Wallerie stellt eindrucksvolle Skulpturen aus Bäumen und Musikinstrumenten aus Die Schönheit des Baumes sichtbar machen

Walle. „Ich versuche, die Seele der Bäume sichtbar zu machen, nachdem man ihnen die Wurzeln und die Krone geraubt hat“, erklärt der Bildhauer Franz Robert Czieslik. Mit der Ausstellung „Baumturen“ ist der vielseitige Skultpuren-Künstler derzeit in der „Wallerie“ im Walle-Center an der Waller Heerstraße zu Gast.
10.10.2016, 00:00
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Von Matthias Holthaus

Walle. „Ich versuche, die Seele der Bäume sichtbar zu machen, nachdem man ihnen die Wurzeln und die Krone geraubt hat“, erklärt der Bildhauer Franz Robert Czieslik. Mit der Ausstellung „Baumturen“ ist der vielseitige Skultpuren-Künstler derzeit in der „Wallerie“ im Walle-Center an der Waller Heerstraße zu Gast. Bis zum 4. März können seine Werke in und vor der Galerie bestaunt und bewundert werden. Parallel sind auch diverse Arbeiten der Künstlerin Annette Bergmann zu sehen, die aus alten Musikinstrumenten Schmuckstücke und andere Kunstwerke herstellt.

Bereits 1979, im Alter von 13 Jahren, sei Czieslik „auf den Holzweg gekommen“, wie er selbst sagt. Seitdem ist er fasziniert von diesem natürlichen Werkstoff. Und diese Faszination drückt sich auch in den Werken seiner aktuellen Ausstellung aus: Vielfältig sind die Ideen und Inspirationen in den hölzernen Skulpturen zu erkennen. Die teils bis zu drei Meter hohen Kunstwerke drücken trotz ihrer Größe eine immense Verletzlichkeit und Zartheit aus. Teilweise erinnern sie an wogendes Gras, das im Wind spielt, teilweise an offene Wunden, die einen leuchtend roten Kern offenbaren. Und auch Zitate anderer Kunstschaffenden wie beispielsweise Käthe Kollwitz sind in seiner Arbeit auszumachen: Am oberen Ende einer übermannshohen Holzplastik scheint ein Mensch seiner Verzweiflung durch Hände, die sein Gesicht bedecken, Ausdruck zu verleihen.

Bis zu drei Monate kann es dauern, bis eine „Baumtur“ vollendet ist. Dieser Name, die Fusion der Begriffe „Baum“ und „Skulptur“, ist seit der Jahrtausendwende die Bezeichnung seiner Werke. Dabei spielt nicht nur die Bildhauerei in seinem Schaffen eine Rolle, sondern auch Farbe: „Dieses Jahr ist schwarz hinzugekommen, um auch die Wuchsform des Baumes noch intensiver darzustellen“, so Czieslik. Ebenso verhält es sich mit dem da und dort auftauchenden Rotton, der intensiv hervorscheint und wie eine klaffende Wunde wirkt – nicht ohne Grund: „Ich verletze ja mit meiner Arbeit den Baumstamm, um die Schönheit sichtbar zu machen“.

Kleinere Baumturen können auch den heimischen Wohnzimmertisch schmücken, größere Werke den eigenen Garten vor der Haustür; der umtriebige Künstler reist dann auch eigens an und berät seine Kunden, wo und wie ihre Baumturen am besten zur Geltung kommen. Die fast ausschließlich aus Robinienholz gefertigten Skulpturen können problemlos draußen aufgestellt werden. Das zeigt auch der von Czieslik konzipierte Skulpturen-Park in Groß Ippener, der von Anfang Mai bis Ende August seine natürlichen Werke beherbergt und zudem eine Bühne für Konzerte, Lesungen, Poetry-Slam und vieles andere mehr bietet. Nach der Saison im Skulpturen-Park gehen die Baumturen dann auf Wanderschaft – wie derzeit in der „Wallerie“.

Mit Annette Bergmann stellt eine weitere Künstlerin seit Donnerstag ihre Arbeiten aus: Sie erschafft Kunst aus alten, ausgedienten Musikinstrumenten. „Man kann mit seinem eigenen Musikinstrument zu mir kommen und Wünsche zur Bearbeitung äußern, aber auch Instrumente aussuchen, die ich in meinem Atelier in Münster habe“, erzählt Bergmann.

Sie selbst ist durch ein Missgeschick zu ihrer Arbeit gekommen: „Ich bin mal mit meiner Geige hingefallen und hatte nach der Reparatur ein Teil übrig“, berichtet sie, „und dann dachte ich, `Was kann ich da wohl draus machen´?“ Herausgekommen sind nicht nur Skulpturen ähnliche Werke, sondern auch originelle Schmuckstücke aus Klavierfilz oder Holzteilen von Streichinstrumenten. Dabei dürfe man die Kunstwerke in der Ausstellung auch anfassen, sagt die studierte Designerin und betont: „Ich versuche, der Seele des Instruments ein neues Leben zu geben“.

„Die Musik auf eine besondere Art zu ehren, finde ich eine gute Idee“, erzählt Delia Nordhaus von der Galerie „Wallerie“. Sie gibt nahezu monatlich Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit einer Ausstellung und ist nicht nur von den Arbeiten Annette Bergmanns, sondern auch von den Baumturen Franz Robert Cziesliks angetan: „Ich war beeindruckt von der sensiblen Art der Bearbeitung des Baumes“, so die Galeristin, „und der Künstler selbst sagt, die Bäume hätten eine Seele“.

Mit Leib und Seele dabei waren auch 17 Künstlerinnen und Künstler aus Bremen und umzu sowie Kinder aus dem Stadtteil, die einem Aufruf der „Wallerie“ folgten und zum Thema „Alles Walle!“ ihre Gedanken, Sichtweisen und Visionen zu dem aufstrebenden Stadtteil in Kunstwerke verarbeiteten. Die Ergebnisse dieser künstlerischen Stadtteilschau werden ab dem 3. November in der Galerie „Wallerie“ im Walle-Center zu sehen sein. Eine Verlängerung erfährt die Ausstellung von Stefan Wepfer. Die seit Mitte September bestehende Ausstellung seiner surrealistischen Kohlezeichnungen ist nun bis zum 29. Oktober zu sehen.

Weitere Informationen über die Galerie „Wallerie“ und die Kunstschaffenden sind hier zu finden: www.wallerie.de, Annette Bergmann: www.sostenuto-manufaktur.de, Franz Robert Czieslik: http://skulpturen-holz.de.
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