Kulturstaatsrätin Emigholz im Interview „Die Ressourcen sind nicht unendlich“

Die Bremer Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz spricht über die Finanzierung der Weserburg und über ein neues Museum am Wall.
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Die Bremer Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz spricht über die Finanzierung der Weserburg und über ein neues Museum am Wall.

Frau Emigholz, in der vorigen Woche hat der WESER–KURIER darüber berichtet, dass es eine Einigung mit der Weserburg über die Höhe der jährlichen Zuwendungen gibt. Die Details waren noch nicht bekannt. Auf welche Summe haben Sie sich mit dem Stiftungsrat nun genau geeinigt?

Carmen Emigholz: Wir haben für fünf Jahre einen jährlichen Zuschuss in Höhe von circa 1,1 Millionen Euro angeboten. Das sind in etwa 200 000 Euro mehr, als die Weserburg zuletzt erhalten hat. Zusätzlich sind 200 000 Euro für das Studienzentrum für Künstlerpublikationen vorgesehen. Also bewegen wir eine Gesamtsumme von circa 1,3 Millionen.

Nun ist der Betriebsrat der Weserburg trotz des verbesserten Angebots nicht einverstanden mit dieser Regelung. Die Summe sei nicht ausreichend, hieß es. Rund 1,8 Millionen Euro müssten es pro Jahr mindestens sein, damit Personal, Unterhalt des Hauses sowie Ausstellungen finanziert werden könnten. Der Betriebsrat droht notfalls mit einer Klage, um diese höhere Forderung durchzusetzen. Was sagen Sie dazu?

Zunächst einmal sollten alle Beteiligten bei der Weserburg überlegen, ob eine Klage bei diesem Angebot in diesen Zeiten angemessen ist. Andere Kultureinrichtungen in der Stadt bemühen sich, mit dem Geld aus dem Kulturetat auszukommen und schaffen es damit auch, ihre Programme abzudecken. Ich finde, dass man in diesen Zeiten auch von den Akteuren der Weserburg eine solche Haltung gegenüber der gesellschaftlichen Realität erwarten kann.

Die ja offensichtlich der Stiftungsrat auch signalisiert hat, aber dabei im Hause auf Widerstand gestoßen ist, da dem Betriebsrat diese Summe nicht ausreicht.

Ja, die Zustimmung hat der Stiftungsrat als Vertretungsgremium der Weserburg signalisiert. Ich glaube im Übrigen – im Gegensatz zum Betriebsrat – nicht, dass die Stiftungsurkunde unendlich belastbar ist. Wir haben zwar laut Stiftungsurkunde die Verpflichtung, das Haus zu unterstützen, aber die Haushaltslage in Bremen und auch die Haushaltsgesetzgebung dürften bei der Bewertung eine signifikante Rolle spielen. Insbesondere, weil auch die Schuldenbremse in der Landesverfassung verankert ist. Kunsthäuser in anderen Bundesländern modifizieren ihre Programme oder überlegen sich, in welchem Rhythmus sie Projekte machen. Insofern sollten wir uns als Verhandlungspartner auf beiden Seiten entgegenkommen. Wir haben seitens der Kulturbehörde versucht, dem Engagement in der Weserburg Rechnung zu tragen und erkennen es wirtschaftlich und kulturfachlich an, was dort in den vergangenen Monaten geleistet wurde. Aber unsere Ressourcen sind nicht unendlich groß.

Bedeutet diese Vereinbarung, falls sie zustande kommt, einen Bestandsschutz für den Standort des Museums am Teerhof?

Eine Baumaßnahme an einem anderen Standort ist nach allem, was wir bisher an Kostenschätzungen präsentiert bekommen haben, sehr viel teurer. Bremen wird sich angesichts der allgemeinen Finanzlage sehr genau überlegen müssen, ob wir Neubauvorhaben im großen Stil noch finanziell stemmen können.

Das heißt ein möglicher Neubau an den Wallanlagen würde zu teuer?

Das sieht nach den derzeitigen Berechnungen – wenn man alle Funktionen erhalten will – so aus. Leider geht uns damit die Chance verloren, die Kulturmeile an den Wallanlagen zu ergänzen, aber grundsätzlich ist der Standort am Teerhof kein schlechter für das Museum. Insofern müssen wir das Beste aus dieser Lage machen.

