Kunst in der Fußgängerzone

Die Idee hinter dem Koloss

Ein riesiger Elefant aus Stahl und Holz steht in der Fußgängerzone. Fünf Meter ist er hoch und wurde von der niederländischen Künstlerin Jantien Mook erschaffen. Sie reist mit ihm durch die Welt.
01.06.2018, 18:13
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniela Schilling
Die Idee hinter dem Koloss

Ein Elefant aus Metall und Holz in der Fußgängerzone. Die Skulptur war bereits in mehreren europäischen Städten und zieht nach dem Aufenthalt in Vegesack weiter nach Schweden. Die niederländische Künstlerin Jantien Mook hat das Werk erschaffen.

Albrecht-Joachim Bahr

Vegesack. Er zieht die Blicke auf sich, der Koloss aus Stahl und Holz, der sich seit Anfang Mai in der Fußgängerzone erhebt. Mit seinen fünf Metern Höhe ist er zwischen Schuhgeschäft und Schreibwarenladen ein unübersehbarer Blickfang. Kaum jemand geht an ihm vorbei, ohne innezuhalten oder wenigsten kurz erstaunt den Kopf zu heben. Schon während des Aufbaus bleibt eine ältere Dame stehen und schaut sich suchend um. Sie fragt, was in den nächsten Tagen wohl vielen Passanten durch den Kopf gehen wird: „Wo kommt der denn her, und was soll das Ganze eigentlich?“

Die Antwort ist einfach: Der metallene Riese soll auffallen und zum Stehenbleiben animieren. So wünscht es sich jedenfalls die Erschafferin der Skulptur. Mit ihrem „Weeping Elephant“ möchte die niederländische Künstlerin zum Nachdenken anregen. Der weinende Elefant ist Teil des Projektes „Ode aan de Wildernis“, in dessen Rahmen das Werk die Welt bereist. „Durch das Projekt drücke ich meine Liebe zur Natur aus, indem ich ihre Faszination in meiner Kunst einfange“, erklärt Jantien Mook. „Der afrikanische Elefant soll Aufmerksamkeit wecken. Er erscheint in den Städten der Welt und ‚weint’, damit man ihn wahrnimmt“. In diesem Auftrag machte er bereits Station in Amsterdam, Rotterdam, Brüssel, Gent und Hamburg. Als Nächstes soll es nach Schweden gehen.

Entstanden ist das Kunstwerk in einem Zeitraum von drei Monaten. Um es realisieren zu können, holte sich die Künstlerin Unterstützung von Dirk-Jan Schrander, der Erfahrung im Schweißen von großen Installationen hat. Das Holz für die Beine, die Stoßzähne und die Stirn fand sich in der Natur. In täglicher Handarbeit wurden die einzelnen Elemente zusammengefügt.

Am Ende standen in der Amsterdamer Halle die riesige stählerne Tier-Skulptur und auch ein Liebespaar. Diese sehr romantische Geschichte erzählt Dirk-Jan Schrander ganz nebenbei, kurz bevor er sich auf die wackelige Leiter ins Innere des Elefanten begibt, um die Stoßzähne zu befestigen.

Dass das Kunstwerk seinen Weg in die Vegesacker Fußgängerzone gefunden hat, ist einer Mischung aus Schnelligkeit und persönlichem Engagement zu verdanken. So waren laut Mook auch andere Städte an dem Dickhäuter interessiert, konnten die notwendigen Schritte jedoch nicht zeitnah umsetzen. Als eine Anfrage beim Bremer Kulturressort einging, setzte sich dieses mit dem Vegesack Marketing in Verbindung. Dort schaffte man es, der Skulptur innerhalb kürzester Zeit einen Platz zu sichern. „Die Genehmigung kam gerade rechtzeitig am Morgen des Aufbaus“, berichtet Geschäftsführer Wolfgang Helms, der sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollte, den grauen Riesen nach Vegesack zu holen. „Es passt einfach: am Anfang der Gerhard-Rohlfs-Straße die Walskulptur, in der Mitte der Elefant. Damit vereinen wir zwei der größten Säugetiere unserer Erde, zu Wasser und zu Land, an einem Ort“.

Mit einer Decke unter dem Arm kommt Jantien Mook aus dem Stadtgarten wieder. Nach dem Marathon aus Abbau in Hamburg und darauf folgendem Aufbau in Vegesack hatte sie sich eine kurze Pause an der Weser gegönnt. Auch sie empfindet den Standort als Glücksgriff. „In Vegesack ist es wunderschön, und der Platz ist perfekt. Vorher stand der Elefant in einem sehr schicken Viertel zwischen hohen Häusern, davor in einem Park und in Brüssel auf einem großen Platz. Überall ist das Publikum anders und er entfaltet eine andere Wirkung“, so die Künstlerin.

Der Elefant soll jedoch nicht nur als optischer Anziehungspunkt wahrgenommen werden. Die Plattform, auf der er steht, lädt dazu ein, sich dort aufzuhalten. Sei es um eine Pause einzulegen oder selbst kreativ zu werden. So fanden im Schatten des Riesen anderenorts Lesungen statt, Straßenkünstler und Artisten präsentierten ihre Performances und viele nutzten ihn als außergewöhnliches Fotomotiv. „Ich möchte, dass die Menschen mit der Skulptur in Kontakt kommen und ihre eigene Wildnis entdecken“, erklärt Jantien Mook.

Kontakt kann bis Ende Juni aufgenommen werden. Danach zieht der Elefant weiter. Wer mehr erfahren möchte, findet weitere Informationen online unter www.odeaandewildernis.com.

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