Wissenschaftler warnen in Vortragsveranstaltungen vor dem lokalen und globalen Klimawandel "Die Erde gerät ins Kochen"

Von ULf Buschmann
29.03.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste

Von ULf Buschmann

Bremen-Nord. Es war der 9. November 2007: Das Wasser der Weser steigt unentwegt. 2,50 bis drei Meter über dem mittleren Hochwasser zeigen die Pegel an. Das Wasser schwappt gegen die Mauer und Fenster des Restaurants "Grauer Esel". Doch die Gäste müssen sich wenig Sorgen um nasse Füße machen, das Haus ist gegen Hochwasser gesichert. Was allerdings wohl kaum einer der damaligen Gäste wusste: Die Sturmflut vom 9. November 2007 war die vierthöchste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Mit dieser Info verblüffte Michael Schirmer, Vorsitzender des Bremischen Deichverbandes am rechten Weserufer, seine Zuhörer. Victor Benno Meyer-Rochow stand Schirmer diesbezüglich in nichts nach. Auch der Wissenschaftler von der Jacobs University Bremen erstaunte seine interessierten Zuhörer.

Schirmer und Meyer-Rochow befassten sich jeweils mit dem Thema Klimawandel; ersterer im Haus der reformierten Kirchengemeinde Blumenthal, Meyer-Rochow im Hofmeyerhaus der Ökologiestation in Schönebeck. Dort warf der Mann von der Jacobs University die Frage "Klimaerwärmung und schneereicher Winter - ein Widerspruch?" in den Raum, während es bei Schirmer um das Thema "Klimawandel nimmt Fahrt auf - Folgen und Maßnahmen" ging.

"Zwei kalte Winter besagen nichts"

Sowohl Meyer-Rochow als auch Schirmer machten ihren Besuchern klar, dass der Klimawandel längst eingesetzt habe. Schuld daran seien die Treibhausgase. Sie seien die Ursache dafür, dass das Sonnenlicht die Erde aufheize, die Hitze aber nicht mehr aus der Atmosphäre des Planeten entweichen könne.

Als Beleg dafür wählte Victor Benno Meyer-Rochow die globale Sicht der Dinge: Seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1880 sei die Temperatur um gut ein Grad angestiegen. Und im amerikanischen Bundesstaat Alaska habe auch die langjährige Mitteltemperatur einen Satz nach oben gemacht. Michael Schirmer kam zu dem gleichen Ergebnis: Die weltweit zehn wärmsten Jahre seit 1850 lagen alle zwischen 1998 und 2010.

"Zwei kalte Winter besagen da gar nichts", machte Schirmer, ehemaliger Klimaforscher an der Bremer Uni, deutlich. Denn die beiden vergangenen strengen Winter in Europa seien mit extremer Hitze auf de Südhalbkugel einhergegangen. Fazit des Wissenschaftlers: "Global gesehen ist die Welt dabei, ins Kochen zu kommen." Maximal zwei Grad könne Mutter Erde verkraften, bevor ihr Ökosystem versage.

Die Auswirkungen wie Niederschläge mit Extremmengen, zunehmende Sturmintensitäten sowie heißere und trockenere Sommer und wärmere Winter bekommt der ganze Planet zu spüren - nur eben in unterschiedlicher Art und Weise. Für Bremen heißt es zum Beispiel, dass die Stadt und das weitere Umland ohne Deiche zu drei Vierteln im Wasser versinken würden. Ausgenommen sind der Geestrücken in Vegesack und umzu und der Südosten.

Denn durch den Klimawandel steigt laut Schirmer und Meyer-Rochow auch der Meeresspiegel, weil das Eis an den Polkappen schmilzt. Für Norddeutschland kommt hinzu, dass das Land in weiten Teilen unter dem Meeresspiegel liegt. Um sich gegen die veränderten Naturgewalten zu wappnen, werden deshalb in Bremen und Bremerhaven sowie in Niedersachsen Stück für Stück die Deiche um gut einen Meter erhöht. Die ersten beiden Abschnitte in Farge-Rekum sind bereits von der Landesgrenze bis zur Straße "Unterm Berg" fertig. Und sollte dieses nicht reichen, ließen sich diverse Polder am rechten Weserufer fluten, so die Rekumer und Osterstader Marsch.

Trotz allem technischen Schutz, waren sich die Wissenschaftler Meyer-Rochow und Schirmer einig, werde der Klimawandel gesellschaftlich und wirtschaftlich tiefgreifende Auswirkungen haben. So geht Meyer-Rochow davon aus, dass die Flüchtlingswellen von Afrika nach Europa zunehmen werden, weil es auf dem schwarzen Kontinent nicht mehr genügend Nahrungsmittel gibt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+