Kommentar über die FDP

Die Marke „Steiner“ reicht nicht

Wenn die FDP künftig ihr inhaltliches Profil schärfen will, kann sie sich nicht allein auf die Marke „Steiner“ verlassen, meint Sabine Doll.
26.05.2019, 21:58
Lesedauer: 2 Min
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Die Marke „Steiner“ reicht nicht
Von Sabine Doll
Die Marke „Steiner“ reicht nicht

Hatte sich mehr erhofft: Lencke Steiner, Spitzenkandidatin der FDP.

Hauke-Christian Dittrich/dpa

Gerade noch mal gut gegangen, auch wenn es haarscharf ist. Die FDP hat die Fünf-Prozent-Hürde genommen und den erneuten Einzug in die Bürgerschaft schließlich noch geschafft. Alles gut also aus FDP-Sicht? Wohl kaum. In den Jubel dürfte sich bei Spitzenkandidatin Lencke Steiner und Parteichef Hauke Hilz vor allem auch extrem große Erleichterung gemischt haben. Denn die Liberalen hatten Größeres vor. Und: Sie wähnten sich auf der sicheren Seite, dass sie dies nach der Bürgerschaftswahl vor vier Jahren auch erreichen könnten – dank der Omnipräsenz ihrer Spitzenkandidatin. Funktioniert hat es nicht.

Zehn Prozent plus X – das war das Ziel, mit dem die Bremer FDP in den Wahlkampf gegangen ist. An diesem Ziel ist die Partei um ihre schillernde Fraktionschefin aber gescheitert. Auch dies ist ein Ergebnis, das die FDP nach dem Jubel über den Wiedereinzug ins Parlament sicher gründlich beleuchten dürfte. Mit knapp über fünf Prozent der Stimmen sind die Liberalen sind die Liberalen vom erneuten Abrutschen in die politische Bedeutungslosigkeit verschont geblieben.

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Zu einem gewissen Teil ist es sicher die Zuspitzung des Wahlkampfs auf SPD und CDU und deren Spitzenkandidaten Carsten Sieling und Carsten Meyer-Heder, die die Liberalen Stimmen gekostet hat. Bei solchen Konstellationen und Richtungswahlen müssen die kleineren Parteien in der Regel immer Federn lassen. Mit dieser Bewertung haben Parteichef Hauke Hilz und die Spitzenkandidatin zwar Recht. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit.

Die FDP hat sich in ihrer Politik und im Wahlkampf zu sehr auf den Lencke-Steiner-Effekt verlassen. Vor vier Jahren hat das funktioniert, die junge Unternehmerin mit ihrem frischen Auftreten hat den Neuanfang der FDP geradezu personifiziert. Das allein trägt aber nicht über eine lange Strecke. Eine solche Personifizierung und ein nahezu hundertprozentiger Zuschnitt bergen immer die Gefahr, dass aus Sicht der Wähler die Inhalte dahinter verschwinden. Die Marke „Steiner“ allein wird nicht reichen. Um das inhaltliche Profil der Partei zu schärfen und sichtbarer zu machen, so sie denn eines präsentiert, müsste die Spitzenkandidatin in Zukunft einen Schritt weiter zur Seite treten.

Wir haben für Sie die Diskussion zur Bürgerschaftswahl 2019 unterhalb des Liveblogs gebündelt. Dort können Sie gerne kommentieren. Wir freuen uns über Ihren Beitrag unter www.weser-kurier.de/bremenwahl-liveblog

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