Umschlagplatz für Gelbe Säcke Die Luft wird dicker in Hemelingen

Der Gestank gärender Abfälle könnte für Bewohner des Bremer Stadtteils Hemelingen bald zum Alltag gehören. Im Hemelinger Hafen sollen vom 1. Januar 2018 an gelbe Säcke umgeschlagen werden.
15.11.2017, 17:17
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Hasemann

Die Nase rümpfen – das machen die Hemelinger nicht nur sprichwörtlich, sondern auch tatsächlich, denn die Geruchsbelastung im Stadtteil ist hoch: Eine Kaffeerösterei, eine Entkoffeinierungsanlage und eine Asphaltmischanlage blasen ihre Gerüche in die Luft. Nun könnte noch der Gestank gärender Abfälle dazukommen: Im Hemelinger Hafen sollen vom 1. Januar 2018 an gelbe Säcke umgeschlagen werden.

Die Firma RMG Rohstoffmanagement aus Wiesbaden hatte die Ausschreibung zur Abfuhr der Bremer gelben Säcke gewonnen. Das hessische Unternehmen greift auf das Bremer Recycling-Unternehmen Hirsch als Kooperationspartner zurück. Auf dem Gelände der Firma Hirsch an der Hermann-Funk-Straße sollen künftig gelbe Säcke angeliefert und dann zur weiteren Sortierung abgeholt werden.

Das Einsammeln vor der Haustür übernimmt RMG mit eigenen Fahrzeugen. Den gepressten Müll holen später große Lkw, die sogenannten Walking Floors, in Hemelingen ab. Diese Abfuhr liegt in der Hand der Firma Bellandvision mit Sitz in Pegnitz. Endgültig sortiert wird der Bremer Verpackungsmüll derzeit in Braunschweig.

Umschlag von 3500 Tonnen im Jahr

Das Unternehmen Hirsch habe eine Änderung seines Grundstücks beim Umweltressort angezeigt, sagte Malte Wolpmann vom Referat Abfallwirtschaft beim Umweltsenator vor Vertretern von Fachausschüssen des Hemelinger Beirates. In fünf Boxen aus sogenannten Legio-Steinen – das sind überdimensionale Beton-Legosteine – solle der Müll gesammelt und abtransportiert werden.

Ein Gitter soll verhindern, dass der Müll wegfliegt, der ansonsten unter freiem Himmel lagern wird. Eine Auflage der Gewerbeaufsicht: „Das Ganze muss nach dem Prinzip First-In First-Out laufen, das heißt, dass der Müll, der als erstes geliefert wird, auch als erstes wieder abgefahren werden muss“, erklärte Malte Wolpmann.

Er sprach von insgesamt 16 Anlieferungen und Abholungen am Tag und einen Umschlag von 3500 Tonnen im Jahr. Das entspricht etwa 67 Tonnen in der Woche. Zum Vergleich: Das gesamtbremische Aufkommen an Gelben-Sack-Müll beträgt nach Angaben des bisherigen Entsorgers Nehlsen etwa 20.400 Tonnen, umgerechnet etwa zehn Millionen Säcke.

Bei Fragen ans Servicetelefon wenden

Neben der Hermann-Funk-Straße kommen nach Auskunft von RMG-Geschäftsführer Klaus Kögel weitere Grundstücke in der Ferdinand-Porsche-Straße beim Stahlwerk und in der Funkschneise in Hemelingen in Betracht. „Wir wollen gerne zwei bis drei Umschlagplätze, dadurch verkürzt sich die Fahrtstrecke der Fahrzeuge.“ Für die Bremer würde sich im Übrigen nichts ändern.

Bei Fragen könnten sich Bürger an ein Servicetelefon wenden, dessen Nummer noch bekannt gegeben werde und auch auf den gelben Säcken stehen wird. Die Säcke selbst können wie bisher an Verteilstationen, wie zum Beispiel den Recycling-Stationen, abgeholt werden. Allerdings: Einen Postversand der Wertmarken, wie es bisher der Fall ist, wird es künftig nicht mehr geben.

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Für den Umschlagplatz im Hemelinger Hafen gebe es bisher keine Bedenken der beteiligten Fachbehörden, sagte Malte Wolpmann. Ausschusssmitglied Gerhard Scherer (CDU) bemängelte: „Ich finde es schon sehr verwunderlich, dass sie das schon mit den anderen Behörden abgesprochen haben und der Beirat nicht beteiligt wurde.“ Nicht weit entfernt gebe es Wohnbebauung. „Und wenn im Hafen der Müll offen rumliegt, wird es stinken.“

Es handele sich nur um eine unwesentliche Änderung der Nutzung, so Malte Wolpmann. Deswegen laufe das Verfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz. „Und damit gibt es keine formelle Beteiligung des Beirates.“ Dem Geruch versuche man mit der geringen Lagerzeit entgegenzuwirken.

Ein mögliches "faules Ei"

Die Reaktionen im Beirat Hemelingen und bei den Anwohnern reichten von Ablehnung bis hin zu Wut. „Die Lärmbelastung ist hoch, die Geruchsbelastung ist hoch, und dann soll hier noch zusätzlich stinkender Müll gelagert werden“, fasste eine Anwohnerin ihren Frust zusammen. Von einem möglichen „faulen Ei“ sprach Beiratsmitglied Ralf Bohr (Grüne), das sich die Stadt ins Nest legen könnte.

„Wir wollen Wohnungsbau auf dem Könecke/Coca-Cola-Gelände, wenn dort der Gestank zu hoch ist, können wir das vergessen.“ Der Hintergrund: Die Geruchsbelastung auf einem Grundstück in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Betriebsgelände des Limo-Herstellers und der Wurstfabrik ist bereits jetzt so stark, dass eine Wohnbebauung dort nicht möglich ist. Der geplante Umschlagplatz für den Gelben-Sack-Müll ist nur knapp 600 Meter entfernt.

Zuletzt hatte Ronald Risch, Stadtplaner im Bauressort, vor dem Projektausschuss Stadtteilentwicklung Hemelingen ein Geruchsgutachten für das Könecke/Coca-Cola-Areal angekündigt. Er gab sich zuversichtlich, dass dort gebaut werden kann. Möglich, dass er über die Nachrichten aus Hemelingen ebenfalls die Nase rümpft.

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