Dedesdorfer Platz: Treffen mit künftigen Nutzern nach Ostern angedacht

Die Planung ist hoch komplex

Walle. Wann wird der Dedesdorfer Platz endlich wieder geöffnet? Das ist die Frage, die vielen Wallern auf den Nägeln brennt, seit Anfang Oktober die Dioxin-Sanierung des alten BSV-Platzes in Angriff genommen worden ist.
17.03.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anne Gerling

Wann wird der Dedesdorfer Platz endlich wieder geöffnet? Das ist die Frage, die vielen Wallern auf den Nägeln brennt, seit Anfang Oktober die Dioxin-Sanierung des alten BSV-Platzes in Angriff genommen worden ist.

Die Boule-Gruppe würde sich dort im Frühling liebend gerne wieder regelmäßig zum Freizeit-Kugelspiel treffen und auch die Kids vom Übergangswohnheim brennen darauf, dass auf der Fläche wieder gekickt werden kann. „Bei uns fragen viele Gruppen an, wann sie wieder auf den Platz können“, sagt Anne Schweisfurth von der Bürgerinitiative Waller Mitte.

Die Sanierungsarbeiten sind mittlerweile abgeschlossen, die Fläche bleibt zunächst aber weiter abgesperrt. Denn um Ostern herum soll der Kampfmittelräumdienst das Gelände untersuchen, bevor es dann als neuer Quartiersplatz hergerichtet wird.

Die Planungen dazu, wie der Platz dann genau aussehen soll, laufen auf Hochtouren. Bis Mitte April haben die Landschaftsarchitekten vom Berliner Atelier Le Balto noch Zeit für die endgültige Fassung der Entwurfsplanung, die dann an den Umweltbetrieb Bremen übergeben werden soll. Thomas Knode, in der Umweltbehörde verantwortlich für Planungsprojekte im öffentlichen Grün, macht dort dann mit der Ausführungsplanung weiter.

Vorangegangen waren zwei Workshops zur Freiraumgestaltung, in denen Nutzer und Nachbarn ihre Ideen und Wünsche dazu einbringen konnten, wie der Platz idealerweise aussehen sollte. Das war Ende November und nun hatte der Fachausschuss „Quartiersentwicklung“ des Waller Beirats das Thema auf der Tagesordnung, um sich über den neuesten Stand der Dinge zu informieren.

Dabei zu Gast: Stadtplaner Rainer Imholze, der im Bauressort den Bereich Zentren- und Innenstadtentwicklung verantwortet, die Fördermittel zur Umgestaltung der Fläche beschafft hat und diese koordiniert.

Einige offene Punkte galt es seit November des vergangenen Jahres noch zu klären. So muss zum Beispiel noch ein Konzept zur Entwässerung des Platzes erarbeitet werden; die Planer hatten eine Rasenfläche genau in der Mitte des Platzes vorgeschlagen, in der Regenwasser versickern könnte. Um zu klären, ob außerdem Entwässerungsgräben, eine Drainage oder ein Kanal notwendig sind, benötigten sie aber noch ein Bodengutachten, das seit dem 10. März vorliegt.

Die Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Grund müssen klar definiert und somit unter anderem entschieden werden, wie breit die Erschließungsstraße – also die Verlängerung der Sandstedter Straße – überhaupt werden soll und wie die Frage nach den benötigten Parkplätzen und einem Wendebereich für Müllfahrzeuge gelöst wird.

Aktuell gehen die Planer von 57 bis 60 neuen Wohnungen aus, für die nach der Stellplatzverordnung 21 Parkplätze, 15 öffentliche und zehn Besucherparkplätze auf der zu bebauenden Fläche nachgewiesen werden müssten. Diese Zahl würde Imholze gerne durch ein Mobilitätskonzept reduzieren.

Eine besondere Herausforderung ist außerdem die Abwicklung der Müllabfuhr. Denn um die Verlängerung der Sandstedter Straße anfahren zu können, benötigt der Müllwagen einen Wendeplatz mit einem Radius von 20 Metern. „Das müsste dann irgendwo auf dem Platz sein“, so Imholze, der diese Variante gerne umgehen würde, indem das Müllfahrzeug von der Sandstedter Straße aus in die Lankenauer Straße abbiegen würde. Dann allerdings müsste die Sandstedter Straße mit Pollern abgesperrt werden, damit nicht auch alle anderen Autos sie befahren könnten.

Die Erschließungskosten wiederum wirken sich auf die Preisermittlung für die Baugrundstücke aus, die später zu einem Festpreis vergeben werden sollen. Freiraumgestaltung und Bebauungsplanverfahren sind also extrem eng miteinander verflochten, was die Sache in der Gesamtheit hoch kompliziert macht.

Weiterhin offen ist bislang auch noch, wer später einmal die Pflege des Platzes übernimmt – und ob, wie von vielen Workshopteilnehmern gewünscht, öffentliche Toiletten aufgestellt werden könnten. Noch reichlich Stoff also für die Landschaftsarchitekten Véronique Faucheur und Marc Pouzol, mit denen Imholze und seine Kollegen in regem Kontakt stehen: „Alle sind total engagiert und arbeiten mit Vehemenz an der Planung.“

Zusätzlich gibt es durch neue Haushaltsbewirtschaftungsrichtlinien noch außerplanmäßige Verzögerungen: Sämtliche Maßnahmen müssen fortan mit dem Senat abgestimmt werden, bevor sie in der Deputation verhandelt werden können. „Das bedeutet leider wieder mindestens einen Monat Zeitverlust“, sagt Imholze.

Nach Ostern will er mit Nutzern und Anwohnern besprechen, ob die Fläche in Teilen übergangsweise bespielt werden kann. „Wir werden ihn aber nicht mit einer Decke überziehen“, hat Inholze dazu schon angekündigt.

Der Fachausschuss Quartiersentwicklung tagt voraussichtlich das nächste Mal am 26. Mai um 18 Uhr. Als Gast eingeladen ist dann Thomas Czekaj von der „Koordinierungsstelle für Baugemeinschaften in Bremen“, um über die Ausschreibung der Grundstücke zu informieren.

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