Weserstrandbad in Bremerhaven

Die Insel mitten in der Stadt

Mitten in Bremerhaven gibt es seit mehr als 90 Jahren einen Ort, der zum Aufatmen, Entspannen und Sandburgen bauen einlädt: das Weserstrandbad. Warum der Ort eine völlig andere Welt eröffnet.
21.08.2018, 05:53
Lesedauer: 3 Min
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Von Helmut Stapel

Ab auf die Insel – mit diesem Spruch verbinden viele Menschen den Gedanken an Entspannung und Abschalten. Der Haken daran ist nur, dass die nächste Insel meistens ziemlich weit weg ist. In Bremerhaven allerdings ist das anders. Mitten in der Innenstadt gibt es hier seit mehr als 90 Jahren einen Ort, der zum Aufatmen, entspannen und Sandburgen bauen einlädt: das Weserstrandbad.

Es ist 9 Uhr morgens am Weserdeich in Bremerhaven. Die Stadt erwacht gerade zum täglichen Einkaufs- und Büroleben. Die Fußgängerzone mit ihren Geschäften ist nur ein paar hundert Meter entfernt. Im Alten Hafen ragen die Masten der „Seute Deern“ in den blauen Morgenhimmel und auf der nahen Columbusstraße läuft der morgendliche Berufsverkehr. Ein geschäftiger Wochentag beginnt.

Nur ein paar Schritte über den Deich hinüber aber liegt eine völlig andere Welt. Über das glatte Wasser der Weser kommt eine frische Morgenbrise. Es riecht nach Meer, ein paar Möwen fliegen kreischend vorbei, ein Segelschiff zieht die weißen Segel hoch und macht sich auf den Weg Richtung Nordsee. Das ist wie Urlaub. Fehlt nur noch der Strand zum perfekten Glück – und da ist er, direkt vor dem Deich mit Strandkörben, Düne und sogar einem roten Leuchtturm an der benachbarten Hafeneinfahrt zum Fischereihafen.

Helmut Ötting stapft gerade mit Sonnenbrille und Schirmmütze durch den feinen hellen Sand. „Ich habe den besten Job der Stadt“, lacht er. Ötting arbeitet im Weserstrandbad. Er kassiert den Eintritt, kümmert sich um die Gäste und und sorgt für ein makelloses Aussehen des Strandes. Dafür hat er sogar einen Traktor mit angebautem Rechen, denn die Strandlänge von mehreren hundert Metern lässt sich nicht mal eben so mit der Harke säubern und glatt ziehen.

Gut 20 Strandkörbe in Blau und Weiß stehen verteilt über die weite Sandfläche. Zwei davon sind extra für Menschen mit Behinderung gebaut und über einen festen Holzweg erreichbar. Auf der kleinen Düne wiegt sich der Strandhafer im leichten Morgenwind. Am Durchlass der alten Backsteinmauer erscheinen die ersten Gäste. „Wir haben hier tatsächlich auch viele Leute aus Bremen“, erzählt Rudolf Goebel, Leiter des Weserstrandbades. „Eine Dame aus Bremen-Nord fährt mehrmals die Woche mit dem Zug nach Bremerhaven , dann mit dem Bus vom Hauptbahnhof hierher und bleibt den ganzen Tag. Sie ist Stammgast.“

Bis zu 250 Gäste pro Tag sind bei gutem Wetter im Weserstrandbad. „Die Leute mögen es hier“, sagt Goebel. „Sie können sich am Wasser entspannen, die großen Frachter fahren direkt vor der Nase vorbei und zu essen gibt es oben auf der Holzterrasse auch noch was.“ Manche Leute aus der nahen Innenstadt würden zur Mittagspause herkommen, um mal kurz ihre Füße ins Wasser zu halten und am Strand spazieren zu gehen. „Schwimmen ist hier wegen der starken Strömung leider nicht erlaubt und zu gefährlich. Aber eine schöne Abkühlung ist der Gang durchs Weser-Wasser trotzdem. Mache ich selbst immer, so oft es geht“, zwinkert Goebel.

Besonders Familien würden das Strandbad und die Nähe zum Wasser genießen. „Die Sandburg mit Schippe und Wassermatsch hat immer noch Hochkonjunktur“, grinst Helmut Ötting. „Die buddeln teilweise so tiefe Löcher, dass ich morgens mit dem Trecker aufpassen muss, dass ich da nicht reinfahre.“ Der Wasserspielplatz mit Duschen und Spielgerät sorgt während des Strandtages dafür, dass der matschüberzogene Nachwuchs wieder sauber wird. Aber auch größere Strand-Fans haben das Weserstrandbad für sich entdeckt. Neben der Düne steht René Stuhrmann. Er ist Fitness-Trainer im Parkhaus-Vitalclub und baut gerade seinen Parcours mit Seilen, Bällen, Gewichten und Markierungen auf. „Wir machen hier mehrmals die Woche ein Zirkeltraining im Freien. Das ist ganz wunderbar“, erzählt er. „Wo hat man das sonst schon, dass man mitten in der Stadt am Strand mal eben locker eine Stunde Sport machen und dabei aufs Meer sehen kann?“

Auf der anderen Seite der Grasinsel richtet Lothar Oldenbüttel seine Liege in der Sonne aus. Der 76-jährige Bremerhavener ist täglich mehrere Stunden hier. „Ich kann hier in Ruhe lesen, einfach mal die Augen zu machen, in der Sonne dösen, das Wellenrauschen und die Möwen genießen. Das ist herrlich“, sagt der Stammgast. Für Kunden wie ihn hat das Weserstrandbad einen Extra-Service. „Wer eine Saisonkarte für 45 Euro kauft, der kann hier seine Liege kostenlos in einem Raum lagern. Dann brauchen die Leute ihre ganzen Sachen nicht immer hin und her zu schleppen“, sagt Rudolf Goebel. „Wir wollen ja, dass unsere Gäste sich wohl fühlen.“ Wenn das irgendwo geht, dann ganz bestimmt im Weserstrandbad in Bremerhaven – Möwen, Schiffe, Wellen und Leuchtturm inbegriffen.

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