Facebook-Star von US-Einreiseverbot betroffen

„Die logische, traurige Konsequenz der vergangenen Monate“

Ein Stipendium führte Hashem Al-Ghaili vom Jemen nach Bremen. „Das US-Einreiseverbot betrifft mich und meine Zukunftsplanung ganz direkt“, sagt der Bremer Facebook-Star im Interview.
30.01.2017, 17:26
Lesedauer: 2 Min
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„Die logische, traurige Konsequenz der vergangenen Monate“
Von Nico Schnurr

Ein Stipendium führte Hashem Al-Ghaili vom Jemen nach Bremen. „Das US-Einreiseverbot betrifft mich und meine Zukunftsplanung ganz direkt“, sagt der Bremer Facebook-Star im Interview.

Herr Al-Ghaili, wie fiel Ihre erste Reaktion aus, als Sie von Donald Trumps Dekret hörten, das unter anderem auch Jemeniten die Einreise in die USA verbieten soll?

Hashem Al-Ghaili : Eines war ich ganz sicher nicht: überrascht. Es ist die logische, traurige Konsequenz der vergangenen Monate. Trump hat lange darüber geredet, und ich habe ihm von Beginn an abgekauft, dass er das ernst meint. Und natürlich war auch abzusehen, dass Jemen auf seiner Liste landen würde. Schließlich unterhält er keine wirtschaftlichen Beziehungen zum Land. Der Jemen ist ihm völlig egal. Schon vor dem Dekret ging die Chance, als Jemenit ein Visum für die USA zu bekommen, nahezu gegen null. Da musste man schon auf eine besondere Ausnahmegenehmigung hoffen. Deswegen war ich alles andere als überrascht.

Sie hatten also tatsächlich damit gerechnet?

Wenn ein künftiger US-Präsident etwas ankündigt, dann muss man das schon ernstnehmen. Was mich dann aber schon immer wieder überrascht, ist, wie selbstverständlich er es fertig bringt, Menschen über einen Kamm zu scheren. Trump stellt Millionen unschuldiger und unterschiedlichster Menschen unter Generalverdacht. Wenn es ihm wirklich um das Bekämpfen von Terrorismus ginge, würde er das nicht tun. Dann würde er versuchen, einen effektiveren Filter zu entwickeln, um Kriminelle an der Einreise zu hindern. Mit seiner Generalisierung sät er doch letztlich nur noch mehr Hass.

Wie geht es Ihnen damit? Schließlich leben Sie in Deutschland, haben einen jemenitischen Pass und arbeiten als Chefredakteur des arabischen Ablegers der New Yorker Technik-Website „futursim“.

Das ist schon ein Problem für mich, und klar fühle ich mich auch diskriminiert. Das Einreiseverbot betrifft mich und meine Zukunftsplanung ganz direkt. „futurism“ hat mir angeboten, künftig in New York statt in Bremen und Berlin zu arbeiten. Jetzt kann ich die Redaktion dort nicht einmal mehr besuchen. Schon im November hatte ich ein Visum beantragt. Ich habe nicht einmal eine Antwort bekommen. Immerhin muss ich darauf jetzt micht mehr warten.

Wie sehr ärgert Sie das?

Ach, es geht. Ich hänge zwar vielleicht etwas in der Luft und habe meinen Plan, nach New York zu ziehen, erst einmal gestrichen. Aber mal ehrlich: Das sind doch wirklich Luxusprobleme. Ich bin nicht auf die USA angewiesen. Ich kann von überall aus arbeiten und bin nicht an einen bestimmten Ort gebunden – ich habe Glück. Was mich aber ärgert, ist, dass jetzt sehr viele Familien voneinander getrennt werden. Einfach so. Das ist absurd.

Ihrer Facebook-Seite folgen mehr als sieben Millionen Menschen aus der ganzen Welt. Inwieweit haben Sie schon darüber gedacht, Ihre Reichweite für dieses Thema zu nutzen?

Auch wenn ich eine klare Haltung beim Auswählen und Aufbereiten meiner Inhalte habe, wollte ich es bislang immer vermeiden, Naturwissenschaft und Politik miteinander zu vermischen. Das könnte sich jetzt ändern. Ich überlege, ein kurzes Video zu machen und das Einreiseverbot zu kommentieren. Immerhin kommt ein Großteil meiner Fans aus den USA: Anderthalb Millionen US-Amerikanern gefällt meine Facebook-Seite. Ich denke mir momentan, dass ich das nutzen sollte, um ihnen zu sagen: Protestiert weiter, ihr gebt mir Hoffnung, ihr seid nicht allein!

Die Fragen stellte Nico Schnurr.

Zur Person

Hashem Al-Ghaili führte ein Biotechnik-Stipendium an der Jacobs Universität vom Jemen nach Bremen. Von hier vermittelte der 26-Jährige Wissenschaft für Millionen auf Facebook, ehe er im Januar nach Berlin zog.
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