Astrophysiker Ulrich von Kusserow erläutert Zusammenhänge von Sonne, Weltraumwetter und Erdklima Die nächste Eiszeit kommt bestimmt

Altstadt. Dunkle Energien, schwarze Löcher: „Was anderen Astrophysikern so Spaß macht“, interessiert Ulrich von Kusserow weniger. Er fokussiert lieber auf die Sonne.
28.08.2017, 00:00
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Von Christine Gräfing

Altstadt. Dunkle Energien, schwarze Löcher: „Was anderen Astrophysikern so Spaß macht“, interessiert Ulrich von Kusserow weniger. Er fokussiert lieber auf die Sonne. Über ihren direkten und indirekten Einfluss auf die Erde hat er bei „Wissen um 11“ im Haus der Wissenschaft gesprochen.

Ulrich von Kusserow ist Astrophysiker und hat mehr als zehn Jahre als Gymnasiallehrer für Mathematik und Physik gearbeitet. Er ist Mitglied in der Astronomischen Gesellschaft und war viele Jahre lang Vorsitzender der Bremer Olbers-Gesellschaft.

Ihm geht es besonders um didaktische Gesichtspunkte der modernen Astronomie, mit Themen wie Sternentstehung, kosmische Magnetfelder, solare Prozesse, Klima- und Umweltproblematik. In seinem animations- und grafikreichen Vortrag hat er Zusammenhänge von verschiedenen Sonnenphänomen, Weltraumwetter und Erdklima aufgezeigt.

Die Erde ist seit jeher über längere Zeiträume verschiedensten zyklischen Einwirkungen unterworfen. Beispiele hierfür sind die Sonne, Planetenbewegungen und weitere kosmische Einflüsse. Der Mensch ist in kürzester Zeit hinzugekommen, als gravierender Einflussfaktor auf den Zustand der Erde.

Eindrucksvolle Bilder

Die Sonne ist allgemein der moderate Motor des Erdklimas und versorgt die Erde mit Energie. Mit eindrucksvollen Bildern zeigt Ulrich von Kusserow, dass auch die Aktivitäten der sogenannten „magnetischen Sonne“ das langfristige Wetter auf der Erde und auch das Weltraumwetter mitbestimmen. Dabei meint der Begriff Wetter auf der Erde den „spürbaren kurzfristigen Zustand der Atmosphäre an einem bestimmten Ort der Erdoberfläche, der unter anderem als Sonnenschein, Regen, Hitze oder Kälte in Erscheinung tritt“.

Von Klima spricht man für die Gesamtheit aller meteorologischen Vorgänge, die für die regelmäßig wiederkehrenden Zustände der Erdoberfläche an einem Ort über einen Zeitraum von 30 Jahren verantwortlich sind. Das Erdklima macht sich zum Beispiel bemerkbar durch Niederschläge, Wind, Wolken, Stürme und Tornados.

Analog zum Erdwetter gibt es auch ein Weltraumwetter, gekennzeichnet unter anderem durch Teilchenströme, Sonnenwinde oder magnetische Stürme. Von Kusserow zeigt, was auf der Sonne passiert. Im Weißlicht erscheint die Sonne gelb, aber in extremem UV-Licht kann man die wirbelnde Aktivität der „magnetischen Sonne“ darstellen. Die von Sonnenmagnetfeldern getriebenen physikalischen Prozesse nehmen in verschiedenen Zeitintervallen Einfluss auf komplexe Vorgänge im Umfeld der Sonne, der sogenannten Heliosphäre. Starke Energiemengen, Auswurf von Materie aus der Sonnenkorona und abströmende, magnetisierte Sonnenwinde beeinflussen so auch das Wetter im Weltraum und auch auf der Erde.

Folgen können beispielsweise Ozonschichtveränderungen oder eine gestörte Kommunikation in der Raumfahrt und von GPS sein. Gelangen Materie-Teilchen und Strahlungsströme in das Umfeld der Erde, dann beeinflussen sie unter anderem die irdische Magnetsphäre und die Erdatmosphäre. Werden energiegeladene Teilchen in der Erdatmosphäre zum Leuchten angeregt, entstehen beispielsweise „Polarlichter“.

Plädoyer für regenerative Energie

Ebenso gibt es periodisch wiederkehrende Ereignisse wie die auch von Magnetfeldern getriebenen Sonnenflecken. Hierbei handelt es sich um kühlere Stellen auf der Sonnenoberfläche, die eine geringere Intensität der Sonnenstrahlung bewirken. Eine Häufung von Sonnenflecken gab es beispielsweise während der sogenannten „kleinen Eiszeit“ im 17. Jahrhundert. Diese noch weiter zu erforschenden Einflüsse der magnetischen Sonne auf das Erdklima sind nach von Kusserow eher indirekt und vergleichsweise moderat.

Viel gravierender ist aber der Einfluss des Menschen auf das Erdklima. So sind durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe, Monokulturen, Industrialisierung, Vermüllung und Überbevölkerung schon nach vergleichsweise kurzer Zeit der Treibhauseffekt und die Zerstörung der Biosphäre als charakteristische Einflüsse zu benennen.

Folglich plädiert der Astrophysiker unter anderem für die Nutzung der zwar teuren, aber regenerativen Solarenergie. Sein Resümee lautet: „Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum sowie Umwelt- und Klimaschutz schließen sich wechselseitig aus.“ Eine Klimaprognose gibt von Kusserow zum Schluss auch noch ab. „Dieser Raum“, sagt er und meint den Olbers-Saal im Haus der Wissenschaft, werde zukünftig von Eis überzogen sein. Zur Beruhigung: Dies geschehe erst in etwa 10 000 bis 20 000 Jahren.

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