Um dieses Gebäude zu sanieren und zu stabilisieren sind laut Immobilien Bremen weitere Millionen fällig. Die Rede ist von rund 3,5 Millionen Euro. Hat die Stadt dieses Geld überhaupt?

Die Stadt hat die Verantwortung für dieses Gebäude und damit auch für die Sanierung. Diese Kalkulation der Grundbaukosten ist ernst zu nehmen. Aber wir müssen sehen, dass die Sanierungssumme dennoch geringer ist als zusätzliche Investitionen bei einem Neubau, der circa doppelt so viel kosten würde.

Grundsätzlich die Frage: Aus meiner Sicht gibt es mit der Weserburg, der GAK, der Städtischen Galerie, dem Künstlerhaus und der Kunsthalle, die sich verstärkt moderner Kunst widmet, viele Häuser mit diesem Schwerpunkt. Kann und will Bremen sich das noch leisten?

Ich finde, Bremen sollte dieses Potenzial aufgreifen und daraus ein Profil entwickeln, das auch überregional wahrgenommen wird. Wir versuchen gerade, die Häuser mit verlässlichen Vereinbarungen abzusichern und ihnen zu ermöglichen, interessante Ausstellungen anzubieten. Ich glaube, dass es sinnvoll wäre, auch im Hinblick auf die Verwendung der City-Tax-Gelder, die Einrichtungen zu stärken, die nicht nur für die Bremerinnen und Bremer interessant sind, sondern auch auswärtige Gäste anziehen.

Gibt es ein Konzept für diese Häuser?

Aus unserem runden Tisch zur Weserburg und zur zeitgenössischen Kunst in Bremen hat sich eine Initiative entwickelt, die konzeptionelle und strategische Entwicklungen zwischen den Häusern abgleicht und Perspektiven entwickelt. Dieses Papier stellen wir in der Deputationssitzung im Februar ausführlich vor. Im Moment ist unsere Strategie, dass wir die Einrichtungen dabei unterstützen, sich zukunftsfähig aufstellen, so dass sie diese wirtschaftlich schwierige Situation Bremens überstehen und dabei handlungsfähig bleiben. Wir haben die ersten, sehr konstruktiven Verabredungen in dieser Hinsicht geführt. Das betrifft neben der Weserburg die Wilhelm-Wagenfeld-Stiftung und auch das Gerhard-Marcks-Haus. Mit der Kunsthalle sind wir ebenfalls im guten Gespräch. Wir hoffen, dass wir im Zuge der Haushaltsberatungen einen sehr deutlichen Punkt in Bezug auf diese Häuser setzen können.

Die Kulturdeputation berät in der nächsten Woche, am 15. Dezember, erneut das Thema Weserburg. Was genau steht dort im Mittelpunkt?

Wir würden gerne darlegen, dass es für die Weserburg eine Zukunft gibt und der Deputation die wesentlichen Rahmenbedingungen vorstellen. Die Umsetzung seitens der Weserburg muss sich selbstverständlich bewähren.

Bremen schwimmt bekanntlich nicht gerade im Geld. Wie schwer ist es für Sie, bei den Haushaltsberatungen noch eine ausreichende Summe für die Kultur herauszuholen, die oft und gern als überflüssiger Zierrat gesehen wird?

Kultur ist ein wesentlicher Standortfaktor. Kultur trägt auch in diesen Zeiten zur Integration bei und fördert den gesellschaftlichen Wandel. Nichtsdestotrotz müssen wir sehen, wie wir diesen Bereich wirtschaftlich gestalten können. Wir unterstützen jede Initiative zur Kooperation, zur Nutzung von Synergie-Effekten. Schließlich geben wir das Geld des Steuerzahlers aus und wissen, dass es viele Konkurrenten bei der Vergabe von öffentlichen Mitteln gibt.

Ich könnte mir vorstellen, dass man gerade im Kulturbereich da einen harten Stand hat. Macht der Job noch Spaß?

Na klar, ich habe ihn mir ausgesucht. Es war immer mein Wunsch, politisch zu gestalten. Und da kommen die Zeiten, wo es schön ist, dass man Geld ausgeben kann, und dann die des Kärrner-Jobs unter Bedingungen der Haushaltsnotlage. Gerade in diesen Zeiten, in denen weniger Geld vorhanden ist, benötigen wir das, was Kultur allgemein auszeichnet: Kreativität. Und das ist die Herausforderung.

Das Interview führte Uwe Dammann.

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