Interview mit Experten

„Die Parkhäuser sind im Schnitt niemals voll“

"Im Grunde genommen gibt es keinen Parkplatzmangel", sagt Gerhard Trost-Heutmekers vom Bundesverband Parken über die Situation in Parkhäusern - und wirft einen Blick in die Zukunft des Parkens.
27.10.2017, 17:21
Lesedauer: 2 Min
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„Die Parkhäuser sind im Schnitt niemals voll“
Von Lisa Boekhoff
„Die Parkhäuser sind im Schnitt niemals voll“

Mit dem geplanten Abriss des Parkhauses Mitte fallen in Bremen über 1000 Parkplätze weg - doch die Parkhäuser sind ohnehin nie voll ausgelastet, sagt Gerhard Trost-Heutmekers vom Bundesverband Parken e.V.

imago

In seinem Song „Mambo“ besingt Herbert Grönemeyer die große Not der Autofahrer: „Ich finde keinen Parkplatz. Ich komm' zu spät zu dir, mein Schatz.“ Sie sagen, dieses Jammern hat keine Grundlage.

Gerhard Trost-Heutmekers: Die Frage ist immer: Wo und warum suche ich einen Parkplatz? In den Parkhäusern und auf den Parkplätzen sind immer genügend Kapazitäten vorhanden. Nur in den seltensten Fällen im Jahr, an den Weihnachtssonnabenden, sind sie vollkommen ausgelastet. Sonst findet man immer einen Parkplatz. Es gibt nur wenige Ausnahmen, da sind die Häuser tatsächlich voll. Wer in der Stadt lange sucht, der sucht nach einem kostenfreien Parkplatz.

Die allermeiste Zeit gibt es also genug Angebot in den Parkhäusern?

Ja. Im Schnitt sind die Häuser niemals voll. Und selbst, wenn eines voll ist, muss man eben 200 Meter weiterfahren und findet dort einen Parkplatz. Im Grunde genommen gibt es keinen Parkplatzmangel.

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Eigentlich wünscht sich doch jeder Unternehmer so viel Nachfrage wie möglich. Ist es für die Parkhäuser dagegen sogar wichtig, dass sie einen Puffer haben, damit die Kunden nicht frustriert sind?

In wirtschaftlicher Hinsicht reibt sich jeder die Hände, wenn er seine Produkte verkauft. Das gilt auch für Parkhäuser. Wenn es brummt, ist der Unternehmer zufrieden. Es steckt keine Absicht hinter der Auslastung, das erfüllt keinen bestimmten Zweck. Es ist halt so. Die Kapazitäten sind vorhanden.

Ist es nicht ein wenig irrsinnig, dass die Parkhäuser nur an wenigen Tagen im Jahr ausgelastet sind, während die Menschen in der Stadt keinen Wohnraum finden?

Sie stehen ja nicht leer. Im Durchschnitt sind sie zu 60 bis 70 oder 80 Prozent ausgelastet. Außerdem muss der Raum vorhanden sein. Wenn Sie nur einen Tag alle Parkhäuser und Parkplätze zumachen – das Chaos möchte ich nicht erleben. Die Parkhäuser erfüllen einen Zweck, den fließenden Individualverkehr aufzunehmen und von der Straße zu nehmen. Die Autos müssen geparkt werden.

Gerhard Trost-Heutmekers ist Geschäftsführer des Bundesverbands Parken.

Gerhard Trost-Heutmekers ist Geschäftsführer des Bundesverbands Parken.

Foto: Bundesverband Parken e.V.

Es entstehen neue Formen der Mobilität. Was heißt das für das Parkhaus der Zukunft?

Das ist ein sehr schwieriges Thema, weil keiner in die Zukunft blicken kann. Wir sprechen mittlerweile aber schon über sogenannte Mobilitätshäuser. Das ist ein Haus, das der Aufnahme verschiedener Verkehrsmittel dient. Dies können Autos, Zweiräder, Motorräder oder Segways sein. Zugleich kann es ein Sammelplatz für Carsharing sein. Diese Dinge werden in der Zukunft wichtiger werden. Es ist also nicht so, dass dieser Raum überflüssig ist. Er kann auch für alternative Verkehrsmittel genutzt werden.

Gibt es in den Innenstädten oft Interessenkonflikte: Verkaufs- und Wohnfläche versus Parkhaus?

Das ist mir nicht bekannt. Wenn ein Parkhaus im Zentrum tatsächlich zu wenig genutzt wird und ein Schandfleck geworden ist, sollte man überlegen, es zu entfernen. In vielen Städten sind die Parkhäuser um die Innenstadt gebaut.

Wie hat sich die Nachfrage nach Parkraum entwickelt?

Wir fragen unsere Mitglieder, wie hoch die Zahl der Einstellungen ist. Im Schnitt sprechen sie von einer Stabilität. Das ist schon mal eine positive Aussage. Es muss nicht immer Wachstum sein.

Das Gespräch führte Lisa Boekhoff.

Zur Person:

Gerhard Trost-Heutmekers ist Geschäftsführer des Bundesverbands Parken mit Sitz in Köln. Der 66-Jährige ist Jurist. Den Mitgliedern des Verbands gehören rund 3000 Parkhäuser.

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