20 Fächer künftig ohne N.C.

Hochschule Bremen öffnet Studiengänge

Bisher waren fast alle Bachelor-Studiengänge an der Hochschule Bremen zulassungsbeschränkt. Doch den Numerus Clausus will man nun für jedes zweite Fach abschaffen. Und es gibt noch mehr Veränderungen.
01.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Hochschule Bremen öffnet Studiengänge
Von Sara Sundermann
Hochschule Bremen öffnet Studiengänge

Die Hochschule Bremen will mehr als jeden zweiten Bachelor-Studiengang für alle öffnen – egal mit welcher Abi-Note.

Christina Kuhaupt

Für alle, die in diesem Wintersemester ein Studium an der Hochschule Bremen (HSB) beginnen wollen, ändert sich einiges. Die wohl größte Veränderung: Die Hochschule schafft für mehr als jeden zweiten ihrer Bachelor-Studiengänge den Numerus clausus (N.C.) ab. Nach Angaben der HSB waren zuletzt alle Fächer bis auf die dualen Studiengänge zulassungsbeschränkt. Nun sollen zum Wintersemester für 20 von insgesamt 38 Bachelor-Fächern der Hochschule die Hürden fallen. Bei 18 Studiengängen gibt es weiter eine Zulassungsbeschränkung.

In den vom N.C. befreiten Fächern sollen unabhängig von der Abiturnote alle Bewerber aufgenommen werden, kündigt der Konrektor für Studium und Lehre, Thomas Pawlik, an. „Wir wollen den Studierenden in diesen Zeiten keine zusätzlichen Hindernisse in den Weg legen“, begründet Pawlik den Schritt. Zu den vom N.C. befreiten Fächern gehören unter anderem Maschinenbau, Freizeitwissenschaften, Politikmanagement und Schiffbau.

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„Wenn sich für 36 Studienplätze in einem Fach 72 Personen bewerben, werden wir jetzt auch 72 aufnehmen“, sagt Pawlik. Dabei wolle die Hochschule weiter auf ihr Prinzip des Lernens in Kleingruppen setzen: „Wir würden dann beispielsweise zwei Kleingruppen statt einer aufmachen.“

Die Öffnung vieler Fächer kommt der Hochschule dabei offenbar nicht ungelegen: Denn die Hochschulen im Land Bremen haben sich verpflichtet, die Zahl ihrer Studienplätze zu erhöhen, daran erinnert Pawlik. Dies sei auch mit Blick auf das politische Ziel, Bremen zu einer wachsenden Stadt zu machen, vereinbart. Mehr Erstsemester anzulocken und die eigenen Zielzahlen zu erreichen, liegt also durchaus im Interesse der Hochschule.

Lehraufträge an externe Lehrbeauftragte

Für Online-Seminare dürfte es zunächst vielleicht keinen großen Unterschied machen, ob sich 36 statt 72 Studierende zuschalten. Aber auf Dauer wird für mehr Studierende mehr Lehrpersonal an der HSB benötigt, und dieses zusätzliche Personal wolle die Hochschule vor allem dadurch akquirieren, dass mehr Lehraufträge an externe Lehrbeauftragte vergeben werden sollen, sagt Pawlik.

Die Abschaffung des N.C. ist aber nur eine von vielen Veränderungen, die vor allem durch Corona bedingt sind. So wurde zum Beispiel der Zeitraum für die Einschreibung verlängert. Während man sich sonst bis zum 15. Juli für ein Fach bewerben musste, ist dies nach Angaben der HSB nun vom 1. Juli bis zum 20. August möglich. Der Grund: Es gab corona-bedingt in vielen Bundesländern und auch in Bremen spätere Abiturtermine, deshalb wolle man auch Studieninteressierten einen längeren Zeitraum anbieten, so Pawlik.

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Auch der Vorlesungsstart verschiebt sich in diesem Wintersemester: Während sonst das Semester Anfang Oktober startet, soll es an der Hochschule diesmal erst am 1. November beginnen. So hätten nicht nur Lehrende mehr Zeit für die Vorbereitung, sondern auch Studierende mehr Zeit beispielsweise für die Wohnungssuche, sagt der Konrektor. Das kommende Wintersemester soll an Bremens Hochschulen ein sogenanntes Hybridsemester werden, eine Mischung aus digitaler Lehre und Seminaren vor Ort. Die Hochschule will aber nach eigenen Angaben den Großteil der Lehre weiter digital laufen lassen. Nur Veranstaltungen, für die spezielle Räume und Ausrüstung nötig seien, wie zum Beispiel die Arbeit in Kleingruppen im Labor, sollen vor Ort stattfinden.

Pflichtpraktika können später nachgeholt werden

Zudem will die Hochschule auch manche Regeln lockern, die Studierende derzeit corona-bedingt häufig nicht einhalten können. So ist als Voraussetzung für die Einschreibung in vielen Fächern ein Vorpraktikum verpflichtend. Wer beispielsweise Tourismusmanagement studiert, muss normalerweise zuvor ein zwölfwöchiges Praktikum absolvieren. „In den meisten Fällen werden wir dieses Pflichtpraktikum erlassen“, sagt Pawlik. Die Praktika sollten aber möglichst später nachgeholt werden. Wo dies nicht möglich sei, habe die Hochschule einen ganzen Katalog von Ersatzleistungen entwickelt – so könnten Studierende statt das Praktikum zu absolvieren, beispielsweise an einem Online-Modul teilnehmen.

Für die vielen Studierenden der HSB, die ein Auslandssemester machen und für ausländische Studierende, die an die HSB kommen wollen, gelte: Kommen und gehen dürften diejenigen, für die es mit Blick auf das jeweilige Land nach den Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes erlaubt sei, teilt die Hochschule mit. Das könne beispielsweise heißen: Ein Auslandssemester in Frankreich könnte möglich sein, eines in Südafrika müsste ausfallen.

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