Claessens-Buch im Haus der Wissenschaft vorgestellt Der Vater der Straßenbahn

Robert Claessens segelte mit dem Norddeutschen Lloyd um die Welt. Er erlebte dabei Abenteuer und Katastrophen. Jetzt ist bei Edition Temmen ein Buch über sein Leben erschienen, das auf seinen Tagebüchern und Aufzeichnungen basiert.
22.03.2012, 05:00
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Von Solveig RIXMANN

Robert Claessens segelte mit dem Norddeutschen Lloyd um die Welt. Er erlebte dabei Abenteuer und Katastrophen. Jetzt ist bei Edition Temmen ein Buch über sein Leben erschienen, das auf seinen Tagebüchern und Aufzeichnungen basiert.

Altstadt. Robert Claessens war Seefahrer. Ein Weltenbummler. Das Leben des späteren Vorstands der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) war immer in Bewegung. Jetzt ist bei Edition Temmen ein Buch über den "Vater der Straßenbahn" erschienen, das von seinen Abenteuern auf den Weltmeeren berichtet. Bei "Wissen um elf" im Haus der Wissenschaft stellten die Herausgeber, Jörn Bullerdiek und Daniel Tilgner, "Loydmissionen: Robert Claessens' Fahrten um die Welt vor 1891-1955" vor.

Daniel Tilgner ist Lektor bei Edition Temmen und Mitherausgeber mehrerer Bände zur Bremer Geschichte. Der studierte Geschichtswissenschaftler arbeitete schon früher mit Professor Jörn Bullerdiek zusammen. Jörn Bullerdiek ist eigentlich Biologe. Der Leiter des Zentrums für Humangenetik hat aber bereits vorher geschichtliche Bücher herausgegeben.

"Als einen sehr interessanten Lebenslauf", bezeichnet Jörn Bullerdiek, Robert Claessens Erlebnisse, die sie dessen Tagebüchern und Aufzeichnungen entnehmen konnten. Darauf aufmerksam gemacht wurden die Herausgeber von einem Enkel des 1961 verstorbenen Robert Claessens. "Er erinnert sich immer an die wichtigen Sachen, Sie werden es noch öfter sehen: die Verpflegung", sagt Daniel Tilgner scherzhaft.

"Es lief eigentlich alles auf die Universitätslaufbahn, beziehungsweise das Medizinstudium, zu", erzählt Jörn Bullerdiek über die Jugend des 1876 in Orschen in Ostpreußen geborenen Robert Claessens. Doch 1890 gibt es einen Bruch, ausgelöst durch den Besuch von Kapitän Hugo Baur, einem Onkel mütterlicherseits. Robert Claessens überredet seine Mutter, mit ihm nach Bremerhaven zu fahren. 14-jährig heuert er 1891 auf dem hölzernen Vollschiff "Wilhelm" der Bremer Reederei Norddeutscher Lloyd an und fährt nach New York. Der Schiffsjunge arbeitet sich mit den Jahren zum Offizier hoch und ist später Ausbilder auf einem Segelschulschiff der Reederei.

Mit der Zeit erlernt Robert Claessens das Fotografieren. Immer wieder macht er auf seinen Reisen Fotos von alltäglichen Situationen: von dem Malertrupp an Bord oder von einem deutschen Postamt in der Südsee. Gerade das macht seine Bilder so besonders.

Verpasste Fähren oder zu wenig Geld: irgendwie ist Robert Claessens immer durchgekommen - mit kleinen Tricksereien, aber auf liebenswürdige Weise. "Er hat eine außerordentlich interessante Art mit schwierigen Situationen umzugehen", erzählt Jörn Bullerdiek. Robert Claessens schien das Leben immer positiv zu sehen. Und das nicht nur mit dem milden Blick des Alters. Zwei Havarien überstand er, einmal wäre er dabei fast gestorben.

"Robert Claessens kommt im Laufe seines Lebens mit ganz vielen Weltereignissen in Kontakt", erzählt Daniel Tilgner. Choleraepidemie in Hamburg, Boxeraufstand in China, großen Brand von Hoboken oder der Galveston-Hurrikan: Robert Claessens war dabei. Die Herausgeber haben verschiedene Materialien wie Schiffsbücher und Zeitungsartikel herangezogen, um zu überprüfen, ob die Erzählungen von Robert Claessens sich auch wirklich zugetragen haben. "Wir konnten auch in allen Fällen zeigen, dass das kein Seemannsgarn war", sagt Jörn Bullerdiek.

Als der Norddeutsche Lloyd im Ersten Weltkrieg Schiffe abgeben muss, tritt Robert Claessens dem Vorstand der Bremer Straßenbahn AG bei. Mit seinem Ersparten kaufte er sich ein Haus in der Mathildenstraße. Als 74-jähriger steht er immer noch an der Spitze der Bremer Straßenbahn. Als er 1952 in den Ruhestand ging, blieb er dennoch weiterhin in Bewegung. "Er hat, wie seine Enkelkinder sagten, seine Pension verreist", erzählt Daniel Tilgner. Natürlich fuhr Robert Claessens auch da nur mit dem Norddeutschen Lloyd.

Um Indonesien und den Biodiesel geht es im nächsten "Wissen um elf", am Sonnabend, 24. März, 11 Uhr, im Haus der Wissenschaft, Sandstraße 4/5. Der gebürtige Bremer Tim Rixen, der seit 2000 am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie arbeitet, wird den halbstündigen Vortrag halten. In seinem Vortrag befasst er sich mit tropischen Torfsümpfen, die auch heute noch als bedeutende Kohlenstoffspeicher fungieren. Etwa 56 Prozent der tropischen Sümpfe befinden sich in Südostasien. In den letzten 40 Jahren wurden bis zu 39 Prozent dieser Flächen entwässert, gerodet und teils in Palmölplantagen umgewandelt. So wurden aus den ehemaligen Kohlenstoffspeichern Kohlendioxid-Quellen. Der Eintritt zum Vortrag ist frei.

Eine satirische Führung durch die Ausstellung "Leibeigenschaften - Der ,beschädigte' Körper im Blick der Vormoderne" im Haus der Wissenschaft bietet der Schauspieler und Kabarettist Pago Balke heute, 22. März, um 17.30 Uhr an. Anmeldungen sind an leibeigenschaften@uni-bremen.de möglich. Der Eintritt ist frei.

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