zum April 2014 ein Blickfang. Seitdem steht die über 40 Jahre alte VFW-614, Baunummer G15, am Rande des Rollfeldes im Sicherheitsbereich. Dieser Standort ist als Zwischenlösung gedacht, doch mittlerweile hat die Maschine reichlich Grünspan angesetzt. „Das Flugzeug muss endlich an einen vernünftigen Platz umziehen, wo es besser zugänglich ist“, sagt Günter Mail (73) aus Stuhr, zweiter Vorsitzender des Freundeskreises der VFW-614. In ehrenamtlicher Arbeit hegen und pflegen die Mitglieder die Maschine, an die sie derzeit aber schwierig herankommen.

Die rund 130 Mitglieder des Vereins sind dem Düsenjet eng verbunden. Viele von ihnen sind frühere Werksangehörige von Focke-Wulf, Weser-Flug, VFW-Fokker oder einer der Nachfolgegesellschaften, die am 614-Projekt beteiligt waren.

Die Stimmung im Verein hat sich verdüstert, seitdem kolportiert wird, die VFW-614 werde wohl ihren endgültigen Platz an der Neuenlander Straße auf dem früheren Grundstück des Spielzeugmarktes „Toys’ R’ Us“ finden. Vom Unternehmen Airbus, dem das Flugzeug gehört, und vom Flughafen gibt es dafür keine Bestätigung. „Ziel ist es, dass die VFW-614 in Bremen der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht werden kann, nachdem sie aufgrund der Bauarbeiten am Flughafen von ihrem Standplatz auf dem Dach entfernt werden musste“, teilt eine Airbus-Sprecherin auf Anfrage unserer Zeitung mit. Und: „Alle Beteiligten erarbeiten derzeit gemeinsam eine Lösung, die kommuniziert wird, sobald sie final beschlossen ist.“

Andrea Hartmann, Sprecherin des Flughafens, erklärt, der Airport habe einen Vorschlag zum neuen Standort gemacht, und die Verträge seien fertig verhandelt. Doch erst wenn alle Beteiligten unterschrieben hätten, werde Näheres mitgeteilt.

Die Baubehörde teilt auf Anfrage des STADTTEIL-KURIER mit, ein Bauantrag für eine Flugzeug-Aufstellungsfläche an der Neuenlander Straße 117 liege vor, sei aber noch nicht genehmigt. Der Freundeskreis der VFW-614 erklärt, er sei an den Verhandlungen leider nicht beteiligt, obgleich er sich als Beteiligter empfinde. Der Verein fände es bedauerlich, wenn die Maschine an der Neuenlander Straße platziert würde. „Das Flugzeug sollte an einem Ort aufgestellt werden, der auch gut mit Bussen und Bahnen zu erreichen ist“, sagt Günter Mail. Das sei auch deshalb wichtig, weil der Verein auch Projekte mit Schulklassen ins Leben rufen wolle. „Ein Platz, der zwischen der Neuenlander Straße und der künftigen Autobahntrasse der A 281 eingezwängt ist, ist alles andere als ideal“, meint Mail. Damit würde das Schaustück sozusagen ins Abseits gestellt.

Der künftige Platz für die VFW-614 ist nur eines von drei Themen, die den Verein bewegen. Der Freundeskreis ist zum einen auf der Suche nach einer Halle oder einem anderen geeigneten Gebäude, in dem seine umfangreichen VFW-614-Unterlagen und Bauteile gezeigt werden können. Zum anderen bemüht er sich um Geldgeber und Sponsoren, die ein Flugsimulator-Projekt mitfinanzieren. „Wir möchten gern ein VFW-614-Cockpit neu aufbauen und zum mobilen Flugsimulator machen, der auf einem Autoanhänger zu verschiedenen Vorführorten gebracht werden kann.“

Um den Simulator zu bauen, müssen jedoch 30 000 bis 60 000 Euro zusammenkommen. Die Gesamtkosten sind davon abhängig, ob benötigte Einzelteile gebraucht beschafft werden können oder aufwendig extra angefertigt werden müssen. „Die Software für den Simulator ist schon zu 90 Prozent fertig“, berichtet Werner Kerl vom Freundeskreis. Es werde damit möglich sein, Anflüge auf diverse Flughäfen zu simulieren. Momentan sieht sich der Freundeskreis fast in der Rolle eines Nachlassverwalters. Aus dem Bestand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig (DLR) hat es eine große Menge an Unterlagen über die VFW-614-Entwicklung und ein umfangreiches Ersatzteillager erhalten. „Wir haben 500 Umzugskartons voller Akten sowie fünf große Gitterboxen mit Zeichnungsrollen bekommen und sind dabei, das Material zu sichten und auszusortieren“, berichtet Günter Mail.

Der Verein habe erhebliche Mühe gehabt, die Aktenordner und Bauteile trocken und sicher unterzubringen. Dazu seien auch Räumlichkeiten im Bremer Umland angemietet worden. Für eine bessere Zugriffsmöglichkeit auf die wichtigsten Unterlagen sind Wartungshandbücher und andere Dokumente in der Geschäftsstelle des Vereins am Bremer Flughafen eingelagert worden.

Der Verein sucht nun nach einem Ort in der Hansestadt, an dem er die sehenswerten Sachen zusammenführen kann. Der Traum der Mitglieder ist die Beteiligung an einem Flugzeug-Museum in Bremen. „Angesichts der über hundertjährigen Tradition des Flugzeugbaus in Bremen ist ein Flugzeug-Museum längst überfällig“, meint Schatzmeister Rückert Kahl.

Nähere Informationen zum Freundeskreis im Internet unter www.vfw614.de.

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