Flüge werden gestrichen

Die Germania-Pleite und die Folgen für den Bremer Airport

Fast zwanzig Ziele flog die insolvente Gesellschaft zuletzt von der Hansestadt aus an. Jetzt ist der Betrieb eingestellt. Was die Pleite für Kunden und den Hans-Koschnick-Flughafen bedeutet.
05.02.2019, 02:49
Lesedauer: 4 Min
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Die Germania-Pleite und die Folgen für den Bremer Airport
Von Peter Hanuschke

Germania hat den Flugbetrieb in Deutschland eingestellt. Die Airline mit Sitz in Berlin hatte beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg am Montag Insolvenz beantragt und das in der Nacht zu Dienstag mitgeteilt. Die Maschinen stehen seitdem am Boden. Davon ist auch der Bremer Airport betroffen: Bereits die beiden Germania-Flüge nach Funchal (Madeira/Portugal) und Antalya (Türkei) wurden am Dienstag umgehend gestrichen. Die Pleite hat darüberhinaus noch weitreichendere Folgen: Germania ist vom Passagieraufkommen her nach Lufthansa/Eurowings und Ryanair die drittstärkste Fluggesellschaft am Bremer Flughafen.

Was können Fluggäste tun?

Passagiere, die ihren Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, sollen sich laut Mitteilung der Airline direkt an ihren Reiseveranstalter wenden, um eine Ersatzbeförderung zu erhalten. Darauf habe aber laut Gesetzeslage keinen Anspruch, wer sein Flugticket direkt bei Germania gekauft habe. Der Lufthansa-Konzern und der Ferienflieger Condor bieten unterdessen betroffenen Passagieren verbilligte Tickets an. Die größten Überschneidungen in den Flugplänen gebe es mit der Tochter Eurowings, so ein Lufthansa-Sprecher am Dienstag in Frankfurt. Die Angebote richten sich insbesondere an die Passagiere, die eben nicht mit einem Pauschalreiseveranstalter unterwegs sind.

Nach Air Berlin 2017 und Small Planet Airlines im vergangenen Jahr muss mit Germania erneut eine deutsche Fluggesellschaft Insolvenz anmelden. Betroffen von der beantragten Insolvenz sind die Germania Fluggesellschaft mbH und ihr Schwesterunternehmen für technische Dienstleistungen, die Germania Technik Brandenburg GmbH, sowie die Germania Flugdienste GmbH. Bei der Schweizer Germania Flug AG und die Bulgarian Eagle läuft der Geschäftsbetrieb der Ableger in Bulgarien und der Schweiz läuft vorerst jedoch noch weiter.

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Noch am Montag hatte es einen Bericht über eine Investorengruppe aus Nordrhein-Westfalen gegeben, der hoffen ließ. Die „Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung“ berichtete unter Verweis auf eigene Informationen, dass eine Gruppe unter der Koordination von ehemaligen Airline-Managern helfen wolle und kurzfristig einen zweistelligen Millionenbetrag bereitgestellt werden solle. Zu der Gruppe soll auch der frühere Air-Berlin-Chef Joachim Hunold gehören. Germania hatte zu dem Bericht keine Stellung genommen.

Geschäftsführer Karsten Balke begründete den Schritt damit, dass es nicht gelungen sei, Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen. „Wir bedauern sehr, dass uns als Konsequenz daraus keine andere Möglichkeit als die der Insolvenzantrag-Stellung blieb“, erklärte Balke per Mitteilung. Er bedauerte die Auswirkungen des Schrittes für die Mitarbeiter, die ihr Bestes für einen zuverlässigen Flugbetrieb gegeben hätten, auch in den zuletzt angespannten Wochen. Die betroffenen Fluggäste bat Balke um Entschuldigung.

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Anfang Januar waren die finanziellen Schwierigkeiten bei Germania bekannt geworden. Der Flugbetrieb ging jedoch zunächst planmäßig weiter. Zwischenzeitlich hatte das Unternehmen von erfolgreichen Finanzierungsverhandlungen gesprochen. Ende Januar wurde jedoch bekannt, dass es bei der Auszahlung der Januar-Gehälter an die Mitarbeiter Verzögerungen gibt. Deutschlandweit hat das Unternehmen 1100 Beschäftigte. Die Airline begründet den finanziellen Engpass mit massiven Steigerungen der Kerosinpreise und mit einer „außergewöhnlich hohen Anzahl technischer Service-Leistungen an der Flotte“.

Flughafen Bremen im Gespräch mit Reiseveranstaltern

Bremens Flughafenchef Elmar Kleinert sagte zu der Pleite: „Die Insolvenz der Germania bedauern wir sehr, denn die Germania war jahrelang ein starker und zuverlässiger Partner für den Flughafen Bremen." Bis zum Schluss hatten wir die Hoffnung, dass die Germania dem deutschen Markt als Fluggesellschaft erhalten bleibt." Der Flughafen Bremen sei bereits in Gesprächen mit großen Reiseveranstaltern und spreche mit ihnen über eine Weiterführung der Routen ab Bremen.

Noch im September hatte Kleinert im Interview mit dem WESER-KURIER Germania zu den expandierenden Airlines gezählt. Passend dazu hatte die Fluggesellschaft ein paar Wochen vorher angekündigt, ihr Angebot vom Flughafen Bremen für die Sommersaison 2019 weiter ausbauen zu wollen. Im Sommerflugplan 2018 flog die Airline 19 Ziele von Bremen aus an.

Germania hat darüberhinaus eine besondere Beziehung zu Bremen: So gibt es eine Verbindung, schon bevor die Airline 2012 ihre durchschnittlich drei Flugzeuge am Neuenlander Feld stationierte – denn zumindest die Geschichte der Germania, in jedem Fall ihres Gründers Hinrich Bischoff, hat in Bremen begonnen: Bei der AG Weser hatte der Kaufmann seine erste Anstellung gefunden, bevor er 1972 als Geschäftsführer der Charterfluggesellschaft Hapag-Lloyd ins Luftfahrtgeschäft wechselte. Sieben Jahre später wurde Bischoff selbst zum Unternehmer, als er die Kölner Fluggesellschaft S.A.T. übernahm und daraus Germania machte.

Luftfahrtexperte glaubt nicht an Rettung

Germania gehört über eine zwischengeschaltete Beteiligungsgesellschaft komplett ihrem Chef Karsten Balke. Dieser startete Mitte 2016 eine Investitionsoffensive. So orderte Germania auf der Farnborough Airshow bei London 25 Airbus-Mittelstreckenjets der A320neo-Modellfamilie und sicherte sich Optionen auf 15 weitere Flugzeuge der Reihe. Die Auslieferungen sollen nach bisherigen Angaben im Jahr 2020 beginnen. Künftig wollte Germania mit einer reinen Airbus-Flotte unterwegs sein.

Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt glaubt nicht, dass es für Germania im laufenden Insolvenzverfahren noch eine Rettung geben könnte: "Dafür verfügt das Unternehmen nicht über Assets, die es interessant für andere Investoren oder Airlines machen würde." Germania verfüge über keine Slots, die andere Airlines unbedingt haben wollen, sagte der Hamburger Experte dem WESER-KURIER. Bei Air Berlin sei das anders gewesen.

(Dieser Artikel wurde um 11.40 Uhr aktualisiert.)

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