NDR-Quizshow Die Bremer leuchten wieder

Mehr als ein Jahr lang gewann kein Bremer das Finale der Rateshow im NDR. Seit Januar läuft's besser: Michael Kracht ist schon der dritte Kandidat, der die "Leuchte des Nordens" an die Weser holte.
25.03.2018, 16:49
Lesedauer: 3 Min
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Die Bremer leuchten wieder
Von Nina Willborn

Ist der Ruf erst ruiniert, rät es sich ganz ungeniert – und vor allem auch richtig. Zuvor war Bremen mehr als zwölf Monate lang bei der NDR-Quizshow ungefähr so erfolgreich wie der HSV in dieser Bundesliga-Saison: Nicht ein einziger Kandidat, der 2017 unter der Speckflagge angetreten war, holte die „Leuchte des Nordens“ nach Hause.

Ganz anders in diesem Jahr, bislang liegt Bremen im Rate-Wettstreit der nördlichen Bundesländer vorne mit dabei. Nach dem Abiturienten Ruben Helmke und dem Schifffahrtsmakler Marcel de Vos ist Michael Kracht schon der dritte Sieger der Sonntagabend-Sendung, die von Jörg Pilawa moderiert wird.

An mangelnder Intelligenz kann die lange Durststrecke der Bremer nicht gelegen haben, da ist sich der jüngste Bremer Rate-König sicher. „Ich schaue das Quiz regelmäßig, und auch 2017 waren viele gute Kandidaten aus Bremen dabei, und viele haben es auch ins Finale geschafft. Da hatten sie dann nur immer Pech“, sagt Kracht, der sich in der Sendung am 18. März anschickte, es besser zu machen.

"Ich bin waschechter Bremer"

Eigentlich wollte der stellvertretende Netto-Filialleiter 2016 seinen Sohn Moritz für die Kinder-Variante der Sendung anmelden. Beim Telefongespräch mit der Casting-Agentur stellte er sich dann aber wohl so plietsch an, erzählt der 51-Jährige, dass er auch auf die Kandidatenliste rutschte. Erst als Ersatz-Mann ohne Einsatz; im vergangenen November war es dann so weit: Aufzeichnung in Hamburg.

„Ich bin waschechter Bremer, hier geboren und aufgewachsen“, erzählt Kracht, „mein Uropa hat die schmiedeeisernen Arbeiten am Glockenspiel in der Böttcherstraße gemacht. Aber der kam aus München.“ Zur Vorbereitung auf die Sendung studierte er rund 200 Fragen, prägte sich auch die norddeutsche Landkarte und vor allem die Flüsse noch einmal genau ein. Nervös sei er schon ein bisschen gewesen, aber „als die Scheinwerfer im Studio angingen, fühlte ich mich rundum wohl, fast wie zu Hause im Wohnzimmer. Das lag auch an Herrn Pilawa. Der ist total locker und macht es den Kandidaten leicht, in der Show aufzutreten.“

Entsprechend gut lief's. Nach Ulla Grafe aus Neumünster räumte Kracht in den Rate-Runden die meisten Punkte ab. Nur nicht bei der Fußballfrage, ausgerechnet bei der Fußballfrage, muss man sagen. „Danach wäre ich am liebsten hinter meinem Pult versunken“, sagt Kracht, der in seiner Freizeit E-Jugend-Teams beim TuS Komet Arsten trainiert und als Bremer natürlich genau weiß, dass Werder zuletzt in der Saison 2003/2004 Deutscher Meister wurde. Nur, und das wäre die richtige Antwort gewesen, holte Wolfsburg den Titel 2009 und damit bislang als letzte Mannschaft in den Norden. „Dass es der HSV nicht war, wusste ich. Bei Wolfsburg war ich mir unsicher und dachte: Wenn du jetzt auf Wolfsburg tippst und es war Werder, ist das aus Bremer Sicht noch peinlicher.“

Glückwünsche von den Kunden

Trotz des fußballerischen Fauxpas: Weil Kracht im Gegensatz zu der Kandidatin aus Schleswig-Holstein im Finale wusste, in welchem Jahrzehnt Carl Carstens als Bundespräsident amtierte (in den siebziger Jahren), durfte er die „Leuchte des Nordens“ in die Höhe recken und 1000 Euro mit nach Hause nehmen. Gefeiert hat er bei Pizza und Sekt mit der Familie.

Die Trophäe mit Leuchtfunktion steht inzwischen auf einem Ehrenplatz in der „maritimen Ecke“ auf dem Wohnzimmerschrank, und der Erfolg ihres Besitzers hat sich nicht nur bei Krachts Kunden an der Walliser Straße schon herumgesprochen. „Am Tag nach der Sendung habe ich im Kühlbereich aufgeräumt und hörte ein älteres Ehepaar halblaut streiten: ,Das isser doch!‘ ,Nee, das kann nicht sein.‘ ,Doch, ich bin mir ganz sicher.‘ Dann musste ich an die Kasse, die beiden kamen zu mir, und der Mann hat mir dann gratuliert.“ Zwei andere Kunden verlangten mangels vorhandener Autogrammkarten ein Selfie mit dem Einzelhandelskaufmann, und Facebook sperrte wegen des plötzlich stark erhöhten Aufkommens an Glückwunsch-Nachrichten kurzzeitig sein Konto.

Was Kracht jetzt noch fehlt, damit sein Glück als „Leuchte des Nordens“ perfekt ist: Dass sein Aufruf für die Arstener Jugend-Mannschaften, bei denen Sponsoren höchst willkommen wären, im Fernsehen nicht vergebens war. „Bisher hat sich niemand beim Verein gemeldet“, sagt der Trainer. „Aber vielleicht ist ja inzwischen was beim NDR angekommen, und sie haben es nur noch nicht weitergeleitet.“

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