Staatsanwaltschaft ermittelt Die falschen Väter von Bremen

In wie vielen Fällen von Scheinvaterschaften die Staatsanwaltschaft ermittelt, ist offen. Fakt ist, dass es schwer ist, einem Scheinvater seine Tat nachzuweisen...
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Die falschen Väter von Bremen
Von Patricia Brandt

Hodan A. (Name geändert) hat zehn Kinder. Drei Kinder hat der Deutsche mit einer Frau, mit der er in Bremen zusammenlebt. Sieben weitere Kinder will der Mitfünfziger mit sieben anderen, verschiedenen Frauen haben, mit denen er keinerlei Kontakt hat. Die Bremer Staatsanwaltschaft nahm 2017 die Ermittlungen auf: Hodan A. stand im Verdacht, einer der Männer zu sein, die sich für die Anerkennung einer Vaterschaft bezahlen lassen, um damit Frauen ein Bleiberecht zu verschaffen.

Ein paar tausend Euro, eine Unterschrift beim Notar oder im Standesamt und das Kind hat einen deutschen Vater und die Mutter kann nicht abgeschoben werden. Für Frauen aus vielen afrikanischen und asiatischen Ländern soll dies zurzeit die sicherste Methode sein, einen Aufenthaltsstatus zu bekommen. Sie dürfen nach Paragraf 28 des Aufenthaltsgesetzes legal bleiben und sich um das Kind kümmern.

Wie berichtet, wird in Behörden und Flüchtlingsunterkünften an der Weser vermutet, dass es sich bei den Scheinvaterschaften um systematischen Betrug handelt. In Berlin soll es Medienberichten zufolge rund 700 solcher Betrugsfälle geben. In wie vielen Fällen die Bremer Staatsanwaltschaft zurzeit ermittelt, kann Sprecher Frank Passade nicht sagen. Nach seinen Worten gibt es in Bremen keine Statistik über diese Verstöße gegen das Ausländergesetz. „Es geht um das Erschleichen von Aufenthaltstiteln“, sagt Frank Passade.

Zehn Kinder von unterschiedlichen Frauen

Problematisch ist für die Staatsanwaltschaft, die Scheinvaterschaften nachzuweisen. „Das Problem ist im Einzelfall, Tatnachweise zu erbringen, da die Beschuldigten nichts zugeben werden, weil sie sich sonst selbst belasten würden.“ Sowohl der vermeintliche Vater als auch die Mutter haben zudem ein Aussageverweigerungsrecht. Passade: „Da versuchen Sie mal festzustellen, ob eine Vaterschaft zu Recht oder zu Unrecht anerkannt wurde. Da sind Ihnen in der überwiegenden Anzahl der Fälle die Hände gebunden.“

Dass Hodan A. überhaupt in den Fokus der Behörden geriet, hatte laut Staatsanwaltschaft mit einer Polizeikontrolle zu tun. Als die Beamten erfuhren, dass Hodan A. für zehn Kinder von unterschiedlichen Frauen die Vaterschaft übernommen hatte, schöpften sie Verdacht, es könne sich um Scheinvaterschaften handeln. Der Verdacht ließ sich laut der Bremer Staatsanwaltschaft jedoch nicht konkretisieren.

Sechs Vaterschaften anerkannt

Der Fall von Hodan A. ist mittlerweile eingestellt. Ebenso wie ein zweiter Fall eines 49-jährigen mutmaßlichen Scheinvaters aus Bremen aus dem vergangenen Jahr. Er hatte sechs Vaterschaften anerkannt. Die Kinder stammen von unterschiedlichen Müttern. „Und mit keiner davon lebt er zusammen“, berichtet Frank Passade.

In vielen Fällen soll es sich bei den Scheinvätern um Sozialhilfeempfänger handeln, die selbst keinen Unterhalt für ihre Kinder zahlen können. Ob die genannten Männer Leistungsbezieher sind, wusste Frank Passade nicht.

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