Angeklagter legt Geständnis ab

Die höfliche Version eines Raubüberfalls

Im Prozess zum Raubüberfall auf ein älteres Ehepaar in Oberneuland hat am Montag einer der drei Angeklagten vor dem Landgericht ein Geständnis abgelegt.
05.01.2015, 21:00
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Die höfliche Version eines Raubüberfalls
Von Ralf Michel
Die höfliche Version eines Raubüberfalls

Vor dem Landgericht wird der Raubüberfall auf ein älteres Ehepaar verhandelt.

Christina Kuhaupt

Im Prozess zum Raubüberfall auf ein älteres Ehepaar in Oberneuland hat am Montag einer der drei Angeklagten vor dem Landgericht ein Geständnis abgelegt. Zwar warf die eine oder andere Formulierung des Täters eher Fragen auf, als dass sie für Klarheit gesorgt hätte. Unter dem Strich aber stand sein klares Bekenntnis: „Ich habe die Tat begangen.“

Allerdings gab er lediglich seine eigene Beteiligung an dem Überfall zu. Zur Rolle seiner Mitangeklagten schwieg er. Er wolle ihnen die Chance lassen, selbst vor Gericht auszusagen, erklärte er – und hielt sich an diesen Kurs. Mit keinem Wort belastete er einen der beiden anderen Männer, sondern sprach stets nur anonym von Mittätern.

Von denen habe einer ein paar Wochen vor der Tat den Tipp für den Überfall gegeben, garniert mit zahlreichen Informationen zum Wohnhaus der Opfer. Unter anderem war von einem Tresor in einem Arbeitszimmer im ersten Stock die Rede. Darin sollten sich Bargeld, Gold und Schmuck im Wert von 100 000 Euro befinden. Die meisten Details zum Haus stimmten, der entscheidende Hinweis aber nicht: Im Geldschrank befanden sich lediglich Papiere.

Angeklagter bestätigt Tatablauf

Der 22-Jährige bestätigte den Tatablauf, wie ihn die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift formuliert hatte. Unter dem Vorwand, ein Paket abliefern zu wollen, waren die Täter im Mai 2013 ins Haus ihrer Opfer gelangt, hatten dort Bargeld und EC-Karten erbeutet und das ältere Ehepaar in den Keller gesperrt. Von den Konten der beiden wurde wenig später an Bankautomaten in der Innenstadt Geld abgehoben.

Der Angeklagte schilderte dies alles sehr detailliert, präsentierte dem Gericht aber eine überaus höfliche Form des Geschehens. Keine Rede von Gewalt und Bedrohung. „Bleiben Sie ruhig, das ist ein Überfall“, habe er zu dem sehr ruhig wirkenden Ehemann gesagt, er sei geradezu schockiert darüber gewesen, wie alt und zerbrechlich sein Opfer war. Weil dessen Frau sehr laut gesprochen habe, habe man sie gebeten, mit dem Schreien aufzuhören. Und als es darum ging, die Opfer in den Heizungskeller zu sperren, habe er den Mann die Treppe heruntergetragen, weil „der ja gar nicht gut laufen konnte“. Im Keller habe man die Opfer mit Kissen und Decken ausgestattet und die Tür ganz bewusst nur einmal abgeschlossen, um den alten Leuten eine Chance zu lassen, sich selbst zu befreien.

Kaum Details

Immer, wenn es um strafrechtlich bedeutende Details ging wie etwa den Einsatz eines Messers, mit dem die Frau laut Staatsanwaltschaft bedroht wurde, oder auch den einer Gaspistole offenbarte der Täter Erinnerungslücken. „Kann ich nicht sagen. Hab’ ich nicht drauf geachtet. Weiß ich nicht.“

Alle Versuche des Richters, mehr Licht ins Umfeld der Tat zu bringen, blockte der 22-Jährige ab. Zugleich wollte er auch bei drei weiteren Taten, die ihm zu Last gelegt wurden, reinen Tisch machen. Unter anderem ging es dabei um den Einbruch in ein Haus an der Barbarossastraße Bevor er dazu aber ausführlicher werden konnte, meldete sich der Anwalt eines Mitangeklagten zu Wort: Bei diesen Taten sei sein Mandant der Initiator gewesen und wolle ebenfalls ein Geständnis abgeben. Geschehen soll dies am nächsten Verhandlungstag, am Freitag, 9. Januar.

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