Ocean Sampling Day am 21. Juni

Der Vielfalt auf der Spur

Grohn. Die Bedeutung von Kleinstlebewesen im Meer für das Leben auf der Erde und das Klima ist seit Langem bekannt – das Wissen über die Mikroorganismen aber ist unvollständig. Das Projekt „My Ocean Sampling Day“ (MyOSD) will das ändern.
26.05.2016, 00:00
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Von Marina Köglin
Der Vielfalt auf der Spur

Das Meer steckt voller Leben: 1000 Proben-Kästen gibt die Jacobs University an Bürger aus, die sich an der Forschungsaktion beteiligen wollen.

Marina Köglin

Die Bedeutung von Kleinstlebewesen im Meer für das Leben auf der Erde und das Klima ist seit Langem bekannt – das Wissen über die Mikroorganismen aber ist unvollständig. Das Projekt „My Ocean Sampling Day“ (MyOSD) will das ändern. Es ruft dazu auf, am 21. Juni an den Küsten von Nord- und Ostsee, in Ems, Weser, Elbe und Oder sowie an deren Zuflüssen Wasserproben zu sammeln. Ziel des Gemeinschaftsprojektes der Jacobs University und des Max-Planck-Institutes für Marine Mikrobiologie in Bremen ist es, die Vielfalt der Mikroorganismen in den Küstengewässern und Flüssen zu erfassen und zu analysieren.

Kleinstlebewesen sind ein zentraler Bestandteil der maritimen Nahrungskette, erklären die Wissenschaftler dazu. Die Mini-Tiere bauen totes biologisches Material ab und führen es dem Nährstoffkreislauf wieder zu, sie vertilgen Kohlendioxid und produzieren Sauerstoff. Wie aber wirken sich menschliche Eingriffe wie die Abwasserproduktion auf die mikrobielle Biodiversität aus? Und wie verändert sich die Gemeinschaft der Mikroben von der Quelle eines Flusses bis zur Mündung? Der „Ocean Sampling Day“ will eine Momentaufnahme der Mikroorganismen an deutschen Küsten schaffen und untersucht dabei erstmalig auch Mündungsflüsse sowie deren zuführende Flüsse und Kanäle.

Für die Probennahme werden insgesamt 1000 sogenannte Sampling Kits mit den erforderlichen Filtern und Materialien verteilt. Wer mitmachen möchte, muss sich lediglich auf der entsprechenden Website registrieren und dort die App herunterladen. Die Kits werden entweder per Post verschickt oder können direkt bei den marinen Forschungseinrichtungen abgeholt werden. Nach der Probennahme können sie dort wieder abgegeben oder kostenfrei zur Auswertung ins Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie nach Bremen geschickt werden.

Welche Mikroorganismen in den Proben schwimmen und ob vielleicht eine bislang unbekannte Art dabei ist, können die Teilnehmer später selbst herausfinden. Wer auf der Homepage my-osd.org/status die Nummer des „Sampling Kits“ eingibt, kann die Ergebnisse nachlesen.

„Die Zusammenarbeit von Forschern und Bürgern beim MyOSD erlaubt es uns, die mikrobielle Diversität der deutschen Flüsse und Küsten in einer nie da gewesenen Auflösung zu erfassen. Mit dem daraus entstehenden Datenschatz werden wir den menschlichen Einfluss auf deren mikrobiellen Lebensgemeinschaften um ein Vielfaches besser verstehen lernen“, sagt Frank Oliver Glöckner, Professor für Bioinformatik an der Jacobs University und dem Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie.

Das Projekt ist Teil des „Wissenschaftsjahres 2016*17 – Meere und Ozeane“, in dem es um die Erkundung der Gewässer, ihren Schutz und ihre nachhaltige Nutzung geht. Bereits 2014 war der internationale Ocean Sampling Day (OSD) ins Leben gerufen worden: Am Tag der Sommersonnenwende am 21. Juni nehmen Wissenschaftler jedes Jahr weltweit Wasserproben und erzeugen somit einen einzigartigen Datensatz. Auch daran hatte bereits die Jacobs University teilgenommen.

Seit dem vergangenen Jahr können sich auch interessierte Bürgerinnen und Bürger an der Aktion beteiligen. Gemeinsames Ziel: den mikrobiellen Lebensraum der Meere entdecken, das Zusammenspiel dieser Kleinstlebewesen näher erforschen und zum besseren Verständnis der marinen Welt beitragen.

Weitere Informationen zum „My Ocean Sampling Day“ per E-Mail unter der Adresse myosd-contact@microb3.eu.

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