Stille Örtchen geschlossen Diakonie beklagt Toilettenmangel in der Bremer Innenstadt

Spaziergänger sind auf öffentlich zugängliche Toiletten angewiesen, Wohnungslose noch viel mehr. Die Diakonie Bremen fordert freien Zugang zu sanitären Einrichtungen, und zwar 24 Stunden am Tag.
16.01.2021, 05:00
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Diakonie beklagt Toilettenmangel in der Bremer Innenstadt
Von Justus Randt

Das Diakonische Werk fordert 24 Stunden am Tag frei zugängliche Sanitäranlagen. Damit reagiert Landesdiakoniepastor Manfred Meyer auf einen Bericht des WESER-KURIER über den Mangel an öffentlichen Toiletten. Während des Lockdowns fällt in der Innenstadt die Möglichkeit weg, die sogenannten „Netten Toiletten“ in der Gastronomie und im Einzelhandel zu nutzen. Zwischen Hauptbahnhof und Schlachte gibt es derzeit drei öffentliche Toiletten, ein zusätzlicher Container ist geplant. Das Bau- und Umweltressort hatte bestritten, dass es einen akuten Bedarf gibt, und dies damit begründet, dass derzeit keine Touristen unterwegs seien und sich in erster Linie Menschen in der City aufhielten, die dort ihren Arbeitsplatz und damit auch sanitäre Anlagen zur Verfügung hätten.

Dem widerspricht Manfred Meyer, Vorstand des Diakonischen Werks Bremen, vehement. Das „Thema Toilettennot“ sei in Bremen „viel dramatischer“ für eine andere Personengruppe, „die hier vollkommen vergessen“ werde: „Die Menschen, die auf der Straße leben, haben – durch die Pandemie noch mehr – die Schwierigkeit, einen Ort für ihre Notdurft zu finden. Gleichzeitig droht ihnen beim Urinieren in der Öffentlichkeit ein Bußgeld. Das ist nicht hinnehmbar – wo sollen diese Menschen denn hingehen in ihrer Not?“

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Manfred Meyer erinnert an den Beschluss der Vereinten Nationen, demzufolge die Trinkwasser- und Sanitärversorgung als Menschenrecht zur öffentlichen Daseinsfürsorge gehört. Er fordert Sanitäranlagen, die 24 Stunden am Tag kostenfrei zugänglich sind, und hält eine „schnelle Lösung“ für unabdingbar. „Von frei zugänglichen Toiletten profitieren übrigens alle – nicht nur Wohnungslose.“ Auch Touristen, Menschen beim Einkaufen oder Spazierengehen könnten diese WCs nutzen.

Im Aktionsbündnis Wohnungsnot und der „kirchlichen Café-Arbeit“ setze sich das Diakonische Werk schon lange für mehr öffentliche Toiletten ein, betont Manfred Meyer. Abgesehen davon, dass es nur wenige öffentliche Toiletten gebe, werde für deren Nutzung meist auch eine Gebühr erhoben. Und auch ohne Corona-Pandemie könnten Wohnungslose die „Netten Toiletten“ kaum nutzen, da sie meist gar nicht in die Restaurants oder Cafés hineingelassen würden. „Die betroffenen Menschen berichten uns immer wieder von dieser Schwierigkeit“, sagt der Landesdiakoniepastor. „Öffentliches Urinieren ist verboten. Aber ohne Alternative zwingt man die Betroffenen doch dazu, genau das zu tun.“

Info

Zur Sache

Sozialstadtplan der Diakonie

Außer Essensausgabestellen und Duschmöglichkeiten zählt der Sozialstadtplan der Diakonie neuerdings auch auf, wann die Toiletten welcher sozialen Einrichtung oder Kirchengemeinde geöffnet sind. Der Plan wird in gedruckter Form in Bremen verteilt und ist im Internet auf der Homepage der Diakonie Bremen zu finden.

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