Lokaltermin an der Schlachte Die Alex – Nicht nur kulinarisch ein Erlebnis

Bremen hat seit November eine neue Touristenattraktion: Der Traditionssegler „Alexander von Humboldt“ hat an der Schlachte festgemacht und lädt nun Gäste in sein Restaurant und Hotel ein.
06.03.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Karina Skwirblies

Bremen hat seit November eine neue Touristenattraktion: Der Traditionssegler „Alexander von Humboldt“ hat an der Schlachte festgemacht und lädt nun Gäste in sein Restaurant und Hotel ein.

Nachdem das Schiff neun Monate lang komplett entkernt und umgebaut wurde, können Besucher nun in den ehemaligen Unterkünften der Matrosen oder des Kapitäns schlafen und an 140 Plätzen an Deck sowie rund 85 Plätzen unter Deck speisen und trinken.

Von der Redaktion aus ist es ein Katzensprung zur Alex, wie das Segelschiff von seiner Besatzung immer genannt wurde. Also besuche ich in der Mittagspause mit einem Kollegen das Hotel- und Restaurantschiff, das wöchentlich wechselnde Gerichte aus der bordeigenen Kombüse, Speisen aus der Region und kulinarische Reisen auf den Spuren des Forschungsreisenden Alexander von Humboldt verspricht.

Wenn man die Gangway hinaufläuft, bietet der Segler mit den hohen Masten und der gewaltigen Takelage ein imposantes Bild. Im Sommer ist es sicher grandios, an Deck zu sitzen und einen Kaffee oder ein Beck‘s- Bier zu trinken, für das der Dreimaster mit den grünen Segeln jahrelang warb. Doch im Moment sind wir froh, dem Regen zu entkommen, und treten durch eine schmale Tür an Bord. Augenblicklich spüren wir die Enge, die unter Deck herrscht.

Service ohne seemännische Show

Ein schmaler Gang führt nach links oder rechts, linker Hand weist ein Schild auf die Rezeption hin. Wir wenden uns nach rechts und kommen an Treppenaufgängen vorbei, die noch weiter in den Bauch der „Alexander von Humboldt“ führen. „Maschinenraum“ steht auf einem Hinweisschild, doch ein zweites macht klar, dass dieser Weg nur für Hotelgäste bestimmt ist. Wir gehen weiter und kommen an der ersten Messe vorbei, in der einige Gäste speisen. Wir entscheiden uns für die zweite, die gegenüber der Kombüse liegt.

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Die Einrichtung ist einfach: schlichte Holzbänke mit grünen Polstern und zwei lange Holztische. Hier mussten auf begrenztem Raum viele Matrosen speisen. Dies spürt man heute noch als Gast, und hat es lediglich ein wenig komfortabler. Denn die Alex ist zwar gut besucht, aber nicht annähernd voll. Wir spüren, dass das Schiff leicht schwankt, als uns eine freundliche Dame mit „Willkommen an Bord“ die Speisekarten reicht. Der Service ist formvollendet, aber nicht mehr. Dabei lädt das Ambiente des Restaurants durchaus zu ein wenig seemännischer Show auch beim Service ein. Allerdings erklärt uns die Kellnerin am Ende unseres Besuchs auf Nachfrage sehr ausführlich die Besonderheiten der „Alexander von Humboldt“.

Die Tageskarte bietet vor allem regionale Gerichte: Kartoffelsuppe (4,90 Euro), Bremer Labskaus mit Rollmops (13,90 Euro), Kohl und Pinkel (15,50 Euro). Außerdem gibt es Pasta in Champignonrahm (9,90 Euro), die mit gebratenen Hähnchenbruststreifen für 12,90 Euro serviert wird. Hierfür entscheide ich mich. Mein Kollege bestellt gebratenes Filet vom Wolfsbarsch auf Gemüsestreifen und Süßkartoffel-Fenchel-Stampf für 15,90 Euro.

Der Touristenbonus im Preis

Nach einer Weile kommen die Speisen und sie sehen ausgesprochen appetitlich aus. Ich erhalte einen großen Teller Röhrennudeln in gelb, orange und grün, mit vielen Hähnchenbruststreifen, Champignons und frischer Petersilie. Der Geschmack ist angenehm sahnig und mild. So kommen die frischen Champignons gut zur Geltung und das zarte, wohlschmeckende Fleisch. Die Nudeln sind perfekt gekocht, alles ein Genuss. Der Salat mit einem dezenten Essig-Öl-Dressing ist abwechslungsreich und lecker. Feld-, Blatt- und Friséesalat, Gurke und Karotten sind frisch und knackig. Der Salat fügt der cremigen Pasta eine erfrischende Note hinzu.

Mein Kollege hat es ebenso gut getroffen wie ich. Auf dem großen Berg Süßkartoffelpüree befindet sich frischer Fenchel. Zusammen mit der süßlichen Speise ein prickelnder Genuss. Der Wolfsbarsch ist auf den Punkt gebraten, hat eine leichte Kruste und ist einen Hauch salzig. Da der Wolfsbarsch ein hochwertiger Fisch ist, sind die 15,90 Euro dafür durchaus angemessen, zumal mein Kollege zwei Filetstücke erhalten hat. Wobei bei der „Alexander von Humboldt“ natürlich auch der Touristenbonus im Preis einkalkuliert werden muss. Das Gemüsebett, auf dem der Fisch liegt, besteht aus Karotten und Wurzelgemüse und ist eine Spur zu weich. Ansonsten ist das Essen auf der Alex nicht zu beanstanden. Nicht nur Bremern sei der Besuch auf dem Dreimaster empfohlen, allein schon wegen der Historie des Seglers.

Alexander von Humboldt – Das Schiff, Anleger Schlachte 1a, 28195 Bremen, Telefon 38039699, Mittagstisch von 11.30 bis 17 Uhr, nicht barrierefrei. Getränkepreise: Kaffee 3 Euro, Wasser (0,2 l) 2,20 Euro, Softdrinks (0,2 l) 2,20 Euro, Bier (0,3 l) 2,90 Euro, Wein (0,2 l) ab 4,50 Euro.
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