Millionenprojekt in der Bremer Überseestadt Die Pläne für den Europahafen stehen

Bremen. Nachdem in der vergangenen Woche ein Architektenwettbewerb für die letzten Brachen am Europahafen zu Ende gegangen war, ist jetzt entschieden, wie es mit dem Projekt "Hafenkante" weitergehen soll.
16.04.2011, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Bernd Schneider

Bremen. Bauboom in der Überseestadt, wohnen direkt am Flussufer und an den Kaimauern - ein Projekt, das lange undenkbar schien, schreitet voran. Nachdem in der vergangenen Woche ein Architektenwettbewerb für die letzten Brachen am Europahafen zu Ende ging, ist jetzt entschieden, wie es mit dem Projekt "Hafenkante" weitergehen soll, das ein Gebiet zwischen Landmark-Tower und dem alten AG "Weser"-Wendebecken umfasst.

Zwölf Hektar insgesamt stehen in diesem Bereich zur Bebauung, die erste Hälfte ist jetzt angekauft von der Entwicklungsgesellschaft "Hafenkante". Was nun entsteht, ist das erste von zwölf geplanten Einzelprojekten, erläutert Gewoba-Vorstand Manfred Sydow. Gebaut wird zunächst direkt am Wasser: vorn die Weserpromenade, hinten eine Straße, die "Kommodore-Johnson-Boulevard" heißen soll. Im ersten Schritt werden hier zunächst fünf Wohnhäuser entstehen, eines davon mit Gewerbe-Anteilen. 8000 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche, verteilt auf 80 bis 100 Wohnungen sind dort derzeit geplant, und 100 Stellplätze in der Tiefgarage werden entstehen. Zwei weitere Projekte dieser Größenordnung sollen noch 2011 folgen.

"Energetisch bewusst", sagt Sydow, werde gebaut, barrierefrei und ohne "Monostrukturen" - also mit unterschiedlich großen Wohnungen mit einem bis vier Zimmern, verteilt auf 60 bis 120 Quadratmeter. Die Mieten hängen von den Baukosten ab: "Wir wollen möglichst nah an zehn Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter heran", sagt Marco Hahn, Leiter der Immobilienwirtschaft bei der Gewoba. Dieser Betrag werde kaum zu unterschreiten sein. "Aber über 15 Euro sollen es auch nicht werden." Schließlich sollen die Gebäude in der besonderen Lage auch eine besondere Qualität haben.

Zehn Architekturbüros hatten sich dem Wettbewerb um den Auftrag gestellt, als Sieger ging das Kopenhagener Büro Lorenzen APS hervor, Platz zwei vergab die Jury an "fink+Jocher" aus München. "Mit zwei bis drei Architekten werden wir weiter planen", sagte Martin Paßlack, Leite Planung, Technik, Bau bei der Gewoba. Nummer drei im Bunde sollte dann ein Bremer sein, womöglich Haslob, Kruse und Partner. Sie haben für ihren Entwurf zwar keinen Preis bekommen, sind aber in die sehr enge Wahl gerückt. Zumal es das Städtebauliche war, das an dem Entwurf nicht gefiel, architektonisch habe der Entwurf durchaus überzeugt, hieß es bei der Gewoba. Auch nicht ganz unbedeutend in diesem Zusammenhang war die Bemerkung von Senatsbaudirektor Franz-Josef Höing: "Wir wollen hier auch unterschiedliche architektonische Handschriften."

In den kommenden Monaten werden die Entwürfe modifiziert, etwas mehr Wohnungen und eine Solaranlage sollen in die Planungen mit aufgenommen werden. Rund 18 Millionen Euro wird der erste Bauabschnitt mit den fünf Wohngebäuden kosten. Bezugsfertig werden die ersten im Jahr 2013, sagte Paßlack weiter. Die Bauanträge will die Gewoba im Herbst stellen, mit einer Genehmigung rechnet sie noch in diesem Jahr. Danach können Bagger und Raupen anrollen, die ersten Erdarbeiten würden dann noch vor dem Jahreswechsel beginnen. Martin Paßlack erwartet, dass die drei Wassergrundstücke als erste und "relativ zügig" bebaut werden. Die beiden Gebäude in der rückwärtigen Lage an der Straße sollen dann nachfolgen.

"Bauen für wen? Darüber hat sich die Hafenkante viele Gedanken gemacht", sagt Senatsbaudirektor Höing, der vor allem die Aspekte der Stadtplanung im Blick hat. Ein "möglichst unterschiedliches Wohnungsangebot" hat er sich im Interesse der Stadt gewünscht. Je näher die Bebauung an die Innenstadt rück, desto städtischer solle sie auch wirken - mehr Stein, dichtere Bebauung. Je weiter sie abgewandt sei von der City, desto luftiger und grüner, naturnäher solle sie erscheinen. Auch die Höhe der Gebäude hat Höing im Blick, "damit die Lage an den Boulevards noch im Kontext steht zu den besseren Lagen am Wasser".

Der preisgekrönte Entwurf besteche durch einen "sehr schönen Innenhof", so Höing und "üppige Gärten für diese Lage". Jedes Haus habe zudem einen Bezug zur Weser. In ihrer Geschosshöhe seien die Gebäude sehr schön gegliedert, es ergebe sich "ein sehr differenziertes Spiel der Höhen", das auch von den hinteren Lagen vielfach noch den Blick aufs Wasser freigebe. Höing lobte daneben den "geschickten Umgang mit Treppenhäusern", die Lage der Bäder und einen Entwurf, der "an jeder Stelle einen guten Grundriss biete. "Das ist einfach guter Wohnungsbau."

Auch die Anbindung des Quartiers Hafenkante an den öffentlichen Nahverkehr sei schon geplant. Zunächst soll ein Bus fahren, sagt Martin Paßlack, das sei mit der Bremer Straßenbahn AG "schon besprochen". Der Boulevard sei zudem breit genug geplant, dass dort eines Tages auch Straßenbahnschienen verlegt werden können. Höing wünscht sich, dass Busse und Bahnen "zeitnah" fahren: "Wir finden es wichtig, so ein bedeutendes Stadtentwicklungsprojekt mit dem öffentlichen Nahverkehr zu erschließen." Denn einerseits sei die Lage "Mitten in der Stadt", anderseits aber "gefühlt weit weg".

Wohnungen am Wasser, Dienstleistungsunternehmen in den etwas rückwärtigeren Lagen - so stellt sich die Entwicklungsgesellschaft Hafenkante die Bebauung des Gebietes derzeit vor. "Es soll ein Stück Stadt sein", sagt Höing, "dazu gehört mehr als nur wohnen. Die Mischung ist für den Standort ein wichtiges Thema."

Die "Hafenkante" plant derzeit mit einem Gesamt-Kostenvolumen von über 100 Millionen Euro. Neben der Gewoba gehören weitere Träger dazu: Die Sparkasse, Hochtief, Brebau, Zech Immobilien und der Hamburger Projektentwickler DS-Baukonzept. Nach dem Auftakt der Gewoba will später DS-Baukonzept zusammen mit Zech und der Sparkasse (die mit dem Bauatelier-Nord zusammenarbeitet) in diesem 12-Hektar-Gebiet bauen.

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