Am kommenden Montag beginnt die „Städtepartnerkonferenz: Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele auf kommunaler Ebene“. Ein Name, der viel verspricht – kann die Konferenz dem gerecht werden?
Ulrike Hiller : Aus den entwicklungspolitischen Leitlinien des Senats wurden Ziele entwickelt, für die sich Bremen und Bremerhaven in den kommenden Jahren engagieren sollen. Die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) sind eine gute Möglichkeit, die umfassenden Fragen zu unterstützen. Wir haben überlegt, dass es gut wäre, nicht allein zu schauen, was man zur Nachhaltigkeit oder zu anderen globalen Zielen beitragen kann, sondern gemeinsam mit Partnern zu arbeiten. So haben wir uns für eine Konferenz mit Partnerstädten von Bremerhaven und Bremen entschieden. Sie wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit gefördert.
Was versprechen Sie sich von der Konferenz?
Sie soll ein Auftakt sein. Wenn es gelingt und unsere Partnerstädte weiter interessiert sind, kann ich mir vorstellen, dass wir uns alle zwei bis drei Jahre treffen und uns weiter zu den SDGs austauschen. Die UN-Dekade geht ja über 15 Jahre und hat das Ziel, die Ungleichheit auf der Welt zu minimieren, den Hunger und die Armut zu bekämpfen, den Klimaschutz zu verstärken, aber sich auch für eine faire Wirtschaft, die Teilhabe aller Kinder an Bildung oder den Gesundheitsschutz einzusetzen. Also große Ziele, die einen langen Atem benötigen.
Warum werden dann nur vier von 17 SDGs thematisiert?
Es war klar, dass höchstens vier Ziele sinnvoll sind, wenn wir einen guten fachlichen Austausch wünschen. In Zusammenarbeit mit den Partnerstädten wurde geprüft, bei welchen Zielen die Partner sowie Bremen und Bremerhaven schon sehr weit sind. Aus diesem Dialog haben sich dann die ersten vier Ziele entwickelt: hochwertige Bildung, bezahlbare und saubere Energie, nachhaltige Städte und Gemeinden sowie nachhaltiger Konsum und Produktion.
Warum wurde die Westsahara eingeladen, obwohl mit ihr keine offizielle Partnerschaft besteht?
Wir wollten nicht nur klassische Städtepartner einladen, sondern auch befreundete Regionen. Wir haben die Westsahara eingeladen, um ein Zeichen zu setzen. In dem Gebiet herrschen große Probleme in Flüchtlingslagern, es steht in einem ungeklärten Konflikt mit Marokko. Und da es in Bremen ein hohes Engagement für die Region gibt, das sogar bis in die Bürgerschaft reicht, haben wir uns entschieden, dieses Signal zu setzen.
Ist Bremen in entwicklungspolitischen Fragen engagierter als andere Bundesländer?
Wir haben in Bremen eine lange Tradition, sich mit weltweiten Fragen zu beschäftigen und bis heute sehr viele engagierte Bürger. Es gab in Bremen immer politische Themen, die früh Engagement hervorgerufen haben – zum Beispiel der Völkermord im heutigen Namibia oder die Apartheid im früheren Südafrika. Wir verstehen Entwicklungspolitik als gemeinsame Verantwortung weltweit.
Was will Bremen mit der Konferenz erreichen?
Ich hoffe, dass wir mit unseren Partnerstädten wirklich etwas Nachhaltiges entwickeln und voneinander lernen können. In der Verwaltung, in Unternehmen oder in anderen Organisationen kann viel verändert und schneller kommuniziert werden. Wir leben global, und daher glaube ich, dass es wichtig ist, diese Dinge vor Ort anzugehen. Hilfreich sind dabei auch die Netzwerke, die wir in Bremen mit dem Biz (Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung) und dem BeN (Bremer entwicklungspolitisches Netzwerk) haben.
Welche innovativen Projekte gibt es hier?
Bremen ist das erste Land, das beim öffentlichen Einkauf von Waren auf fairen Handel Wert legt, und seit 2011 Hauptstadt des fairen Handels. Auch ein Projekt wie das Cambio Carsharing ist erwähnenswert, es wurde mehrfach ausgezeichnet. In Bremen und Bremerhaven gibt es vieles zu Nachhaltigkeit und globaler Verantwortung, wo wir weiter sind als andere.
Das Gespräch führte Jan-Felix Jasch.
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