Helenenstraße Die Mauer soll weg

Innensenator Mäurer will den Sichtschutz an der Helenenstraße im Viertel abreißen lassen. Dieser Plan sorgt für Diskussionen.
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Die Mauer soll weg
Von Jan Oppel

Der Vorstoß von Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD), die Sichtschutzwände an der Helenenstraße im Viertel abzureißen, hat am Dienstag für Diskussionen gesorgt. Während die Baubehörde Mäurers Plan für den Eingang der Rotlichtmeile befürwortet, spricht sich Nitribitt, die Beratungsstelle für Sex-Arbeiterinnen, für einen Erhalt des Sichtschutzes aus.

Zum Hintergrund: Seit Oktober vergangenen Jahres ist die Zahl der Straftaten im Bereich Steintor/Ostertor um sechs Prozent gestiegen. Der Drogenhandel floriert, bei den Gewaltdelikten registriert die Polizei sogar eine Steigerung um 17 Prozent. Für Aufsehen sorgte auch die Auseinandersetzung am Ziegenmarkt, bei der vor knapp zwei Wochen ein junger Mann getötet wurde.

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In der Debatte über die Sicherheit im Viertel hatte Innensenator Mäurer am Montag gegenüber dem WESER-KURIER erklärt: „Die Mauer an der Helenenstraße muss weg.“ Um Rückzugsräume für potenzielle Straftäter zu reduzieren, prüfe die Innenbehörde zurzeit verschiedene Maßnahmen. Auch die Einrichtung einer Waffenverbotszone sei im Gespräch.

In der Baubehörde begrüßt man die Pläne, die Wände an der Helenenstraße einzureißen. „Wir haben großes Interesse daran“, sagt Sprecher Jens Tittmann. Immer wieder habe es Beschwerden von Anwohnern gegeben, weil die Rückseite des Sichtschutzes als illegales Mülllager und Toilette genutzt werde.

Ganzheitliches Konzept notwendig

Dieses Problem wird seit Längerem auch im Beirat Mitte/Östliche Vorstadt diskutiert. „Mit dieser Müllecke ist keiner zufrieden“, sagt Beiratssprecher Steffen Eilers (Grüne). Natürlich bestehe Handlungsbedarf – für das Areal brauche es aber keinen Schnellschuss, sondern vielmehr ein ganzheitliches Konzept. „Wenn die Straße geöffnet werden soll, muss man das zuallererst mit den Anwohnern und den Frauen besprechen, die dort arbeiten“, findet Eilers. In der Vergangenheit sei es den Sexarbeiterinnen immer wichtig gewesen, ihrem Job nicht für alle sichtbar wie auf dem Präsentierteller nachgehen zu müssen.

An dieser Einstellung habe sich bei den Frauen bis heute grundsätzlich nichts geändert, sagt M. Süsens von der Bremer Beratungsstelle Nitribitt: „Ohne den Sichtschutz werden die Frauen angegafft wie im Zoo und können sich auf der Straße nicht mehr frei bewegen.“ Gleichwohl habe sich die Sicherheitslage in der Helenenstraße in der letzten Zeit deutlich verschlechtert. „Manche Frauen fühlen sich nicht dort mehr so sicher wie noch vor ein, zwei Jahren“, sagt Süsens. Drogendealer würden hinter dem Sichtschutz ihre Ware anbieten und den Bereich als Rückzugsort nutzen. „Das stört die Frauen und ist nicht gut fürs Geschäft, weil auch die Freier wegbleiben“, so die Nitribitt-Mitarbeiterin. Die Lösung des Problems sei aber nicht der Abriss der Sichtschutzwände, sondern vielmehr eine verstärkte Präsenz der Polizei.

„Die Helenenstraße muss ein geschützter Bereich bleiben“

Wilhelm Hinners, innenpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, sieht die Sache ähnlich. „Die Helenenstraße muss ein geschützter Bereich bleiben“, fordert er. „Das Geschäft der Frauen hängt maßgeblich von der Anonymität ab, die eben dieser Sichtschutz gewährleistet.“

Als ehemaliger Polizist hat Hinners früher im Steintor und Ostertor selbst seinen Dienst geschoben. „Die Helenenstraße ist kein Kriminalitätsschwerpunkt – gleichwohl hat das Viertel ein Sicherheitsproblem“, sagt der CDU-Politiker. Die Überlegung, im Steintor und Ostertor eine Waffenverbotszone einzurichten, hält Hinners daher für sinnvoll. Waffenverbotszonen gibt es bereits rund um den Hauptbahnhof. Wer etwa an der Diskomeile am Breitenweg mit einem Messer, einem Schlagstock oder gar einer Pistole unterwegs ist, muss mit einer Geldstrafe von bis zu 5000 Euro rechnen.

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Um die Sicherheitslage im Viertel aber langfristig zu verbessern, müsse Innensenator Mäurer den Druck auf die Drogenszene im Viertel erhöhen und die verstärkte Präsenz der Polizei im Viertel dauerhaft gewährleisten. „Das ist aber nur mit mehr Personal möglich“, sagt Hinners. Die Zielzahl von 2600 Vollzeitstellen, die der Innensenator für das Jahr 2020 ausgegeben hat, reiche für dieses Vorhaben nicht ansatzweise aus. Schon jetzt würden die Polizisten in Bremen nur von einem Brennpunkt zum nächsten verschoben, ohne dass eine dauerhafte Verbesserung zu beobachten sei, beklagt der Innenexperte.

In der Diskussion um den Sichtschutz vor Bremens Rotlichtmeile will sich Susanne Gieffers von der Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF) bei der Frage nach einem Abriss nicht festlegen: „Aus frauenpolitischer Sicht geht es uns bei der Sache in erster Linie darum, dass die Sexarbeiterinnen sicher sind – mit oder ohne Mauer.“

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