Themenfahrt folgt den "englischen Linien" vom Bremer Westen in den Osten / Wiederholung am 3. Oktober Die Geschichte der Bremer Straßenbahn

Bremen. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts bestand eine der Hauptverkehrsachsen in Bremen vom Südosten (Hastedt) in den Nordwesten (Walle). Auf dieser Strecke führte die für den öffentlichen Nahverkehr zuständige "Große Bremer Pferdebahn" 1879 eine Verbindung mit 84 Wagen und 82 Pferden ein. Da hinter dieser Gesellschaft die Londoner Tramways Union Company stand, nannte der Volksmund sie die "Englische Gesellschaft".
26.09.2011, 05:00
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Von Liane Janz

Bremen. Bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts bestand eine der Hauptverkehrsachsen in Bremen vom Südosten (Hastedt) in den Nordwesten (Walle). Auf dieser Strecke führte die für den öffentlichen Nahverkehr zuständige "Große Bremer Pferdebahn" 1879 eine Verbindung mit 84 Wagen und 82 Pferden ein. Da hinter dieser Gesellschaft die Londoner Tramways Union Company stand, nannte der Volksmund sie die "Englische Gesellschaft".

In Erinnerung an diese Zeit luden der Verein Freunde der Bremer Straßenbahn und die Bremer Straßenbahn AG zu der Themenfahrt "Auf den Spuren der englischen Linien" und in die Straßenbahnausstellung "Das Depot" ein.

Die Fahrt führte vom Hauptbahnhof aus zunächst in den Bremer Westen über Doventor, Speicherhafen und Waller Friedhof zum Markt und schließlich über das Viertel nach Sebaldsbrück und Weserwehr zurück zum Hauptbahnhof. Auf der Strecke erklärten Peter Burtchen und Heiner Brünjes den Passagieren die Anfänge des Bremer Schienenverkehrs und seine Entwicklung und gaben einen kleinen Ausblick auf anstehende Projekte. Allerdings mussten die Passagiere dabei genau hinhören, denn der alte Triebwagen 446 aus den 1960er Jahren rumpelte ordentlich auf den Schienen.

Die Pferdebahnen waren damals noch nicht mit Zahlen, sondern mit Farben markiert. Zwischen Walle und dem Steintor verkehrte die grüne Linie und zwischen Sebaldsbrück und Doventor die rote.

Diese Linien wurden von den Pferdebahn-Depots am Waller Friedhof und in Hastedt in der Nähe der Föhrenstraße aus betrieben. Da es sich bei den Stadtteilen, die die Große Bremer Pferdebahn miteinander verband, um die einwohnerreichsten Viertel handelte, erfreuten sich die "englischen Linien" großer Beliebtheit.

Zeitgleich betrieb ein regionales Unternehmen die "Bremer Pferdebahn" und trat damit in Konkurrenz zu der englischen Gesellschaft. Dieses Konkurrenzdenken ging so weit, dass die Bremer Pferdebahn sich ein eigenes Schienennetz bauen musste. Zeitweise wurde der Bremer Marktplatz von drei Seiten mit Schienen belegt. Im Juni 1899 fusionierten die beiden Gesellschaften, und 1900 wurden die ersten Pferdebahnen durch elektrische Straßenbahnen ersetzt. 1911 wurde dann auch die letzte Pferdebahnstrecke in Sebaldsbrück elektrifiziert.

Ab 1908 gab es Ziffern

Ziffern ab Bereits 1908 erhielten alle Bahnlinien Ziffern, und so wurden die Linien 2 und 3 geboren, die ab 1911 ungefähr so verkehrten wie noch heute. Die Bremer Straßenbahn wurde ständig weiterentwickelt und modernisiert, das Netz immer weiter ausgebaut. Außenbezirke, in denen keine Straßenbahnen fuhren, verbanden Busse mit dem Stadtgebiet. Viele Ideen wie zum Beispiel eine Linie 13 von der Elsasser Straße über St.-Jürgen-Straße in die Neustadt oder eine Linie 10, die in die Gartenstadt Vahr führt, wurden allerdings auch verworfen Um der dennoch fortschreitenden Vergrößerung Rechnung zu tragen, wurden 1926 die Betriebshöfe in Gröpelingen und Sebaldsbrück nach dem damaligen neuesten Stand der Technik eröffnet.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs stoppte die ständige Weiterentwicklung der Bremer Straßenbahn. Nach dem Krieg gingen mit dem Wiederaufbau auch die Entwicklungen weiter. Rustikale Ringbahnen mit Längssitzen waren zunächst im Einsatz. So eine Bahn war es auch, in der Inge Behrens als junges Mädchen 1946 ihre erste Straßenbahnfahrt erlebte. Sie lebte damals in Hastedt, und aus dieser einen Fahrt wurden unzählige mehr. "Mein Mann und ich sind schon immer mit der Straßenbahn gefahren. Wir hatten nie ein Auto", erzählte sie bei der Besichtigung der Ausstellung "Das Depot".

Die unbequemen Sitzbänke interessierten sie damals nicht, denn die Straßenbahnen hatten zu der Zeit noch Plattformen an beiden Enden. "Ich habe lieber dort draußen gestanden", sagte sie. Die Straßenbahn trug auch zum gesellschaftlichen Leben bei. "Dort trafen sich die Menschen zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit. Das ist ja heute auch noch so", fuhr Inge Behrens fort. Und in der Straßenbahn gibt es viel zu erleben - Begebenheiten zum Schmunzeln oder Fahrgäste, über die man den Kopf schüttelt.

Auf dem Rückweg vom Depot in Sebaldsbrück über Weserwehr, das Viertel und den Dobben zum Hauptbahnhof erzählte Heiner Brünjes etwas über künftige Projekte. Einige Strecken wie die Linien 1 und 4, werden derzeit verlängert, um weitere Stadtgebiete anzuschließen.

Aufgrund der großen Nachfrage wird die Themenfahrt "Auf den Spuren der englischen Linien" am 3. Oktober um 14 Uhr wiederholt. Interessenten werden gebeten, sich unter Telefon 55967642 oder E-Mail info@fdbs.net anzumelden.

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