Gesamtschule Mitte und Verein „Partner über Grenzen“ gewinnen Preis für Kooperationsprojekt in Kenia

Deutsch-afrikanischer Perspektivwechsel

Östliche Vorstadt. Zwischen Bremen und Kenia gibt es eine symbolische Brücke: Die Gewinner des „Bridge it!“-Awards. Den Preis haben sie für ein kooperatives Filmprojekt zu Menschenrechten mit Jugendlichen aus Kenia bekommen, die sie auch in deren Heimat besucht haben.
08.01.2018, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Gerald Weßel
Deutsch-afrikanischer Perspektivwechsel

Die Verständigung klappt: Shirley (von links), Anneika und Marcella in der Kantine der Lulu High School in Kenia.

Eckardt Kreye, frei

Östliche Vorstadt. Zwischen Bremen und Kenia gibt es eine symbolische Brücke: Die Gewinner des „Bridge it!“-Awards. Den Preis haben sie für ein kooperatives Filmprojekt zu Menschenrechten mit Jugendlichen aus Kenia bekommen, die sie auch in deren Heimat besucht haben. „So fangen wir Jugendlichen an, diese Welt als eine Welt zu begreifen“, schreiben sie. „Alle Zusammenhänge, die damit einhergehen, und unsere Verantwortung wird uns klar.“

Der „Bridge it!“-Award, der zum sechsten Mal verliehen wurde, zeichnet herausragende Süd-Nord-Partnerschaften von Jugendlichen aus, die sinnbildlich übersetzt (überbrücke es) Brücken zwischen Ländern und Kulturen bauen. Die Jugendlichen sollen den Alltag der jeweils anderen kennenlernen, Meinungen austauschen und andere Perspektiven verstehen – und zwar weit über die im schulischen Rahmen gesteckten Grenzen hinaus. Der Gesamtschule Mitte (GSM) und dem Verein „Partner über Grenzen“ ist dies zusammen mit Jugendlichen aus Kenia vorbildlich gelungen.

Bei einer dreiwöchigen Jugendbegegnung in Nairobi und Kenia produzierten die jungen Leute zwischen 15 und 24 Jahren Filme und erarbeiteten ein Theaterstück über Menschenrechte in geschlechter- und ländergemischten Kleingruppen. Das sei enorm wichtig, da eben nur so ­verschiedene Perspektiven eingebracht werden könnten, schreiben die Gewinner in ihrem Bericht. Die Gruppen beschlossen, sich jeweils eines bestimmten Themas, wie zum Beispiel der Unterdrückung von Frauen, anzunehmen und es filmisch umzusetzen, denn sowohl das Mathare Youth Film Festival als auch die Bremer arbeiten oft mit digitalen Medien und speziell mit Filmen.

„Um die bestehenden Strukturen und Hierarchien zu durchbrechen, werden bei den Begegnungen Afrika- und Europabilder hinterfragt“, berichten die Jugendlichen. „Vorurteile werden abgebaut, indem Menschen einander kennenlernen und miteinander sprechen, anstatt übereinander zu reden.“ So hätten sie gelernt, sich mit fremden Gruppen zu solidarisieren und eine eigene Meinung zu komplexen Themen klar zu vertreten.

Die Jugendlichen und jungen Erwach­senen aus Deutschland und Afrika durften sich selbst die Richtung vorgeben. „Das ist sehr transparent, ein Projekt der Jugendlichen“, stellt der Lehrer Eckart Kreye klar, der den Austausch der GSM betreut. Der Gedanke der Teilhabe sei stark, Kern der gesamten Kooperation mit Kenia und dem Mathare Youth Film Festival. Zusammen mit den ­Kenianern habe man das gesamte Programm erarbeitet und schließlich die Kurzfilme in Eigenregie gedreht. Meist in der Freizeit.

Die dreiwöchigen Treffen sind im jährlichen Wechsel in Deutschland oder in Kenia. Während 2016 eine Gruppe aus Kenia kam, traten 2017 gleich zwei Gruppen den Gegenbesuch an. „2017 war ein großer Erfolg“, freut sich Eckart Kreye. „Fast 30 wollten nach Kenia fahren, um an globalen Fragestellungen zu arbeiten. Das waren mehr als jemals zuvor!“ Das Preisgeld in Höhe von 1100 Euro wird weiteren Projekten zu Gute kommen.

Begonnen hatte der Austausch zwischen Bremen und Afrika 2011, als es erstmals ein Begegnungsprojekt mit Jugendlichen aus Mali gab. Nach anfänglichen Erfolgen musste diese Kooperation aus Gründen der Sicherheit einige Jahre später eingestellt und durch die bis heute andauernde Zusammenarbeit mit Kenia ersetzt werden. Glück im Unglück, denn es fand sich das Mathare Youth Film Festival als Partner. Und hieraus erwuchs ein äußerst fruchtbarer Austausch, der von Jahr zu Jahr mehr junge Menschen aus beiden Ländern zum Mitmachen motiviert.

Außerdem haben in diesem Zeitraum etli­che Gründungsmitglieder und Träger der Idee ihren Abschluss gemacht und die Schule verlassen, wollen aber die Arbeit fortsetzen. Also haben Schüler, Lehrer und Eltern den Verein Partner über Grenzen gegründet. Er organisiert die Jugendbegegnungen. Das Ziel des Vereines ist es, junge Menschen aus afrikanischen Ländern und Deutschland in Kontakt miteinander zu bringen.

Als Nächste werden zwei Gruppen aus Kenia nach Bremen kommen, um zu einem neuen Thema, wahrscheinlich „Reduzierung von globaler Ungerechtigkeit“ Filme zu gestalten, die sich dem zentralen Gedanken von Partner über Grenzen und „Bridge it!“ widmen: Brücken für den Austausch zwischen Menschen zu bauen und Verständnis zu frödern. Irgendwann könnte, darauf aufbauend, auch ein internationales Jugend-Filmfestival in Bremen laufen. „Aber da“, sagt Eckart Kreye, „sind wir noch ganz am Anfang der Planung.“

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