Rose Richter-Armgart stellt ihre schimmernden Kunstwerke in der Villa Sponte aus Die Dunkelheit verschwindet

Ostertor. „Das Verschwinden der Dunkelheit“: Der Titel der Ausstellung, die die Künstlerin Rose Richter-Armgart in der Villa Sponte zeigt, ist Programm. Die lichtdurchfluteten Ausstellungsräume der Villa sind erfüllt von dem metallisch schimmernden Glanz ihrer großformatigen Kunstwerke, die – je nach Lichtverhältnissen – immer wieder eine andere Optik bieten.
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Von Sigrid Schuer

„Das Verschwinden der Dunkelheit“: Der Titel der Ausstellung, die die Künstlerin Rose Richter-Armgart in der Villa Sponte zeigt, ist Programm. Die lichtdurchfluteten Ausstellungsräume der Villa sind erfüllt von dem metallisch schimmernden Glanz ihrer großformatigen Kunstwerke, die – je nach Lichtverhältnissen – immer wieder eine andere Optik bieten. Die Künstlerin bringt also die Dunkelheit zum Verschwinden.

Rose Richter-Armgart hat die Dinge des Lebens in die Lackoberfläche ihrer Bilder eingeritzt: Schemenhaft sind beispielsweise Menschen, aber auch Schriftzeichen und Figurationen darauf zu erkennen. Die Strukturen seien mit denen von Radierungen vergleichbar, erläutert die Künstlerin.

Ihre Inspirationsquellen sind vielfältig. Rose Richter-Armgart schöpft sie beispielsweise auf Reisen und in der Architektur. Die Künstlerin studierte von 1971 bis 1978 an der Hochschule für Bildende Künste ihrer Heimatstadt Braunschweig Grafik-Design und Freie Malerei.

„Ich bin mit Kunst aufgewachsen, mein Vater war Fotograf, mein Großvater Kunsterzieher“, erzählt die Künstlerin, die schon im zarten Alter von zwölf Jahren Jungstudentin an der Hochschule war. Heute lebt und arbeitet sie im eigenen Atelier in Visbek. Seit 2005 hat sie auch eine Werkstattgalerie in Bremen, Auf den Häfen 5.

Liebe zur Architektur

„Besonders beeinflusst haben mich meine Architekturstudien in der Meisterklasse bei Professor Emil Cimiotti“, erzählt sie. Die Liebe zur Architektur spiegelt sich in ihrem Werk „Wolkenbügel“, zu dem sie die architektonischen Modelle El Lissitzkys inspiriert hat. Der russische Avantgardist wollte ursprünglich die acht Stadttore Moskaus miteinander verbinden. Das Projekt hatte jedoch im sowjetischen Realismus keine Chance.

„Mahagonny“ mit Strukturen in Schwarzbraun und Taupe ist ein weiteres Werk betitelt. „Mahagonny“, das ist bei Brecht/Weill die Luststadt, in der es die größte Sünde ist, seine Rechnungen nicht bezahlen zu können. In „Stralsund“ lassen sich schemenhaft Anklänge von Backstein-Gotik, Kupferdächern und Booten ausmachen, die die Hansestadt an der Ostsee prägen.

Rose Richter-Armgarts besondere Kunst besteht darin, dass sie auf den zuvor per Spachtel mit Gesso Kasein grundierten Holztafeln lasierende Farbschichten und -felder in einer ausgefeilten Lack/Öl-Technik millimeterdick übereinander legt. Auf diese Weise entstehen glänzende, transparente und wie versiegelt wirkende Bildoberflächen, die von keramischer Härte sind.

In diese Lackoberfläche werden Metalle wie Kupfer und Aluminium mit Ammoniakflüssigkeit hineingeätzt. Dadurch ergeben sich beispielweise aparte Oxydiationseffekte in schimmerndem Grün. Auf ein Werk hat die Künstlerin zwischen gemalte Landschaften, die sich in Rot, oxydiertem Kupfer und Gold auftürmen, großzügig pastellfarbene Ölstreifen gesetzt.

Ihre Lacktechnik wird traditionell auch in China angewandt. So kam es, dass Rose Richter-Armgart 2004 eine Gast-Professur an der Hochschule von Luoyang in Nord-West-China erhielt, wo sie auch ausgestellt hat. In der Ausstellung in der Villa Sponte sind übrigens auch kleine, feine Arbeiten zu sehen, die in China entstanden sind.

„Manchmal kann ich gar nicht mehr damit aufhören, den Lack abzuschleifen“, sagt die Künstlerin. So hat sie in das gelbe Pastell des Untergrundes mit Rötel eine kleine Tänzerin hineingeritzt. Auf einem anderen, kleinformatigen Bild hat sie einen kleinen, chinesischen Tempel an einem goldenen Fluss platziert.

Raffinierte Effekte erzielt sie aber auch dadurch, dass die Ölfarbe nicht so schnell trocknet wie der darüber gelegte Lack, der dadurch aufplatzt. „Dahinein mische ich dann Pigmente, beispielsweise Terrakotta-Pigmente oder auch Brikett- oder Holzasche, wodurch Marmor-Effekte entstehen“, erläutert die Frau mit der voller positiver Energie sprühenden Augen. So wie auf dem Werk auf dem sie Quadrate in Gold, Silber und Marmorstruktur aneinander gefügt hat, in die sie Gesichter à la Paul Klee oder Picasso quasi als kunstgeschichtliche Zitate hineingeritzt hat.

Der Trocknungsprozess sei bei ihren Bildern ähnlich delikat wie beim Töpfern, sagt sie und fügt hinzu: „Ich muss einfach so etwas Expressives machen!“ Kleinformatige, mediterrane Reise-Impressionen von Himmel und Meer, die etwa an Marokko erinnern, sind im Flur der Villa zu sehen. „Ach, dieses Gefühl übers Meer zu fahren“, seufzt sie und erinnert sich an eine Tour über den Öresund. Meeresglitzern, das sie in einem Triptychon mit Bronze- und Silber-Akzenten verewigt hat.

Einen Reisewunsch möchte sich die Künstlerin noch erfüllen: „Island mit seinen Gletschern, Geysiren und Felsformationen möchte ich unbedingt einmal sehen!“

Rose Richter-Armgart ist mit ihren Kunstwerken in zahlreichen Galerien und auf Messen im In- und Ausland präsent. Neben ihrem Lehrauftrag an der Werkschule Oldenburg war sie unter anderem auch an der Expo 2000 in Hannover beteiligt.

Die Schau „Das Verschwinden der Dunkelheit“ ist noch bis Sonntag, 10. Oktober, in der Villa Sponte, Osterdeich 59b, zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung dienstags, sonnabends und sonntags von 15 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen unter Telefon 79 47 84 97.

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