Bremer Überseestadt Die "Hafenkante" geht an den Start

Bremen. Noch ist die Fläche links vom Deich eine Brache und der Landmark-Tower quasi der Schlussstein für die Bebauung der Überseestadt. Nun soll es mit der „Hafenkante“ aber vorangehen. Den ersten Schritt macht die Gewoba, sie will 100 Mietwohnungen bauen.
17.02.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Für das Wohnen in der Überseestadt - lange umstritten und seit dem Herbst Realität - war bislang ausschließlich die Projektgesellschaft von Justus Grosse zuständig. Unübersehbarer Fingerzeig dafür sind der Landmark-Tower und die angrenzenden Flusshäuser mit ihren insgesamt 130 Wohnungen. Eine Pionierleistung, die jetzt Nachahmer findet. Noch in diesem Jahr startet die Gewoba ein 18-Millionen-Projekt mit rund 100 exklusiven Mietwohnungen. Es ist die erste Etappe der sogenannten "Hafenkante".

"Wir haben einen Architektenwettbewerb ausgelobt, der noch vor Beginn der Osterferien entschieden wird", kündigt Gewoba-Prokurist Martin Paßlack an. Danach starte die konkrete Planungsphase, und bis zum Ende des Jahres könne mit den Erdarbeiten begonnen werden. "Das ist unser Ziel", sagt Paßlack.

Es geht um ein Baufeld von 6000 Quadratmetern, das zwischen Weser und der neu gebauten Erschließungsstraße liegt. Ein fast quadratisches Karree, das Paßlack zufolge mit fünf Häusern bebaut wird. Sie werden vier, fünf oder sechs Geschosse haben, so genau weiß das die Gewoba noch nicht. "Die Gestaltung soll bewusst nicht aus einem Guss sein, gut möglich, dass wir zwei oder drei Architekten beauftragen", erklärt der Prokurist und Planungschef der Wohnungsbaugesellschaft.

Freier Blick auf die Weser

Die Häuser werden nicht eng an eng stehen, sondern Platz lassen für Sichtachsen zwischen Straße und Wasser. Auch von den Wohnungen, die zur Straße hin liegen, soll es so einen freien Blick auf die Weser geben. Außerdem sind auf beiden Seiten der Achsen öffentliche Räume geplant - kein abgeschottetes Wohnquartier also, kein Ghetto der Wohlhabenden, denn preiswert wird das Wohnen am Fluss auch bei der gemeinnützigen Gewoba nicht.

"Die Quadratmeterpreise werden im deutlich zweistelligen Bereich liegen", sagt Paßlack. Für Wohnungen mit einer Größe zwischen 65 und 120 Quadratmetern kann da schon einiges zusammenkommen. Die Lage macht's, auch dann, wenn die Gewoba vermietet.

Zur "Hafenkante", die im Ganzen ein 100-Millionen-Engagement vor der Brust hat, gehören neben der Gewoba, die Sparkasse, Hochtief, Brebau, Zech Immobilien und der Hamburger Projektentwickler DS-Baukonzept. Das Planungsgebiet ist zwölf Hektar groß und wird nun in einer ersten Tranche bebaut. Zuerst von der Gewoba, danach von DS-Baukonzept zusammen mit Zech und von der Sparkasse, die mit Bauatelier-Nord paktiert.

Jahrelang konnten sich die Investoren nicht dazu durchringen, den entscheidenden Schritt zu machen, doch nun ist es offenbar so weit, angespornt von dem Erfolg der beiden Grosse-Gesellschafter Clemens Paul und Joachim Linnemann. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben binnen weniger Monate sämtliche Wohnungen im Landmark-Tower und den Häusern daneben entweder vermietet oder verkauft. Und es geht weiter: Grosse baut nun erstmals auch Wohnungen am Europahafen und dehnt sich darüber hinaus auch jenseits des Landmark-Towers aus. Alles zusammen genommen, könnten es in der Überseestadt bis zum Jahr 2014 weit mehr als 500 Wohnungen sein. Von null auf 500.

Wohnen ist das eine, Gewerbe das andere. Lange wurde bezweifelt, ob in der Überseestadt beides möglich ist. Doch mittlerweile gibt es mit den angestammten Betrieben, die mit ihrer Produktion nicht immer leise sind und auch nicht immer geruchsfrei, eine auch juristisch abgesicherte Übereinkunft, dass sich die Nachbarn nicht beharken. Die Stadtplaner wollen den Mix aus alten Hafenbetrieben, Wohnen und Büros, denn das erst, sagen sie, mache den Reiz aus.

Seit Beginn des Masterplans für die Überseestadt vor gut zehn Jahren hat sich die Zahl der Unternehmen dort von 300 auf 450 erhöht und die Zahl der Beschäftigten von 6000 auf 9000. Nach groben Schätzungen liegen die privaten Investitionen im Hafengebiet mittlerweile bei einer halben Milliarde Euro, flankiert von rund 250 Millionen Euro an öffentlichen Geldern, zum Beispiel für den Ausbau der Straßenbahn.

"Die Überseestadt ist einer der dynamischsten Entwicklungsstandorte für Gewerbe- und Bürobauten in Bremen", sagt Detlev Neuhaus von der Strabag AG, die zu den größten Bauunternehmen in Europa gehört und in Bremen als Projektentwickler auftritt. Neuhaus verantwortet als Bereichsleiter die Pläne seines Unternehmens für Niedersachsen und Bremen, darunter auch ein Bauvorhaben in der Überseestadt, für das es einen Architektenwettbewerb gab, der jetzt entschieden wurde.

Gewonnen hat der Entwurf des Architekturbüros Sprenger von der Lippe aus Hannover. Er zeigt das, was die Jury vorgegeben hatte: ein unaufgeregtes Gebäude mit großflächigen Fassadenplatten, Putzfassade oder Mauerwerk. Ähnlich ruhig und rhythmisch gestaltet wie der 400 Meter lange Schuppen I auf der gegenüberliegenden Seite der Konsul-Smidt-Straße.

Die Strabag will auf dem 4400 Quadratmeter großen Grundstück 15 Millionen Euro investieren. Nur dann allerdings, betont Neuhaus, wenn das Bürogebäude vor Baubeginn einen großen Mieter findet. "Wir haben jemanden, der sehr interessiert ist, die Gespräche laufen aber noch", sagt der Strabag-Mann.

Blind vor Euphorie sind die Investoren in der Überseestadt also nicht. Das hat man bei der "Hafenkante" gesehen, die acht Jahre gebraucht hat, um endlich an den Start zu gehen. Und man sieht es bei der Strabag. Das Unternehmen lässt Vorsicht walten und prescht nicht mit Ankündigungen vor. Anders als Hochtief zum Beispiel. Der Bauriese aus Essen will auf einem Filet-Grundstück am Kopfende des Europahafens ein Bürogebäude mit 11400 Quadratmetern Nutzfläche errichten, kommt über vollmundige Versprechungen aber nicht hinaus. Baubeginn sollte eigentlich im Frühjahr 2009 sein, doch immer noch ist die exponierte Fläche eine traurige Brache.

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