Buddy und Gerti Elias berichteten nach der Mono-Oper über Anne, Margot, Otto und die anderen Verwandten Die Franks - eine liebevolle Familie

Die Mono-Oper "Das Tagebuch der Anne Frank" läuft derzeit auf Anfrage in Schulen. Am Sonnabend im Moks saß ein Schauspielerpaar im Publikum und danach auf dem Podium, das eine starke biografische Verbindung zu dem Thema und zu Bremen hat: Buddy und Gerti Elias, der Cousin von Anne Frank und seine Frau.
15.03.2012, 05:00
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Von Elisabeth Schmidt

Die Mono-Oper "Das Tagebuch der Anne Frank" läuft derzeit auf Anfrage in Schulen. Am Sonnabend im Moks saß ein Schauspielerpaar im Publikum und danach auf dem Podium, das eine starke biografische Verbindung zu dem Thema und zu Bremen hat: Buddy und Gerti Elias, der Cousin von Anne Frank und seine Frau.

Ostertor. Buddy Elias war skeptisch gewesen, was die Mono-Oper "Das Tagebuch der Anne Frank" anging. "Ich bin mit großen Vorbehalten hergekommen, weil ich ja sensibel gegenüber den Experimenten von Regisseuren bin, das kenn ich ja noch selber von mir", offenbarte Annes Cousin dem Regisseur Patric Seibert im Moks und brachte damit das Publikum seiner Lesung zum Lachen.

Die Vorstellung hatte Buddy Elias positiv überrascht: "Das sind drei hochbegabte junge Damen, und es war eine sehr bewegende schöne Inszenierung", sagte der Schauspieler, der von 1969 bis 1972, zur Zeit der Generalintendanz von Kurt Hübner, im Theater am Goetheplatz engagiert gewesen war, über Marysol Schalit, Hannah Ehrlichmann und Kristina Ruge.

Auch Gerti Elias war während ihrer Zeit in Bremen im Theater am Goetheplatz aufgetreten, der jüngere Sohn der beiden ist in der Hansestadt geboren, und beide, Patrick und Oliver, sind ebenfalls Schauspieler geworden.

Etwas enttäuscht war Buddy Elias, dass über das kleine Publikum, eine seiner letzten Lesungen hatte er vor 900 Schülern gehalten. Buddy Elias stammt aus einer alten Frankfurter Familie. Sein Vater hatte 1929 in Basel beruflich Fuß gefasst und war mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen dorthin gezogen. "Meine Mutter hat ihr Leben lang hessisch gebabbelt", erzählt Buddy Elias, dem die Frankfurter Herkunft anzuhören ist. Seine Cousinen Anne und Margot hat der heute 86-Jährige gekannt, sie waren auch zu Besuch in der Schweiz gewesen, als Otto Frank schon mit seiner Familie in Amsterdam wohnte. Bevor die Franks 1942 im Hinterhaus untertauchten, schickte Otto einen Brief an seine Mutter Alice Frank und seine Schwester Leni Elias nach Basel. Das war bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges das letzte Lebenszeichen.

Die Entstehung des Buches "Grüße und Küsse" von Mirjam Pressler gleicht für Buddy Elias einem Wunder. Er selbst hatte keine Ahnung, dass all diese Dokumente erhalten waren, das älteste ist die Geburtsurkunde seines Ururgroßvaters von 1811. Gerti Elias hatte 2001 Briefe gefunden. Weder sie noch ihr Mann konnten mit dem Absender etwas anfangen. "Dann habe ich immer weiter gesucht, bis ich auf Kinderbriefe von Leni und Otto gestoßen bin", sagt Gerti Elias. Der Anne-Frank-Fonds hat die Dokumente digitalisieren lassen. Gerti Elias hat über zwei Jahre an dem Projekt gearbeitet, dann aber die Schriftstellerin Mirjam Pressler als Autorin gewonnen. "Grüße und Küsse an alle" erschien 2009, die erste Lesung in Bremen war im Oktober 2011 (wir berichteten).

"Alice war eine liebenswerte, kultivierte und wunderbare Frau, wir haben sie vergöttert", schwärmt Buddy Elias von seiner Großmutter. Alice Frank hat aus Anlass ihres 70. Geburtstages 1935 etwas über sich geschrieben, unter anderem an die Enkelkinder gerichtet: "Wenn euch auch Länder und Meere trennen, vergesst nicht die gemeinsame schöne Jugendzeit, und ihr solltet wissen, dass niemand, außer euren Eltern, euch so sehr liebt wie eure Omi."

Lebenszeichen von Otto

Nach Kriegsende wartete die Familie auf Lebenszeichen ihrer vermissten Verwandten. Ende Mai kam ein Telegramm von Otto Frank in der Herbstgasse in Basel an. Erst nach und nach wurde klar, dass die ganze Familie Frank in Auschwitz gewesen war. Nachdem Anne und Margot nach Bergen-Belsen verlegt worden waren, war ihre Mutter Edith geistig umnachtet. "Sie hat das wenige Brot, das sie bekommen hat, in der Matratze versteckt, um es den Kindern zu geben, wenn sie wieder kommen. Sie ist verhungert", sagt Buddy Elias. Otto Frank konnte erst 1946 zu der Familie nach Basel reisen, weil er "außer einer tätowierten Nummer auf seinem Arm keine Dokumente hatte".

Dass seine Töchter nicht mehr am Leben waren, erfuhr Otto Frank über einen Aushang am Amsterdamer Bahnhof. Miep Gies, die damals mitgeholfen hatte, die Familie Frank zu verstecken, überreichte ihm daraufhin einen großen Stapel mit Schriften von Anne, darunter auch das Tagebuch. Sie hatte es nach der Verhaftung der Familie im Versteck gefunden, die Gestapo hatte nach Wertsachen gesucht und offenbar kein Interesse an den persönlichen Aufzeichnungen eines jungen Mädchens gehabt. "Ich habe mein Kind nicht gekannt, bis ich dieses Buch gelesen habe", bekannte Otto Frank damals. Buddy Elias ging es ähnlich: "Ich kannte Anne als fröhliches, vergnügtes Kind, aber dieses Buch hatte ein Tiefe, die wir nicht für möglich gehalten hatten." Buddy und Gerti Elias merken, dass das Publikum ihrer Lesungen fasziniert davon ist, etwas anderes zu hören aus dem Leben der Franks. "Diese Familie war sehr herzlich und zärtlich, sie haben sich immer wieder über Briefe ausgesprochen", sagt Gerti Elias. Das Buch

ist gerade heute wichtig, "um zu sehen, dass es auch anders geht", findet Buddy Elias. Und das Kind auf dem Titelbild ist nicht Anne, sondern Buddy, ihr Cousin.

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