Weltkindertag 2014: Rund 15 000 Mädchen und Jungen leben in Bremen-Nord Die Kinder der Region

Am Sonntag, 21. September, ist Weltkindertag. In mehr als 145 Staaten und rund 400 deutschen Städten und Gemeinden werden Kinder- und Familienfeste gefeiert, Ausstellungen gezeigt oder Diskussionen über Kinderfreundlichkeit in Kommunen geführt. Wie unterschiedlich Kinder in der Region leben, zeigen die Berichte über vier Familien.
19.09.2014, 00:00
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Die Kinder der Region
Von Patricia Brandt

Am Sonntag, 21. September, ist Weltkindertag. In mehr als 145 Staaten und rund 400 deutschen Städten und Gemeinden werden Kinder- und Familienfeste gefeiert, Ausstellungen gezeigt oder Diskussionen über Kinderfreundlichkeit in Kommunen geführt. Wie unterschiedlich Kinder in der Region leben, zeigen die Berichte über vier Familien.

Nach Angaben des Stadtamtes leben in Bremen-Nord 15 054 Kinder unter 18 Jahren. Davon sind 4597 Jungen und Mädchen noch keine sechs Jahre alt. Knapp 4800 Kinder in Bremen-Nord sind demnach zwischen sechs und elf Jahre alt. Bremen ist trauriger Spitzenreiter, was die Fälle von Kinderarmut betrifft. Bundesweit leben nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung 18,9 Prozent aller Kinder und Jugendlichen unter der Armutsschwelle, weil ihre Eltern über weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens verfügen.

„Die Armut ist in den Bremer Orts- und Stadtteilen sehr unterschiedlich entwickelt. Wir haben Stadtteile mit Vollbeschäftigung auf sehr hohem Einkommensniveau, und wir haben die klassisch benachteiligten Gebiete wie Gröpelingen, Lüssum, Grohn, Kattenturm, wo sich die Armut weiter verfestigt hat“, hat Kristina Vogt, Mitglied des Bremer Armutsausschusses, in einem Interview mit unserer Zeitung gesagt.

Der „Bremer Ortsteilatlas“ des Statistischen Landesamtes zeigt die Lebensumstände der Kinder in der Stadt noch deutlicher auf. Im Ortsteil Grohn ist demnach die Kinderarmut besonders hoch. Der Anteil der hilfebedürftigen Kinder (SGB-II-Empfänger) unter 15 Jahren liegt hier bei 49,80 Prozent. In Grohn und Burgdamm leben demnach auch besonders viele Kinder unter sechs Jahren. Die meisten Geschwisterkinder haben die Jungs und Mädchen aus Blumenthal. Die Mütter haben hier durchschnittlich 1,64 Kinder.

Menschen, die tagtäglich in den sozialen Brennpunkten des Bremer Nordens arbeiten, wissen, wie die Lebenswirklichkeit hier aussieht. Die Blumenthaler Quartiermanagerin Carola Schulz berichtet zum Beispiel, dass die Kinder vor allem montags hungrig in die Kindertagesstätten und Schulen kämen. „Und freitags wird noch mal ordentlich reingehauen.“

Kinderarmut bemängelt

Gibt es in den Stadtteilen mit gut situierten Haushalten eine hohe Abi-Quote (in Schönebeck liegt die bei 56,4 Prozent), treten Schulabschlüsse unterhalb des mittleren Niveaus vor allen in den ärmeren Quartieren auf. Grohn liegt da mit 57,1 Prozent ziemlich weit vorn, gefolgt von Burgdamm mit 43 Prozent. Der Schulerfolg eines Kindes hängt augenscheinlich noch immer wesentlich von der sozialen Herkunft und Vorbildung der Eltern ab. Bereits 2013 zeigte eine Studie der Bertelsmann Stiftung auf, dass die Schulen in allen 16 Bundesländern bei der Chancengerechtigkeit weiterhin großen Nachholbedarf haben.

Die Vereinten Nationen bemängelten an Deutschland insbesondere die hohe Zahl von Armut betroffener Kinder und die bruchstückhafte Koordinierung der Kinder- und Jugendpolitik, heißt es beim Deutschen Kinderhilfswerk, das die Projektverantwortung über das Weltkindertagsfest Berlin übernommen hat. 1954 haben die Vereinten Nationen das Kinderhilfswerk UNICEF erstmals mit der Ausrichtung eines Weltkindertages beauftragt. Inzwischen wird der Weltkindertag in mehr als 145 Ländern gefeiert. In Deutschland hat sich der Weltkindertag seit 1989 in vielen Städten und Gemeinden etabliert.

Anlässlich des Weltkindertages schildern wir in der NORDDEUTSCHEN in den kommenden Tagen die Geschichten von Kindern aus der Region. Wir beschreiben ihren Alltag und erzählen von ihren Wünschen und Sorgen.

Lesen Sie heute auf Seite 3 „Feste Regeln an der Wand“ über den Alltag eines neunjährigen Jungen, der in einer Tagesgruppe der Kinder- und Jugendhilfe untergebracht ist .

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