Jacobs University Die Krise hat Pause

Grohn. 386 Absolventen der Jacobs University sind am Freitag mit der traditionellen Feier verabschiedet worden. Die prekäre wirtschaftliche Situation, in der sich die Privathochschule befindet, war dabei für kurze Zeit vergessen.
07.06.2014, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulf Buschmann

386 Absolventen der Jacobs University sind am Freitag mit der traditionellen Feier verabschiedet worden. Die prekäre wirtschaftliche Situation, in der sich die Privathochschule befindet, war dabei für kurze Zeit vergessen. Bachelors, Masters und Doktoren durften sich mit ihren Gästen über akademische Erfolge freuen.

Das Lächeln von Katja Windt wirkte ein bisschen gequält. Doch das dürfte wohl eher daran gelegen haben, dass es die erste Verabschiedung der Absolventen war, die die Präsidentin der Jacobs University Bremen anführte. 386 junge Leute der „Class of 2014“ feierten am Freitag vor rund 1200 Gästen ihren Abschluss, ihre Alma Mater und sich selbst.

Die Diskussionen der vergangenen Wochen über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten hatten gestern fast Pause. Windt und Festrednerin Angela Titzrath, Vorstandsmitglied der Deutschen Post AG, blickten lieber in die Zukunft. Die Präsidentin griff dabei die aktuelle Situation auf, um ihren Zuhörern klar zu machen, dass es für die Uni, die von ihren Studenten meistens liebevoll „Jacobs“ genannt wird, eine Zukunft gebe.

Was Windt in jüngster Zeit an anstehenden Veränderungen vorgestellt hatte, fasste sie in einem Zitat von Bertold Brecht zusammen. „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu“, hatte der große deutsche Literat einst gesagt. Für die Zukunft der Grohner Universität bedeute dies, dass sie eine international ausgerichtete Einrichtung sein werde. „Wir behalten unsere transdisziplinäre Ausrichtung in Forschung und Lehre. Wir wollen weiterhin ein Ort der Inspiration sein, der eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung fördert“, sagte Windt.

Damit traf sie allem Anschein nach den Nerv vieler Absolventen. „Wir sind zuversichtlich, dass ,Jacobs‘ überleben wird“, sagte zum Beispiel Akshun Ablimanju aus Indien. Der junge Mann studiert Biotechnologie und wechselt bald nach Los Angeles. Wie er dächten viele seiner Mitstudenten. Andere Absolventen der „Class of 2014“ bestätigten im Gespräch mit dieser Zeitung diese Sichtweise, wollten jedoch lieber anonym bleiben.

Ähnlich vorsichtig optimistisch sind die jungen Leute, die noch mitten im Studium stecken. „Ich denke, man wird eine Lösung finden“, befand eine junge Frau, während sie der Zeremonie im Convention Center folgte. Sie und eine Mitstudentin gehen davon aus, dass sie ihr Studium zu Ende bringen können. Viel unsicherer sind da wohl die Mitarbeiter der Jacobs University. „Keiner von uns weiß, was eigentlich wird. Viele schauen sich schon nach neuen Jobs um“, beschrieb einer die Stimmung in den vergangenen Tagen.

Hülsmann wird Managing Director

Festrednerin Titzrath widmete sich lieber der Zukunft der Absolventen. Sie ermutigte die jungen Leute, nicht nur Verantwortung zu übernehmen, sondern sich und ihr Tun immer wieder zu hinterfragen. Nur so könnten sie sich beruflich und persönlich weiterentwickeln. Jeder Mensch müsse sich immer wieder danach fragen, was seine Vision sei.

Der Grundstein dafür, so Titzrath, sei mit dem Studium und den überaus guten Bedingungen an der Jacobs-Uni gelegt. Damit hätten es die Studenten viel besser als sie selbst, denn als Titzrath 1991 an der Bocher Ruhr-Universität ihren Abschluss machte, sei die Ausrichtung des Studium längst nicht so global gewesen. Sie selbst habe sich ihre Neugierde bis heute bewahrt.

Am Vortag der Abschlussfeier stellte die Jacobs University mehrere wichtige personelle Weichen. Mit Michael Hülsmann wird Präsidentin Katja Windt ein sogenannter Managing Director an die Seite gestellt, der als Mitglied der Geschäftsführung künftig den gesamten nicht-akademischen Bereich verantwortet. Hülsmann (46) ist bereits seit 2009 in Grohn, bisher als Professor im Bereich internationale Logistik.

Auch die Namen von zwei der drei künftigen Dekane stehen fest. Psychologie-Professor Arvid Kappas (51) übernimmt die übergreifende Verantwortung für die Graduierten-Studiengänge und den neuen Forschungsschwerpunkt Diversität (Sozialwissenschaften). Werner Nau (46) zeichnet für den Bachelor-Bereich und den Forschungsschwerpunkt Gesundheit verantwortlich.

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