Grünflächen in Bremen

Die besondere Qualität alter Bäume

In Bremen müssen Bäume und Grünflächen auch städtischen Bauvorhaben weichen, zum Beispiel für die Querverbindung Ost oder das neue Hulsberg-Viertel. Eine Diskussionsrunde klärte die wichtigsten Fragen.
07.05.2015, 00:00
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Von Ina Schulze
Die besondere Qualität alter Bäume

Zwei alte Rotbuchen im Rhododendronpark.

Dietmar Zacharias, BUND Bremen

In Bremen müssen Bäume und Grünflächen auch städtischen Bauvorhaben weichen, zum Beispiel für die Querverbindung Ost oder das neue Hulsberg-Viertel. „Ist also alles im grünen Bereich? Oder wo brennt‘s?“ mit diesen Fragen haben sich im Vorfeld der Bürgerschaftswahl in Bremen der SPD-Landesvorsitzende Dieter Reinken, der Landessprecher Bündnis 90/Die Grünen Ralph Saxe, Silvia Neumeyer (CDU-Bürgerschaftsabgeordnete) und Doris Achelwilm (Die Linke, Landessprecherin) auf einer Podiumsdiskussion im Alten Fundamt beschäftigt.

Im Fokus der Diskussionsrunde standen neben dem Vortrag „Alles im grünen Bereich. Wie Stadtgrün die Gesundheit fördert“ von Thomas Claßen von der Universität Bielefeld auch die Themen Altbaumschutz, Innenentwicklung und Klimaanpassung. Martin Rode, Geschäftsführer des BUND Landesverbandes Bremen, verwies in seiner Einleitung darauf, dass Grün nichts Selbstverständliches sei. „Wir haben einen großen Teil an Altbaumbeständen verloren“, stellte Rode fest. Des Weiteren gab es die politische Entscheidung, sich auf die Innenentwicklung der Stadt zu konzentrieren statt Bremen nach außen hin zu erweitern. „Innenentwicklung bedeutet aber auch Innenverdichtung, also Bebauung“, führte Rode aus.

Prioritäten prüfen

Damit das Grün auch zukünftig in Bremen erhalten bleibt und verbessert werden kann, haben unter anderem die Architektenkammer, der Bund deutscher Landschaftsarchitekten und die Naturschutzorganisation BUND, aber auch Einzelpersonen im vergangenen Jahr das Bündnis „Grünes Bremen“ gegründet. „Grün ist essenziell wichtig für die Gesundheit der Stadtbevölkerung und eine gesunde Weiterentwicklung der Stadt“, unterstrich Ralph Saxe.

Trotzdem räumte er ein, dass Verkehrsräume und Bauvorhaben oftmals eine höhere Priorität hätten als die Grünflächen. Und das sei verbesserungswürdig. „Ich glaube, Grünräume sind eindeutig gleichberechtigt gegenüber anderen Nutzungsansprüchen, die es in der Stadt gibt“, sagte Saxe. „Dazu gehört auch ein bisschen Zurückeroberung. Es gibt einen Nachholbedarf.“ Doris Achelwilm verwies darauf, dass „Urban Gardening“ oder Dachbegrünungen eine Stadt interessanter machten. Dieter Reinken hat dem Vortrag von Thomas Claßen zudem entnommen, dass es eine soziale Ungleichheit in der Versorgung und Präsenz von Grünflächen gibt. „Es wird auch ein zentrales Thema der nächsten Jahre sein, dass wir Grünflächen, -pflege und -entwicklung in die Quartiere bringen“, sagte Reinken. Schöne Wallanlagen seien sicherlich touristisch herausragend, aber es gehe natürlich auch darum, die Pflege der Grünanlagen in den Quartieren voranzutreiben. Dementsprechend müssten für die Pflege auch genügend Kapazitäten zu Verfügung stehen, lautete der einhellige Tenor der Politiker.

Dietmar Zacharias, Professor für angewandte und ökologische Botanik an der Hochschule Bremen, führte noch in das Thema Altbaumbestand ein. Alte Bäume haben aus seiner Sicht eine besondere Qualität. In Verbindung mit ihrem Alter seien sie mit ihren Schäden und Kanten sehr markant. „Sie sind oft Unikate und ein Lebensraum für viele Tiere und Arten“, sagte Zacharias. Ein jung gepflanzter Baum habe erst einmal eine andere Qualität. Das sei gut so, um in 100 Jahren wieder einen alten Baum zu haben. „Aber sie ersetzen nicht diese Lücke“, betonte Zacharias, „Ich behaupte, dass wir im Moment einen dramatischen Qualitätsverlust bei diesen ganz alten Bäumen haben.“

Sicherlich gebe es teilweise auch gute Gründe, warum Bäume gefällt werden müssten, sei es durch Bauvorhaben oder zur Verkehrssicherheit, sagte Zacharias. „Ich möchte als Forderung in den Raum stellen, das wir mehr Beachtung dieser alten Bäume brauchen. Wir verlieren sonst ein Stück Gesicht der Stadt“, warnte er.

Dieter Reinken stimmte ihm zu, verwies aber auch auf Bremens finanzielle Probleme. Man könnte die Verkehrssicherungspflicht auch nicht vernachlässigen. „Da muss noch mehr Geld fließen, denn Bremen kommt mit der Nachpflanzung nicht hinterher“, fand Doris Achelwilm.

„Ich glaube, wenn man den Wert eines Altbaums ausgleichen will, muss man mehr als zwei Bäume pflanzen“, fügte Ralph Saxe hinzu. Er ist er überzeugt davon, dass Altbaumschutz Geld spart. Daher sei es wichtig, ein Altbaumkataster einzuführen, um Bäume systematischer zu schützen. Zudem gebe es zu wenig Begleitung und Kontrollen von Baustellen, sagte Saxe.

Natürlich bewegte das Publikum, dass 200 Bäume dem Hulsberg-Viertel und 150 Bäume der Querspange Ost weichen sollen. Ralph Saxe räumt ein, dass der Verlust von Bäumen ihm unheimliche weh tue. Andererseits sei es Abwägungsprozess mit Blick auf die 2,1 Millionen Autokilometer, die pro Jahr durch die Querspange Ost eingespart würden.

Mehr Infos zum Bündnis „Grünes Bremen“ gibt es online unter www.gruenes-bremen.de.

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