Mentorenprojekt

Die Moglis lieben ihre Balus

Wie im Dschungelbuch: Ein Mentorenprojekt der Freiwilligen Agentur Bremen bringt junge Erwachsene und Kinder zusammen. 40 Mal im Jahr treffen sich die Balus mit ihren jeweiligen Moglis.
07.05.2018, 20:36
Lesedauer: 3 Min
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Die Moglis lieben ihre Balus
Von Mathias Sonnenberg
Die Moglis lieben ihre Balus

Zwei gutgelaunte Balus: Jasmin Parra aus den USA und Malte Blümel.

Reinhard Wirtz

Es passt alles wunderbar zusammen: Die Freiwilligen Agentur Bremen (FAB), seit mehr als 20 Jahren getragen vom bürgerschaftlichen Engagement Ehrenamt (Amtsjargon). Das FAB-Mentorenprojekt „Balu und Du“, in dem sich ebenfalls Freiwillige ehrenamtlich engagieren. Und der Leitsatz der Wilhelm Kaisen Bürgerhilfe (WKB), der bekanntlich lautet: „Bremer helfen Bremern“.

„Balu und Du“ ist ein Projekt der FAB (Der Paritätische Bremen), das sich an Kinder aus Familien wendet, „in denen bürgerschaftliches Engagement nicht zum Normalfall gehört“, sagt FAB-Geschäftsführerin Birgitt Pfeiffer. Menschen, die sich freiwillig engagieren, haben das häufig von ihren Eltern abgeschaut, weiß Pfeiffer aus Erfahrung.

Wie funktioniert das mit den Balus? Sie sind junge Erwachsene zwischen 17 und 30 Jahren, benannt nach dem sympathischen, relaxten Bären aus dem bekannten Film „Das Dschungelbuch“. Er zeigt seinem jungen Schützling Mogli, wie es in der Welt da draußen zugeht, und wie man sich schlau und wendig in ihr bewegt, ohne bleibenden Schaden zu nehmen.

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Die Moglis sind im FAB-Projekt demnach Grundschulkinder zwischen sechs und zehn Jahren. Moglis und Balus finden zueinander durch eine koordinierte Vermittlung und Kooperation zwischen der FAB, den Schulen und natürlich den Eltern der Kinder. 40 Mal im Jahr treffen sich die Balus mit ihren jeweiligen Moglis, jeweils einmal pro Woche für zwei bis drei Stunden.

Wie im Film geht es dabei hinaus: Fußball spielen, Tiere im Park beobachten, ins Museum gehen, auf dem Spielplatz herumtollen, eine Jugendfreizeitstätte besuchen. Wichtigster Grundsatz dabei: Es soll Spaß machen! Bürgerschaftspräsident und WKB-Vorstandsvorsitzender Christian Weber und seine Kuratoriumsmitglieder Monika Mehrtens (Center Managerin Weserpark) und Eva Hockemeyer (Hockemeyer-Stiftung) stellten etliche Fragen bei ihrem Besuch vor Ort in der FAB.

Von Eifersucht bis Freude

Wie sorgfältig und sensibel der Umgang miteinander ist, wird an den Erläuterungen deutlich, die Projektleiterin und Supervisorin Claudia Fantz gibt. Es gehe hier keineswegs „um Nacherziehung oder Nach-Beelterung“, berichtet Fantz, sondern darum, dass Balus und Moglis Freude miteinander haben, sodass sich eine Freundschaft entwickeln könne.

Balus werden angehalten, ihr eigenes Verhalten immer wieder selbst zu reflektieren, auch in den regelmäßig zu führenden Tagebüchern, die eine inzwischen 20-köpfige Steuerungsgruppe regelmäßig auswertet. „Was“, erkundigt sich Christian Weber, „sagen die Eltern zu diesem Angebot?“ „Die Reaktionen sind so vielfältig wie das Leben“, hat Projektleiterin Claudia Fantz beobachtet.

Manche seien eifersüchtig, sollte sich ein Balu mit dem Kind scheinbar besser verstehen als sie selbst. Manche aber empfänden auch Freude darüber, dass motivierte junge Menschen von außen ihrem Sprößling neue Angebote zugänglich machten, die sie selbst – aus welchen Gründen auch immer – nicht verfügbar machen könnten.

Eine wichtige Frage

Freiwilligkeit und ehrenamtliche Aktivitäten – das kann Verbindungen herstellen, schlicht gute Laune unter den Beteiligten schaffen. Die positive Grundstimmung im Projekt schwingt mit bei diesem WKB-Projektbesuch. Schließlich sind auch alle WKB-Kuratoriumsmitglieder ehrenamtlich tätig. Wie die beiden Balus Malte Blümel und Jasmin Parra in der Runde. „Ich musste feststellen, ich habe auch Menschen in meiner frühen Jugend gehabt, die mich unterstützten und die an mich glaubten“, erinnert sich Malte, Politikstudent aus Ostfriesland. Aber leider nicht in seiner schwierigen Grundschulzeit.

Gerne hätte er damals jemanden um sich gehabt, mit dem er sich vertrauensvoll hätte austauschen können. Ähnlich, wie es zwischen ihm und seinem achtjährigen Mogli neulich geschehen sei, als dieser sich nach einigem Herumgedruckse traute, eine wichtige Frage zu stellen: „ Ich muss mal mit Dir reden. Ich habe jetzt eine Freundin...“ Damit, vermutet Malte, hätte Mogli seine Mutter vielleicht eher nicht konfrontiert.

Weitere Informationen

Die Freiwilligen-Agentur Bremen ist telefonisch unter der Rufnummer 0421/34 20 80 zu erreichen. Der Beratungsstand in der Zentralbibliothek Am Wall 201 ist von Montag bis Freitag von 16 bis 18 Uhr und sonnabends von 11 bis 13 Uhr besetzt.

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