Wetterdienst warnt vor Orkan

Die Ruhe vor dem Sturm

Bremen. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor einem schweren Orkan. Am Donnerstag soll er über Norddeutschland wüten. Die Bremer Behörden und Feuerwehren sind gewarnt.
04.12.2013, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Arno Janssen
Die Ruhe vor dem Sturm

Der Bremer Weihnachtsmarkt.

Christian A. Werner

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor einem schweren Orkan. Am Donnerstag soll er über Norddeutschland wüten. Die Bremer Behörden und Feuerwehren sind gewarnt. Noch sind die Prognosen des Wetterdienstes zwar zu ungewiss, sollten sie sich heute allerdings erhärten, könnte auch der Weihnachtsmarkt betroffen sein.

UPDATE Die Weihnachtsmärkte bleiben geschlossen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Am Donnerstag soll er über Bremen hinwegziehen: ein Orkan, der wie zuletzt das Sturmtief „Christian“ Bäume entwurzeln, Züge lahmlegen und für etliche Stromausfälle sorgen könnte. Dies verkündete zumindest gestern der Deutsche Wetterdienst (DWD). „Wir erwarten in Norddeutschland einen schweren Sturm mit Windstärke zwölf“, sagt Andreas Friedrich, Meteorologe vom DWD. Mit Böen von über 118 Stundenkilometern sei zu rechnen. Dies entspräche den Werten, die zuletzt auch der Herbststurm „Christian“ erreicht habe. „Ob es wirklich dazu kommt, kann allerdings erst 24 Stunden vorher gesagt werden“, so Friedrich. Die Messgeräte seien zu ungenau, um zu ermitteln, ob das Unwetter nicht vielleicht in Skandinavien wüten werde. Eine deutliche Tendenz, dass ein Orkan am Donnerstagnachmittag von der Küste aus über nördliche Teile der Bundesrepublik zieht, gebe es aber.

„Wir sind für jeden Sturm gewappnet“, sagt Gregor Janßen, Stellvertretender Schichtleiter der Feuerwehr Bremen. Wenn sich die Sturmwarnungen am Mittwoch erhärteten, stünden zusätzliche Einsatzkräfte auf Abruf bereit. Über 580 Mal mussten die Fahrzeuge der Feuerwehr ausrücken, als „Christian“ über Bremen und Bremerhaven hinwegzog. „Baugerüste lösten sich, Mülltonnen und Dachziegel flogen durch die Straßen“, erzählt Janßen. Den Bürgern rate er in solchen Ausnahmesituationen vor allem von Spaziergängen ab. Dazu sollten Fenster geschlossen bleiben. „Wenn Windböen sie auf und zu schlagen, zerspringen Scheiben“, sagt der Feuerwehrmann. Er hoffe nicht, dass der Sturm so schlimm wie im Oktober werde. „Schließlich mussten wir sogar den Freimarkt für sechs Stunden lahmlegen.“

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Lahmgelegt werden könnte nun der Bremer Weihnachtsmarkt. Wenn es am Mittwoch keine Entwarnung vom Wetterdienst gebe, müssten die Buden und Fahrgeschäfte des Weihnachtsmarktes ihren Betrieb auf unbestimmte Zeit einstellen, sagt Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin der Innenbehörde. „Auch Schulen würden wieder ausfallen“, sagt sie. Noch werde das Unwetter vom DWD allerdings nicht sicher bestätigt. „Bis Mittwochnachmittag müssen wir abwarten“, so Gerdts-Schiffler. Wenn sich die Prognosen dann bestätigten, würden sich Stadtamt, Polizei, Feuerwehr und Bauordnungsamt zusammensetzen, um die notwendigen Schritte für die Marktsperrung in der Innenstadt einzuleiten, sagt sie.

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Carl-Hans Röhrßen, von der Arbeitsgemeinschaft der Bremer Märkte, macht sich um den Weihnachtsmarkt hingegen keine Sorgen. „Unsere Holzbuden sind sturmerprobt“, sagt er. Wenn es mit dem Wind zu heftig werden sollte, könne man die Hütten einfach zuklappen. Glühweintassen und Weihnachtsschmuck würden so vor dem Umherfliegen bewahrt. „Hohe Fahrgeschäfte wie auf dem Freimarkt gibt es hier nicht“, betont Röhrßen zudem. An dem wenige Meter hohen Riesenrad würde der Wind wohl am meisten rütteln. Dieses sei aber durch die anliegenden Gebäude auf der Domsheide gut geschützt.

Weniger gut geschützt sind hohe Baugeräte wie die Kräne auf der nahe gelegenen Baustelle der Bremer Landesbank. Mit einer Höhe von bis zu 50 Metern werden sie dort für die Sanierung des Gebäudekomplexes eingesetzt. Maik Sauer, auf dem Gelände Verantwortlicher für die Baukräne der Firma „Leonard Weiss“, erklärt, wie sie trotzdem jedem Sturm standhalten. „Wir stellen sie einfach auf windfrei“, sagt er. Wie Wetterhähne auf Dächern würden sie sich mit diesem Mechanismus dann mit dem Wind drehen. Selbst Orkanen wie „Christian“ könnten die Geräte dann standhalten, erklärt Sauer.

Auch Sabine Brunkhorst, Sprecherin der Deutschen Bahn, macht sich noch keine Sorgen über den drohenden Orkan und seine möglichen Folgen. Die Bahn führe schließlich Rückschnitte der Vegetation durch. „Selbst, wenn es eine konkrete Sturmwarnung geben würde, können wir nicht schon im Vorfeld Busse bereithalten“, sagt sie. Doch auch die Bahn sei durch die Meldungen des Wetterdienstes alarmiert. „Schließlich müssen Oberleitungen schnell repariert und Gleise umgehend geräumt werden“, so Brunkhorst.

Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst würde allerdings selbst bei einer Entwarnung am Mittwoch nicht gänzlich zur Sorglosigkeit raten. „Von Dezember bis Februar toben in der Bundesrepublik immer wieder Orkane“, sagt er. Das sei normal für diese kalten Monate. „Die letzten zwei Jahre waren ruhig“, sagt er. Es sehe aber so aus, als würden dieses Jahr nach „Christian“ noch einige Unwetter folgen.

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