Kleingärtner kämpfen gegen die Dürre Die Regentonnen sind längst leer

Sie schleppen Gießkannen und rollen jeden Tag die Gartenschläuche aus: Beim Kleingärtnerverein Fuchsberg in Schönebeck kämpfen die Parzellisten gegen die Trockenheit in den Beeten.
24.07.2018, 17:24
Lesedauer: 3 Min
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Von Gabriela Keller

Bremen-Nord. „Im Moment machen wir eigentlich nur eine Notrettung. Der Boden ist einfach zu trocken, das Wasser läuft so weg“, sagt Wolfgang Weber. Es ist kurz nach 10 Uhr, die Sonne strahlt mit 30 Grad vom Himmel. Im Kleingärtnerverein „Fuchsberg“ in Schönebeck hat der 51-Jährige an diesem Vormittag auf einer Parzelle am Rosenweg mit dem Gartenschlauch den Kampf gegen die Dürre aufgenommen.

Bei den Kleingärtnern am Ziegeleiweg sind Schlauch und Gießkanne seit Wochen im Dauereinsatz. 39 Parzellen gehören zum Gelände. Auf jedem Grundstück steht nach den Worten des Vorsitzenden Holger Buberl mindestens eine Regensammeltonne. Doch weil vom Himmel schon seit Wochen kein Tropfen mehr fällt, müssen die Kleingärtner ihre Tonnen inzwischen mit Trinkwasser aus den Zapfstellen der Wasserleitung vor den Gartenpforten füllen. Jede Parzelle hat eine Wasseruhr – in diesem Sommer rotieren die Zähler.

Sieben Kubikmeter Wasser hat Kleingärtner Weber, der mit seinem Partner seit vier Jahren eine Parzelle am Rosenweg beackert, seit Mai schon abzapfen müssen. Jeden Tag bekommen das Gemüse, Phlox, Dahlien, das leuchtende Ringenblumen-Beet und andere Pflanzen Wasser. Vor allem Gurken, Kürbisse und Zucchini seien durstig. „Die saugen das Wasser so weg. Wegen der Hitze müssen wir sogar den Kompost, auf dem die Kürbisse wachsen, gießen. Das kam noch nie vor.“ Meist rollt Weber am frühen Morgen den Schlauch aus. „Heute bin ich eigentlich schon zu spät dran.“

Lieber frühmorgens als tagsüber oder abends wässern, empfiehlt auch Hartmut Clemen als goldene Gießregel. „Am Tage verdunstet das Wasser zu schnell, über abendliches Gießen freuen sich vor allem die Nacktschnecken“, so der Leiter des Beratungszentrums Garten beim Landesverband der Gartenfreunde Bremen. Der Verband vertritt 17 000 Mitglieder in 110 Vereinen.

Friedrich Dubs schleppt an diesem Vormittag schwere Gießkannen auf seiner Parzelle am Tulpenweg. „Was soll man machen. Ohne Wasser geht es nicht, sonst würde alles kaputt gehen“, meint der 70-Jährige. Manchmal nützt alles Gießen nichts. Auf der Weber'schen Parzelle haben einige Bodendecker die bisherige Hitze nicht überlebt. „Dafür kommen die italienischen Kräuter in diesem Jahr sehr gut. Oregano, Thymian und Majoran vertragen die Hitze“, stellt der Kleingärtner fest. Auch andere Gartenpflanzen blühen bei hohen Temperaturen richtig auf, weiß Fachmann Clemen. „Rosen kommen gut mit Hitze klar, ebenso manche Staudenarten wie der Kalifornische Mohn, das Wilde Veilchen oder die robuste, unermüdlich blühende Ringelblume.“

Anderen Pflanzen dagegen ist regelrecht anzusehen, wie sie unter der Hitze leiden. Im Kleingarten von Friedrich Sillje hat ein Rhododendron mit hängenden Blättern schlappgemacht. „Gestern habe ich ihn gegossen, jetzt erholt er sich langsam“, meint der 75-Jährige, der seit 26 Jahren eine Parzelle am Dahlienweg besitzt. „Rhododendren sind Moorbeetpflanzen, die viel Wasser brauchen“ erklärt Holger Buberl. Der 51-Jährige leitet sein Januar den Verein „Fuchsberg“. Auf seiner Parzelle am Tulpenweg hat er selbst einige Rhododendren stehen. „Alle ein bis zwei Wochen bekommen sie ein paar Liter Wasser.“ Einige Kleingärtner würden den Boden unter Rhododendren auch mit Rasenschnitt oder Eichenlaub abdecken, damit das Wasser nicht so schnell verdunstet, erzählt er.

Berater Clemen vom Landesverband empfiehlt, in Zier- und Gemüsebeeten auf jeden Fall zu mulchen. „Das hält die Feuchtigkeit länger in der Erde.“ Allerdings sollte der Klein- oder Hobbygärtner die Mulchschicht auf keinen Fall zu dick auftragen. „Sonst entsteht eine Stickstoff-Sperre. Den Pflanzen stehen nicht genügend Nährstoffe zur Verfügung, sie wachsen nicht gut.“ Eine zwei bis drei Zentimeter hohe Mulchschicht sei ausreichend.

Clemen selbst schwört auf Geohumus – thermisch aufgearbeitetes Lavagestein, das in die Erde eingearbeitet wird. Auch regelmäßiges Hacken helfe, Wasser im Boden besser zu speichern. „Im Ziergarten reicht es, zwei Mal im Monat die Bodenoberfläche aufzulockern.“ Der Nutzgärtner muss öfter zur Hacke greifen. „Bei Lehmboden zwei Mal, bei Sandboden ein Mal die Woche“, empfiehlt Clemen.

Die Theorie ist eine Sache, die Praxis in diesen Tagen eine andere. „Die Erde ist zu trocken. Eigentlich müssten wir hacken, aber wer macht das schon bei über 30 Grad?“, fragt Buberl. Einig sind sich die Kleingärtner am Ziegeleiweg, was die Rasenpflege angeht: „Hier sprengt bei der Hitze keiner seinen Rasen“, sagt der Vorsitzende. „Bei einem trockenen Rasen können durch das Wässern die Wurzeln überfordert werden, das habe ich mal in einem Fernsehbericht gehört“, erzählt Kleingärtner Sillje. Auch Wolfgang Webers Rasen muss ohne Wasser auskommen.

„Der sieht jetzt zwar braun aus, dafür brauche ich aber auch nicht zu mähen.“ Hartmut Clemen vom Landesverband der Gartenfreunde rät dazu, an heißen Tagen auf das Mähen zu verzichten. „Wenn der Rasen wächst, kann er die Hitze besser überstehen. Die längeren Halme schattieren den Boden besser, das schützt auch die Mikroorganismen.“ Wer trotzdem mähen will, dem empfiehlt er, das Grün nicht zu kurz zu scheren. „Mindestens vier Zentimeter sollten stehen bleiben.“

Regen – das wünschen sich die Kleingärtner am Ziegelweg in Schönebeck sehnlich. Etwas Gutes habe die Hitze indes auch, meint Wolfgang Weber. „In diesem Jahr fressen mir keine Schnecken den Salat weg.“

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