Steigende Schülerzahlen

Neue Lernorte links der Weser

Bis zum Jahr 2028 sind in den Stadtteilen links der Weser mehr als 1000 zusätzliche Schulkinder zu erwarten. Dafür reicht die bestehende Schullandschaft nicht aus, also werden neue Lernorte geschaffen.
09.07.2020, 06:04
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Mörtel
Neue Lernorte links der Weser

Am Standort der erst kürzlich umbenannten Inge-Katz-Schule an der Delmestraße soll eine neue Oberschule für die Neustadt entstehen.

Frank Thomas Koch

Bremen Süd. Die Neustadt bekommt eine neue Oberschule. So sieht es jedenfalls die aktuelle Schulstandortplanung der Bildungsbehörde vor, mit der sich kürzlich die zuständige Deputation für Kinder und Bildung beschäftigt hat. Darin sind für alle Stadtteile Bremens Vorschläge enthalten, wie die Hansestadt auf die meist steigenden Schülerzahlen bis zum Jahr 2028 reagieren kann. Der Beirat Neustadt begrüßt die an der Delmestraße geplante Neugründung einer Oberschule. Auch deshalb, weil das Gremium erwartet, dass dadurch besonders die Oberschule am Leibnizplatz entlastet wird.

Grundlage für die Planungen sind Prognoseberechnungen, die den zukünftigen Bedarf an Schulplätzen möglichst genau abbilden sollen. Für den Schulbezirk Süd rechnet die Bildungsbehörde ausgehend vom Jahr 2019 bis 2028 mit einem zusätzlichen Bedarf von 423 (etwa plus elf Prozent) Plätzen im Grundschulbereich und 627 Plätzen (etwa plus 13 Prozent) an den weiterbildenden Schulen.

Besonders hoch steigt demnach die Schülerzahl in der einwohnerstarken Stadtteilen Obervieland und Neustadt. In Letzterer erwartet die Bildungsbehörde in acht Jahren 201 Grundschüler mehr als noch 2019 und damit insgesamt 1242. Im selben Zeitraum steigt laut Prognose auch die Zahl der Gymnasiasten und Oberschüler im Stadtteil um 218 auf dann 1425. Um bis dahin genug Plätze bereitstellen zu können, ist unter anderem der Neubau einer zweizügigen Grundschule im Neubaugebiet Gartenstadt Werdersee geplant. Die Helene-Kaisen-Grundschule ist bereits gegründet, der Unterricht findet aber noch in Mobilbauten statt – bis ein Neubau neben der Wilhelm-Kaisen-Oberschule in Huckelriede fertig ist, der drei Klassen pro Jahrgang aufnehmen kann.

Die Grundschulen an der Kantstraße und an der Oderstraße sollen perspektivisch zu gebundenen Ganztagsschulen ausgebaut werden. Ein Vorhaben, das allerdings davon abhängig ist, ob auf den Nachbargrundstücken noch Platz für Erweiterungen der Schulen zur Verfügung steht, gibt der Neustädter Beirat dazu in einer Stellungnahme zu bedenken. Die Oberschule am Leibnizplatz bleibt nun offenbar vierzügig und wird nicht – wie ursprünglich mal vorgesehen – ausgebaut. Den Mehrbedarf soll die neue Oberschule an der Delmestraße abfedern, die dann drei Klassen pro Jahrgang beherbergen soll.

Für Obervieland wurden insgesamt 1216 und damit 117 zusätzliche Kinder in Grundschulen errechnet und eine Zunahme um 248 Schülern auf dann 1684 an den weiterführenden Schulen bis zum Jahr 2028. Die größten Veränderungen in der dortigen Schullandschaft betreffen den Ausbau der Oberschule Habenhausen, die sich von vier auf sechs Klassen pro Jahrgang vergrößern wird.

Dem Wunsch des Beirates, die Schule zu einer gebundenen – statt nur einer teilgebundenen Ganztagsschule – auszubauen, lehnte die Bildungsbehörde jedoch ab. Als Begründung gaben die Fachleute an, dass es mit der Huchtinger Roland-zu-Bremen-Oberschule bereits eine im Bremer Süden geben werde.

Eine weitere Veränderung: Die bisherige Zweigstelle der Schule Arsten an der Carl-Katz-Straße wird zu einer selbstständigen, zweizügigen Grundschule im gebundenen Ganztag ausgebaut. Auffällig ist außerdem, dass im Vergleich zu anderen Stadtteilen besonders viele Schulen in Obervieland noch den Ausbau zur Ganztagsschule vor sich haben.

In Woltmershausen stagnieren die Zahlen offenbar nach den aktuellen Vorausberechnungen bis zum Jahr 2028 bei insgesamt knapp 2000 Kindern und Jugendlichen, die im Stadtteil eine Schule besuchen. Der Woltmershauser Beirat weist aber daraufhin, dass durch den geplanten Wohnungsbau im Tabakquartier und drumherum mit weit mehr Schülern zu rechnen sein dürfte. Deshalb ist in dem Entwicklungsgebiet auch eine neue Grundschule geplant, die bis zu vier Klassenzüge pro Jahrgang aufnehmen kann.

Allerdings fordern die Stadtteilpolitiker in einer Stellungnahme für die aktuellen Planungen auf dem vorgesehenen Gelände, das der SWB gehört: Sollte es nicht gekauft oder genutzt werden können, müsse es umgehend einen alternativen Standort für die neue Grundschule geben. Außerdem steht in dem Papier der Beiratsmitglieder: „Die Fertigstellung der Schule muss rechtzeitig zum Bezug der Wohnungen im Tabakquartier gelingen.“

Die Dorfschulen in Strom und Seehausen unterrichten weiterhin nur eine halbe Klasse pro Jahrgang, sollen aber zu Ganztagsschulen ausgebaut werden. Für Huchting rechnet die Bildungsbehörde mit 64 zusätzlichen und damit 1174 Grundschülern bis 2028. Im selben Zeitraum wird der Platzbedarf an Oberschulen und Gymnasien um 98 Plätze auf 1628 steigen, sollte die Prognose sich in der Realität bestätigen. Die Bildungsbehörde plant, sowohl die Grundschule Robinsbalje als auch die Grundschule Delfter Straße zu entlasten, indem sie künftig weniger Erstklässler aufnehmen müssen. An der Robinsbalje wird es künftig nur noch drei erste Klassen und an der Delfter Straße nur noch vier statt fünf pro Schuljahr geben.

Zeitgleich wird die Grundschule Kirchhuchting um eine Klasse auf drei pro Jahrgang erweitert; und sie bekommt einen Ersatzneubau. Außerdem ist die neue Grundschule Sodenmatt mit drei ersten Klassen geplant. Zunächst am Willakedamm, später wird es einen Neubau an der Amersfoorter Straße geben.

Beim Ausbau der weiterführenden Schulen konnte sich indes der Beirat durchsetzen. Die Bildungsbehörde folgt nun offenbar dem Vorschlag der Stadtteilpolitik: anstatt weitere Klassen am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium aufzunehmen, die Oberschule Hermannsburg von drei auf fünf Klassen pro Jahrgang zu erweitern.

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